Namen
Australische Ortsnamen mit deutschem Hintergrund
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Ortsnamen deutscher Herkunft in Südaustralien
▶ Siehe die Liste der Ortsnamen in Südaustralien, die 1918 während des Ersten Weltkriegs geändert wurden (mit Ortsangaben und Anmerkungen).
▶ Artikel über südaustralische deutsche Ortsnamen:
Teil 1 - Die Auswirkungen des 1. Weltkriegs :: Ein vollständiger Bericht? :: Kap Bauer - die Dankbarkeit des britischen Empire
Teil 2 - Deutsche Ortsnamen, die der Entdeckung ›entgangen‹ sind :: Ortsnamen als Rekrutierungsinstrument
Teil 3 - »Deutsche« Namen aus Versehen? :: Die 1930er Jahre - einige deutsche Namen werden wieder eingeführt :: Ein deutscher Ortsname, der nicht vorkam :: Neue deutsche Ortsnamen nach 1918
Deutsche Ortsnamen, die der Entdeckung ›entgangen‹ sind
Es scheint möglich, dass der wichtigste Faktor bei der Identifizierung von Namen, die geändert werden sollten, ihr deutscher Klang war und nicht ihre feindliche Herkunft. Die folgenden Namen wurden vom Nomenklaturausschuss im Jahr 1916 nicht identifiziert und sind deutscher Herkunft oder haben eine starke Verbindung zu Deutschland.
➽ Die überraschendste Abwesenheit auf der Liste der Namen mit deutschem Hintergrund ist die Hauptstadt von Südaustralien, Adelaide. Die neue Stadt wurde nach einer deutschen Prinzessin benannt, die den zukünftigen König von Großbritannien heiratete - ab 1830 war sie sowohl Königin von Großbritannien und Irland als auch Königin von Hannover. Ihr Name war Adelheid Amalie Luise Therese Caroline von Sachsen-Meiningen. In England wurde die Schreibweise ihres Namens in Adelaide geändert. Mehr über Königin Adelaide kannst du in diesem Artikel lernen. Warum änderte die südaustralische Regierung den Namen der Stadt Adelaide, einen Namen »feindlicher Herkunft«, nicht? Vielleicht klang er nicht deutsch genug.
Der südaustralische Historiker Ian Harmstorf ist sich nicht sicher, ob der Ausschuss den Namen einfach übersehen hat oder ob die Regierung der Meinung war, dass die Änderung des Namens von Adelaide eine ›zu große Herausforderung‹ darstellen würde.[1]
➽ Altona - zwei Wohnsiedlungen tragen diesen Namen:
1866 teilte Johann F.W. Mattner (1826-1876) Land auf, das er zuvor etwa zwei Kilometer östlich von Lyndoch im Barossa Valley gekauft hatte, und nannte es Altona. Mattner war am 27. Oktober 1841 mit dem Schiff Skjold aus dem Hafen von Altona, Deutschland, in Südaustralien angekommen. Altona ist heute der westlichste Bezirk des deutschen Stadtstaates Hamburg.
