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Australische Ortsnamen mit deutschem Hintergrund

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Die britische Königin Victoria, Prinz Albert und Coburg

Der historische Hintergrund des Namen Albert in Australien

Albert und Victoria

Gemälde, Porträt: Prinz Albert

Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, 1842
Gemälde von Franz Xaver Winterhalter

Quelle: Wikimedia Commons

Die Ehe der britischen Königin Victoria mit dem deutschen Prinzen Albert führte dazu, dass die Namen vieler Orte und Plätze in Australien an Albert und seine deutsche Herkunft erinnern.

Prinz Albert (Albert von Sachsen-Coburg und Gotha), der Ehemann von Königin Victoria, war ein deutscher Prinz, der auf Schloss Rosenau nahe der Stadt Coburg (im Norden des heutigen Bundeslandes Bayern) geboren wurde. Albert und Victoria waren Cousins, und dieselbe deutsche Hebamme, Charlotte Heidenreich von Siebold, hatte bei ihren Geburten in London und in Coburg, Deutschland, assistiert. Zu Beginn ihrer Ehe sprachen Victoria und Albert oft auf Deutsch miteinander. Victorias Mutter, die deutsche Prinzessin Victoria von Sachsen-Coburg-Saalfeld und später (durch Heirat in das britische Königshaus) Herzogin von Kent und Strathearn, konnte nicht sehr gut Englisch sprechen. Dem englischen Biografen und Journalisten A.N. Wilson zufolge war Königin Victoria ›mehr deutsch als britisch‹[1] und sie bezeichnete Deutsch als »die liebe deutsche Sprache«.[2]Der englische Historiker Norman Davies schrieb über Victoria: »Sie wurde in Deutschland gezeugt, war mit einem Deutschen verheiratet und war von deutschen Verwandten umgeben. Obwohl sie in England erzogen wurde, sprach sie mit Vorliebe Deutsch, vor allem mit Albert und ihren Kindern.«[3]

Albert förderte viele öffentliche Bildungseinrichtungen und unterstützte den technischen Fortschritt. Victoria und Albert waren eines der berühmtesten Paare der Geschichte. Der englische Historiker James Hawes bezeichnete Prinz Albert im Jahre 2018 (hier in Übersetzung) als »einen der politisch einflussreichsten Deutschen auf dem Planeten«.[4] Als Albert 1861 im Alter von 42 Jahren starb, gab es in der Öffentlichkeit viel Sympathie für Victoria.[5] Das englische Volk hatte reserviert auf Prinz Albert reagiert, als Königin Victoria ihn heiratete.[6] Für die meisten Briten war das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha ein kleiner und nicht sehr bedeutender Staat. Erst nach Alberts Tod erkannte Großbritannien an, was er für die Nation getan hatte. In der britischen Presse erschienen sehr viele Nachrufe - viele davon schienen zu bedauern, dass ›Albert zu Lebzeiten nie ausreichend für seine zahlreichen und bemerkenswerten Beiträge zur britischen Kultur als herausragender Mäzen für Kunst, Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft gewürdigt worden war‹.[7] In den Tagen vor Alberts Beerdigung bemerkte der Duke of Argyll (hier in Übersetzung): ›Die ganze Nation trauert, wie sie noch nie zuvor getrauert hat‹.[8]

(Foto © D. Nutting) Straßenschild

Straßenschild von Albert Street in Brunswick, Victoria

Viele Orte in verschiedenen Ländern (insbesondere im Britischen Empire) wurden nach Albert benannt, darunter Städte, Gebäude, Brücken, Seen und Berge. Der englische Biograf A.N. Wilson schrieb dazu (hier in Übersetzung): »Statuen von Albert waren überall im Empire zu sehen. Albert Halls, Albert Squares, Albert Streets füllten jede englischsprachige Stadt und viele der Städte in Indien.«[9] Auch in Australien wurden mehrere Orte und Landschaftselemente nach ihm benannt. Wie Eamon Evans in seinem heiteren Buch über australische Ortsnamen, Mount Buggery to Nowhere Else, schrieb (hier in Übersetzung): ›Man kann im ehemaligen Britischen Empire keinen Stein werfen, ohne dass er irgendwo in der Nähe eines Ortes landet, der nach Meinung der Königin [d.h. Königin Victoria] nach Albert benannt werden müsste.‹[10]

