Namen

Australische Ortsnamen mit deutschem Hintergrund

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(Die Namen der angestammten Gebiete ('Countries') der indigenen Australier auf diesen Seiten basieren auf der AIATSIS-Karte des indigenen Australiens.)

Einführung

Die britische First Fleet (erste Flotte), die im Januar 1788 in Sydney / Gadigal Country eintraf, und die später eintreffenden freien Siedler gaben vielen der Orte, die sie besiedelten, englische Namen. ›(Die Siedler) versahen (die Landkarte) mit Namen, die ihre Hoffnungen und Ängste im neuen Land widerspiegelten oder Erinnerungen an das alte Land wachriefen‹.[1] In einigen Orten benutzten die britischen Siedler eine anglisierte Form des lokalen einheimischen Ortsnamens, z. B. Parramatta (NSW), Maribyrnong (VIC), Willunga (S.A.).

Als die britischen Kolonialbehörden Land an deutsche Einwanderer verkauften, gaben die Deutschsprachigen dem Land, auf dem sie sich niederließen, gewöhnlich deutsche Namen. Der Name Bundaberg ist ein seltenes Beispiel für einen australischen Ortsnamen, der eine Mischung aus einem indigenen Element und einem deutschen Teil ist.

Die Ortsnamen, die wir heute mit den First Nations in Verbindung bringen, sind in der Regel die Versionen der weißen Siedler für indigene Wörter. Die britischen Siedler waren mit den komplexen Lautsystemen der indigenen Sprachen, die sie hörten, nicht vertraut, und was sie aufschrieben, war eine englische Annäherung an den Ortsnamen, den sie zu hören glaubten.[2] Etwas Ähnliches geschah im 20. Jahrhundert in umgekehrter Richtung mit dem deutschen Familiennamen Theile.

Der Tyler Pass liegt in der Nähe des Mount Zeil (ein weiteres Landschaftsmerkmal mit einem deutschen Namen), etwa 150 km westlich von Alice Springs. Der Pass ist der höchste Pass im Northern Territory und wurde nach der Vermessungsstation benannt, die der Landvermesser Vern O'Brien 1960 errichtete. O'Brien und sein Vermessungsteam verfolgten die Olympischen Spiele in Rom über ein Kurzwellenradio mit schlechter Signalqualität und dachten, ein australischer Schwimmer namens Tyler hätte eine Goldmedaille gewonnen. Herr O'Brien benannte die Trigonometrie-Station nach diesem Schwimmer - er nahm an, der Name sei Tyler. Bei dem Schwimmer handelte es sich um den Queenslander David Theile, dessen Vater deutscher Abstammung war und der sowohl bei den Olympischen Spielen in Melbourne (1956) als auch bei den Olympischen Spielen in Rom (1960) die Goldmedaille im 100-Meter-Rückenschwimmen gewann. Zu Beginn seiner Schwimmkarriere wurde Theiles Name in der ursprünglichen deutschen Form ausgesprochen, die wie ›Tyler‹ klang. Später nahm Theile eine anglisierte Aussprache an, die sich etwa auf das deutsche Wort ›viel‹ reimt.[3]

Gelegentlich schufen deutsche Siedler in Australien einen deutschen Ortsnamen, der offensichtlich patriotischen Charakter hatte, wie z. B. Bismarck (benannt nach dem berühmten deutschen Politiker und Staatsmann der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts). Otto von Bismarck spielte eine wichtige diplomatische Rolle bei der Vereinigung der deutschen Staaten im Jahr 1870, und in den Jahren nach der deutschen Vereinigung wurden vier Orte in Australien nach ihm benannt, in Queensland, Victoria, Tasmanien und Südaustralien. Im Allgemeinen war es für deutsche Siedler selten, einen Ort in Australien nach einer Person zu benennen. Die offensichtlichsten Ausnahmen sind Hahndorf in Südaustralien und die Siedlungen namens Bismarck.

Andere Ortsnamen, die deutsche Siedler schufen, waren nicht offenkundig patriotisch - sie erinnerten einfach an den Ort in Deutschland, aus dem einige Siedler gekommen waren (z. B. Prenzlau in QLD, Hochkirch in VIC), oder sie waren religiös (z. B. Lobethal, ›Tal des Lobes‹, in S.A.), oder sie drückten Optimismus für die Zukunft aus (z. B. Hoffnungsthal, ›Tal der Hoffnung‹, in S.A.). Einige Namen haben einfach eine poetische Qualität oder eine angenehme Konnotation, z. B. Rosenthal, ›Tal der Rosen‹, in S.A. und Blumberg, ›Hügel der Blumen‹, in S.A.