Im Jahr 1911 gab Samuel Bowering Marchant (1870-1950), ein Unternehmer[2] aus dem südaustralischen Städtchen Balaklava, einem Stück Land, das er in der Region zwischen Port Wakefield und dem nordwestlichen Rand des Barossa Valley besaß, den Namen Altona. Seine zweite Frau war deutscher Abstammung. Nach den Worten des Historikers Geoffrey Manning (hier in Übersetzung) entgingen beide Orte mit dem Namen Altona »der Aufmerksamkeit des Ausschusses (Nomenclature Committee), der während des Ersten Weltkriegs eingesetzt wurde, um deutsche Namen von der Karte Südaustraliens zu tilgen«.[3]

Schild »Hamburg-Altona« auf einem Bahnsteig des Bahnhofs Altona, Hamburg, Deutschland
➽ Gnadenfrei / Marananga. Dieser Ort liegt etwa 5 km nordwestlich von Tanunda und wurde von deutschen Siedlern, die um 1848 ankamen, zunächst Salz Creek (Salzbach) genannt. Der Ort wurde bald als Gnadenfrei bekannt, und die Kirche heißt immer noch St. Michael's Gnadenfrei Lutheran Church. Um die Mitte der 1800er gehörten die Einwohner von Gnadenfrei ursprünglich zur Gemeinde von Pastor Kavel in Langmeil, gründeten aber ihre eigene Kirche in Gnadenfrei. Die heutige Kirche wurde 1873 erbaut, der Turm und andere Elemente wurden später hinzugefügt. Im Jahr 1879 wurde eine deutsche Schule eingerichtet. Der Nomenklaturausschuss von 1916 nahm Gnadenfrei nicht in seinen Ortsnamenbericht für die Regierung auf. Im Jahr 1918 beschlossen die Einwohner von Gnadenfrei, eine neue Schule zu bauen, und nannten sie (vielleicht aufgrund der damaligen antideutschen Stimmung) Marananga, und dieser Name wurde allgemein für den Ort verwendet. Im Jahr 1958 errichteten Malcolm und Joylene Seppelt (aus der berühmten deutschen Winzerfamilie in der Gegend um Seppeltsfield) ein Weingut in Marananga, das sie ›Gnadenfrei Estate‹ nannten. Die dort erzeugten Rotweine sind hoch angesehen, obwohl die neuen Besitzer des Weinguts die Weine nicht mehr unter dem Namen Gnadenfrei vermarkten.[4]
Die Gnadenfrei St Michael lutherische Kirche in Marananga
Eine Weinflasche - ein Wein, der vom Weingut Gnadenfrei hergestellt wurde (Gnadenfrei Estate)
➽ Kroemer's Crossing - auf der UBD-Karte des Barossa Valley von 1993 ist Kroemer's Crossing als eine Ortschaft in der Nähe von Tanunda verzeichnet. Sie wurde nach Stephan Kroemer benannt, der dort am 25. September 1873 Land kaufte. Er wurde um 1820 in Schlesien (damals Teil des deutschen Königreichs Preußen) geboren und kam 1848 mit dem Schiff Victoria nach Südaustralien. Kroemer starb am 27. August 1895 und ist in Tanunda begraben.[5]
Nach Prince Albert benannt
➽ Albert Park ist ein Vorort von Adelaide, 9 km nordwestlich des Stadtzentrums von Adelaide, auf dem angestammten Gebiet der Kaurna-Leute.[6] Der Vorort wurde nach Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha benannt,[7] dem deutschen Prinzen, den die britische Königin Victoria heiratete (bei seiner Geburt hieß er offiziell Prinz Franz Albrecht August Karl Emanuel von Sachsen-Coburg-Saalfeld). In diesem Artikel lernst du mehr darüber, warum australische Ortsnamen diesen deutschen Prinzen ehren.
➽ Alberton ist ein Vorort 12 km nordwestlich des Stadtzentrums von Adelaide, auf dem angestammten Gebiet der Kaurna-Leute. Er war zunächst als »The Town of Albert« bekannt und wurde dann zu ›Albert Town‹, was zu Alberton verkürzt wurde. Im Bundestaat Südaustralien ist Alberton bekannt als Heimat des Fußballvereins Port Adelaide FC (Spitzname »Port Power«), der in der nationalen Australian Football League spielt.[8]
Es scheint, dass bei Ortsnamen wie Adelaide, Altona und Alberton die starke Verbindung zu Deutschland kein Problem darstellte, wenn der Name nicht sehr offensichtlich deutsch aussah.
Ortsnamen als Rekrutierungsinstrument
Rekrutierungsplakat der Armee
Bildquelle: Australia. State Recruiting Committee of South Australia & Newland, J & Halliday Bros. (1916). Australians arise! save her from this shame. National Library of Australia. Abgerufen am 25. September 2025, von http://nla.gov.au/nla.obj-151734357.