Auch in Australien gab es Gebäude, die nach Prinz Albert benannt wurden. Zum Beispiel gab es zur Zeit des berühmten Eureka Stockade-Aufstandes auf den Goldfeldern von Ballarat und noch zu Lebzeiten von Prinz Albert ein Hotel in Ballarat East, das Prince Albert Hotel. Es wurde von zwei Deutschen namens Carl Wiesenhavern und Johann Brandt geführt. Carl Wiesenhavern war ein guter Freund des italienischen Goldgräbers Raffaello Carboni, der Carl in dem berühmten Buch erwähnte, das er ein Jahr nach der Schlacht über den Eureka-Aufstand schrieb.[11] Das Prince Albert Hotel in Ballarat existiert nicht mehr (und ein Prince Albert Hotel in Williamstown (Victoria) wurde im Mai 2024 geschlossen, nachdem es zu Alberts Lebzeiten eröffnet worden war[12]), aber es gibt Prince Albert Hotels in anderen Teilen Australiens.

(Foto: National Trust) Hotelgebäude

Prince Albert Hotel im Jahre 2014. 254-256 Wright Street, Adelaide, South Australia.

Fotoquelle: National Trust of South Australia, CC BY-NC-SA 2.0, via Flickr.

Auf den Goldfeldern von Bendigo (Victoria) meldete Jacob Cohn 1868 im Namen der ›Prince Albert Company‹ einen Anspruch auf einen Goldquarzgang an, den die Gesellschaft ›Prince Albert Reef‹ nannte.[13]

Coburg

Königin Victoria fühlte sich der Stadt Coburg sehr verbunden, da ihre Mutter, ihr Ehemann und ihr Onkel dort geboren worden waren. Victoria besuchte mehr als einmal das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha mit Albert, und im September 1862, nach seinem Tod, besuchte sie es noch einmal, um ihn zu ehren. In einem Brief an eine ihrer Töchter schrieb sie von ihrer Zuneigung zu Coburg und zur deutschen Sprache.[14]

Schloss Ehrenburg

Schloss Ehrenburg in Coburg. Immer wenn Prinz Albert und Königin Victoria seine Heimatstadt Coburg besuchten, übernachteten sie in diesem Schloss.[15]

Foto: Wikimedia Commons / Überfranke

Ein Melbourner Stadtteil trägt den Namen Coburg.

Die Halbinsel Cobourg

Die Halbinsel (Peninsula) Cobourg ist eine abgelegene Halbinsel 350 Kilometer östlich von Darwin im Northern Territory in Australien. Die Cobourg Peninsula bildet zusammen mit einigen küstennahen Inseln den Garig Gunak Barlu National Park.

Phillip Parker King, ein junger Kapitän der Royal Navy, benannte die Cobourg Peninsula nach Prinz Leopold Georg Christian Friedrich von Sachsen-Coburg. Kapitän King befehligte in der ersten Hälfte des Jahres 1818 das Marineschiff HMS Mermaid bei einer Vermessungs- und Erkundungsreise an der Nordküste Australiens. Phillip Parker King veröffentlichte ein Buch über seine Reisen, in dem er unter dem Datum 29. April 1818 berichtete, dass die Halbinsel ›mit dem Namen Cobourg geehrt wurde, nach Seiner Königlichen Hoheit Prinz Leopold.‹[16] (Diese falsche Schreibweise des deutschen Namens Coburg erschien in dem 1827 veröffentlichten Buch und blieb erhalten.[17] ›Cobourg‹ ist eine französische Variante der Schreibweise).

(Foto © D. Nutting) Briefmarke

Die Australische Post gab im Februar 2021 diese Briefmarke heraus, die eine Szene von der Cobourg Peninsula zeigt.

Die Briefmarke auf dem Foto gehört zu einer Serie von vier Briefmarken, die australische Feuchtgebiete würdigen, die durch den internationalen Ramsar-Vertrag geschützt sind. Australien gehörte zu den 21 Gründerstaaten der Ramsar-Konvention, und die Halbinsel Cobourg war 1974 das erste Ramsar-Gebiet weltweit.[18]

😕 Warum benannte ein Offizier der Royal Navy diese Halbinsel nach einem Prinzen aus einem kleinen deutschen Herzogtum? Als Napoleons Truppen während der napoleonischen Kriege das Herzogtum Sachsen-Coburg besetzten, trat Prinz Leopold in die russische Armee ein und wurde ein erfolgreicher Offizier. Ab 1814 lebte er für einige Jahre im Vereinigten Königreich und war in London sehr bekannt. 1816 heiratete er Prinzessin Charlotte von Wales, die Zweite in der britischen Thronfolge (und die Tochter von Prinzessin Caroline von Braunschweig). Ein Jahr nach der Hochzeit erlitt Prinzessin Charlotte eine Totgeburt und sie starb am nächsten Tag. Als Belgien 1830 von den Niederlanden unabhängig wurde, lud der belgische Nationalkongress Leopold ein, der erste König der Belgier zu werden. Für den Rest seines Lebens war er König Leopold I. von Belgien. Seine Nichte, zu der er ein enges Verhältnis hatte, wurde 1837 die berühmte Königin Victoria von Großbritannien.