Einige deutsche Ortsnamen in Australien wurden nicht von Deutschen, sondern von den Engländern bzw Briten in Australien vergeben. Einige Beispiele sind Namen, die eine bewunderte oder berühmte deutsche Persönlichkeit ehren, wie der Entdecker Leichhardt (der bekannte Vorort von Sydney), und Coburg (in Melbourne), ein Name, der von englischen Siedlern gewählt wurde, um einen Sohn von Königin Victoria und das deutsche Königshaus, dem er angehörte, zu ehren. Ein weiterer Ortsname, den englische Siedler wählten, war Heidelberg (in Victoria und in Tasmanien), der wahrscheinlich wegen des romantischen Rufs der berühmten deutschen Universitätsstadt beliebt war, und weil den englischen Siedlern der Klang des Namens gefiel. Und natürlich nannten englische Siedler einige Orte Germantown, weil dort viele Deutsche lebten (z. B. in Victoria in der Nähe von Geelong und auch in der Nähe von Bright im High Country sowie in Tasmanien und Südaustralien).

In der antideutschen Atmosphäre des Ersten Weltkriegs wurden viele deutsche Ortsnamen in Australien geändert, vor allem in Südaustralien, wo die Regierung sogar ein Gesetz erließ, um alle Namen (hier in Übersetzung) ›feindlicher Herkunft‹ (enemy origin) zu ändern, die ein Ausschuss (Nomenclature Committee) hatte ermitteln können. Seltsamerweise änderte die Regierung den Namen der Hauptstadt des Bundesstaates Adelaide, der deutschen Ursprungs ist, nicht. Mehr über die Ortsnamen deutscher Herkunft in Südaustralien erfährst du in diesem Artikel.

In anderen Bundesstaaten und australischen Territorien wurden einige deutsche Ortsnamen während des Ersten Weltkriegs geändert, andere nicht. Dr Bruce Baskerville bemerkte im Jahr 2014 (hier in Übersetzung): »Nicht jeder deutsche Ortsname wurde in Australien geändert.  Bemerkenswerte Beispiele sind Adelaide (SA), Coburg und Brunswick (Victoria), Pyrmont und Leichhardt (NSW) und Hermannsburg (NT).« Laut Dr Baskerville war Australien offenbar entschlossener, deutsche Ortsnamen zu tilgen als andere verbündete Länder.[4]

In Kanada gab es einige wenige Fälle von Namensänderungen (z. B. der Name Berlin in Ontario wurde 1916 zu Kitchener), aber keine in Neuseeland.  Im US-Kongress wurde 1918 ein Gesetzentwurf eingebracht, der vorsah, alle US-Städte mit dem Namen Berlin oder Germany in Liberty oder Victory umzubenennen, der jedoch nie in Kraft trat.  Das Ändern deutscher Ortsnamen scheint in der englischsprachigen Welt während des Ersten Weltkriegs vor allem ein australisches Phänomen gewesen zu sein.

Dr Bruce Baskerville

Nicht alle ehemaligen deutschen Ortsnamen wurden während des Ersten Weltkriegs geändert. Einige wenige wurden vor dem Krieg (z. B. Heidelberg in Tasmanien) oder einige Jahre nach dem Krieg (z. B. Tanck's Corner in Victoria) geändert (oder wurden nicht mehr verwendet).

In einigen australischen Gemeinden, deren deutscher Ortsname vor vielen Jahren geändert wurde, haben Gemeindegruppen oder Unternehmen den früheren deutschen Namen des Ortes anerkannt oder gewürdigt, als sie ein neues Unternehmen in der Gegend gründeten. Beispiele hierfür sind:

Blumberg Hotel, Birdwood (SA)

(Photo © D Nutting) sign

Das Blumberg Hotel hat den deutschen Namen, den das Dorf früher hatte.

Fotoquelle: Steve Hudson. The German Influence. Mit Genehmigung von WeekendNotes / On Topic Media.

Hochkirch Wines, Tarrington (VIC)

Grünthal - eine Kleinbrauerei, Verdun (Adelaide Hills, SA)

(Foto © Grünthal Brew) sign

Grünthal, der frühere deutsche Name des Dorfes Verdun, auf einem Schild an einem Geschäft in Verdun, das den deutschen Namen wiederbelebt hat.

Das Foto erscheint hier mit freundlicher Genehmigung von Grünthal Brew, Verdun, Adelaide Hills.

Tanck's Corner, ein Café/Restaurant, benannt nach dem früheren deutschen Namen des Dorfes Yarambat (VIC)

(Foto © D Nutting) Schild

Der Name des Cafés erinnert an den früheren deutschen Namen des Dorfes.