Dieses Plakat war Teil der Bemühungen, mehr Australier zum Eintritt in die Armee zu bewegen. Es wurde vom Rekrutierungsbüro in Adelaide hergestellt und behauptete, dass Deutschland die Namen der australischen Großstädte ändern würde, wenn es das Land besetzen würde. Beispielsweise wird auf dieser Karte der Name Adelaide in Hindenburg und der Name Tasmania in Kaisermania geändert. Als dieses Rekrutierungsplakat erstellt wurde (irgendwann zwischen 1916 und 1918), war es tatsächlich Australien, das seit Kriegsbeginn bereits zahlreiche Ortsnamen geändert hatte – deutsche Ortsnamen wurden von der Landkarte Australiens entfernt.
Wer weiß, ob Deutschland die Ortsnamen in Australien hätte ändern wollen – Japan hat jedenfalls amerikanische Orts- und Straßennamen auf den Philippinen geändert, als es diese Inseln während des Zweiten Weltkriegs besetzte (die Inseln waren zu der Zeit eine Kolonie der USA). Unter anderem erhielten die Taft Avenue und der Dewey Boulevard japanische Namen. Die Japaner benannten auch andere Orte, die sie besetzt hatten, um, z. B. wurde die Insel Guam im mikronesischen Teil des Pazifiks zu Omiya Jima und Wake Island zu Odori oder Ōtorishima.[10] Als die Amerikaner 1945 Japan besetzten, gaben sie einigen Straßen und Orten amerikanische Namen, zum Beispiel Washington Heights und Doolittle Park.[11]
♦ Einzelnachweise:
1. Harmstorf, Ian. (1981). The German Experience in South Australia. In: Insights into South Australian History, vol. 2, South Australia’s German History and Heritage. Historical Society of South Australia Inc. (1994) S.36
2. Samuel Marchant, ein 'contractor' - das englische Wort bedeutet: eine Person, die den Auftrag entgegennimmt, eine Arbeit auszuführen oder eine Ware zu einem bestimmten Preis oder in einer bestimmten Zeit zu liefern.
3. Manning (2012), S.34
4. Manning (2012), S.334 / Don Ross (local historian), Persönliche Mitteilung, Email, 14.10.2023 / Munchenberg, Reginald S et al. (1992). The Barossa, a Vision Realised. The Nineteenth Century Story. Barossa Valley Archives and Historical Trust Inc. S.195
5. Universal Business Directories Pty. Ltd. (1993). UBD Barossa Valley, Australia. Map 581 [kartographisches Material] : including Angaston, Kapunda, Lyndoch, Nuriootpa & Tanunda. Adelaide : UBD, a division of Universal Press. / Manning (2012), S.470 / Crawford, Ellouise. (2020, 23. September). Kroemer’s upgrade comes full circle. The Bunyip. <https://www.bunyippress.com.au/news/kroemers-upgrade-comes-full-circle>. Abgerufen am 16.12.2023. / Janmaat, Robert. (ohne Datum). 'Victoria'. The Ships List, <www.theshipslist.com/ships/australia/victoria1848.shtml>.
6. Manning (2012), S.21
7. Appleton, R., & Appleton, B. (1993). The Cambridge Dictionary of Australian Places. Cambridge: Cambridge University Press. doi:10.1017/CBO9781139084970. S.3
8. Manning (2012), S.22
9. Harmstorf, Ian. (1994). A Trust Betrayed. In: Insights into South Australian History, vol. 2, South Australia’s German History and Heritage. Historical Society of South Australia Inc. S.65
10. Immerwahr, Daniel. (2019). How to hide an empire. A short history of the Greater United States. London: The Bodley Head. S.195
11. Immerwahr (2019), S.225
♦ Literatur:
Manning, Geoffrey H. (2012). A Compendium of the Place Names of South Australia. From Aaron Creek to Zion Hill. With 54 Complementary Appendices. Verfügbar online hier.
Nomenclature Committee's Report on Enemy Place Names. Parliamentary paper (South Australia. Parliament); no. 66 of 1916, S. 1-4. Verfügbar in SA Memory, via State Library of South Australia, online hier.