Man kann die Namen von mehreren Orten und Plätzen in Australien auf Prinz Albert und seine Heimatstadt Coburg in Deutschland zurückführen.

öffentlicher Park

Ein Schild mit dem Namen Albert Park in Cootamundra, New South Wales.
Im Jahr 1878 benannten die Einwohner von Cootamundra den Albert Park in Erinnerung an Prinz Albert.[19]

Foto: Wikimedia Commons / Mattinbgn

Ortsnamen in Australien...

♦ Einzelnachweise:

1. A.N. Wilson, in: Real Royalty. (2020, 20. Januar). The secrets inside Queen Victoria's diaries.

2. Wilson (2019), S.XII

3. Davies, Norman. (2000). The Isles: A History. Revised edition. London: Papermac. S.631

4. Hawes, James. (2018). The Shortest History of Germany. Exeter: Old Street Publishing (paperback edition). S.98

5. Monteath, Peter (Herausgeber). (2011). Germans: travellers, settlers and their descendants in South Australia. Kent Town (S.A.): Wakefield Press. Introduction, S. X (römische Ziffer 10)

6. Rappaport (2011), S.17

7. Rappaport (2019)

8. Rappaport (2011), S.109

9. Wilson (2019), S.5

10. Evans, Eamon. (2016). Mount Buggery to Nowhere Else : The stories behind Australia's weird and wonderful place names. Sydney (NSW): Hachette. S.80

11. Carboni, Raffaello. (1855). The Eureka Stockade. Melbourne : J P Atkinson and Co. S.68

12. Dmytryshchak, Goya. (2020). Last drinks at the pubs of Williamstown. Maribyrnong & Hobsons Bay Star Weekly. Abgerufen am 03.02.2025 von <https://maribyrnonghobsonsbay.starweekly.com.au/news/last-drinks-at-the-pubs-of-williamstown/>

13. Cusack, Frank (Herausgeber). (1998). Bendigo - the German Chapter. Bendigo (Victoria): The German Heritage Society. S.239

14. Doppler (1997), S.119

15. Schloss Ehrenburg (in Coburg), Schlafzimmer des Herzogs. Website der Bayerischen Schlösserverwaltung. Abgerufen am 09.12.2023.

16. King (1827)

17. Allen, Jim. & Australasian Society for Historical Archaeology. (2008). Port Essington: the historical archaeology of a north Australian nineteenth century military outpost.  Sydney :  Sydney University Press in association with the Australasian Society for Historical Archaeology.

18. The Ramsar Convention Secretariat. (o.D.) Ramsar sites around the world. Auf der Webseite der Ramsar-Konvention.

19. Main, George V. (2005). Heartland : the regeneration of rural place. Sydney : UNSW Press. S.135

♦ Literatur:

Doppler, Julia. (1997). Queen Victoria and Germany. PhD thesis. University College London. Online verfügbar hier.

DW Deutsch. (2019, 24. August). Königlicher Auftritt: Albert und Victoria in Coburg | Euromaxx. [Video]. YouTube.

Gollwitzer, Heinz. (1953). ›Albert‹ in: Neue Deutsche Biographie 1, S.132-133 [Online-Version hier].

King, Phillip Parker. (1827). Narrative of a survey of the intertropical and western coasts of Australia : performed between the years 1818 and 1822. Volume 1. London: John Murray. (Als vollständig digitalisierte Fassung beim Project Gutenberg online frei verfügbar.)

Rappaport, Helen. (2011). Magnificent obsession: Victoria, Albert and the death that changed the monarchy. New York: St Martin's Press.

Rappaport, Helen. (2019, 4. März). Prince Albert: the death that rocked the monarchy. History Extra (Die offizielle Webseite für BBC History Magazine und BBC History Revealed).

Real Royalty. (2020, 20. Januar). The secrets inside Queen Victoria's diaries. [Video] YouTube <www.youtube.com/watch?v=9rXmC2j3rS8>

Wilson, A. N.  (2019). Prince Albert: the man who saved the monarchy.  London (UK):  Atlantic Books.