In einigen Orten lebt der ehemalige deutsche Name des Ortes im Namen einer öffentlichen Einrichtung weiter, z. B. Engelsburg Memorial Park in Kalbar, Queensland, oder Germanton Park in Holbrook NSW, oder in einem Straßennamen, z. B. Bismarck Street in Maclagan (einer ländlichen Stadt und Ortschaft in der Region Toowoomba in Queensland) und Bismarck Court in Collinsvale, Tasmanien.

Ortsnamen, die aus deutschen Elementen bestehen, machen zwar nur einen sehr kleinen Teil der australischen Ortsnamen aus, sind aber die drittgrößte Gruppe von Ortsnamen in Australien - nach den Namen, die aus indigenen Sprachen abgeleitet sind, und den Namen englischen Ursprungs.[5]

Scheinbar deutsche Ortsnamen

Und dann gibt es noch die Fälle von Ortsnamen, die deutsch aussehen, es aber nicht sind! Krambach ist ein Dorf in der Region Mid-North-Coast im Bundesstaat New South Wales. Krambach ist die englische Schreibweise des indigenen Namens Gurambak (bedeutet eine Art Eukalyptusbaum)[6], aber diese anglisierte Schreibweise lässt es sehr nach einem plausiblen deutschen Namen aussehen, da ›Kram‹ und ›Bach‹ beides deutsche Wörter sind. Zufälligerweise heißt eine Straße zwei Kilometer südöstlich von Krambach ›Germany Lane‹. Ein sehr ähnlicher Ortsname, Krumbach, ist außerdem der Name eines Dorfes im österreichischen Bundesland Niederösterreich. Vermutlich wusste die lokale Bevölkerung von Krambach, New South Wales, schon immer, dass der Ortsname Krambach indigenen Ursprungs war, sodass sein deutsches Aussehen während des Ersten Weltkriegs kein Problem darstellte.

Siehe auch die indigenen Ortsnamen Karte und Kunden in Südaustralien, die offiziell eingeführt wurden, als die südaustralische Regierung während des Ersten Weltkriegs alle deutschen Ortsnamen ersetzen wollte.

Namen von deutschen Wissenschaftlern in der Landschaft Mittelaustraliens

Im 19. Jahrhundert waren relativ viele Naturwissenschaftler aus den deutchsprachigen Ländern in Australien tätig. Einige Berge in Mittelaustralien sind nach deutschen Naturwissenschaftlern benannt, zum Beispiel: Mt Liebig, Mt Zeil, Mt Sonder, Mt Winnecke, Mt Leichhardt, Mt Heuglin, Von Treuer Tableland, Mt Feldtmann, Sachse Bluff, Haast's Bluff, Mt Von Mueller, Mt Mueller, Ferdinand Hills. Der Botaniker und Forscher Ferdinand von Mueller bat den Forschungsreisenden Ernest Giles, eine Berggruppe in der Nähe von Uluru nach der Königin von Württemberg zu benennen. Lange trugen sie den Namen The Olgas (Königin Olga). Heute tragen sie den einheimischen Namen Katatjuta. Mehr über Orte und Landschaftselemente, die nach Ferdinand von Mueller benannt sind, kannst du in diesem Artikel lesen.

♦ Einzelnachweise:

1. Lyons, Martyn, & Russell, Penelope Ann. (2005). Australia's history : themes and debates / edited by Martyn Lyons and Penny Russell. Sydney (N.S.W.) : University of New South Wales. S.23

2. Wajnryb (2006), Introduction, p.xix

3. NT Place Names Register. Tylers Pass. (Place ID: 19177) / Wikipedia contributors. (2023, 25. Mai). David Theile. In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Abgerufen am 30. Mai, 2023, von <https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=David_Theile&oldid=1156929378>

4. Baskerville, Bruce. (2014, 30. Mai). More than Anzac: Remembering Australia’s German Place Names. (Blog). Online hier.

5. Liebecke, Thomas. (2005). Die deutschen Ortsnamen in Australien - Diskussion. Onomastik online, www.onomastik.com.

6. Reed, A. W. (1973). Place names of Australia. Frenchs Forest (NSW): Reed Books. S.133 / Wikipedia-Autoren. (2024, 12. März). Krambach, New South Wales. In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Abgerufen um 13:34 Uhr, am 10. Juli, 2025, von dieser Webadresse.

♦ Literatur:

Reynolds, Geoff. (1992). German Place Names in Australia changed during the Great War. Bateman's Bay (NSW): Possum Printing.

Tent, Jan. (2019). Australia’s German placenames. Placenames Australia. June 2019. Verfügbar online hier. S.1, 3-5

Wajnryb, Ruth. (2006). Australian place name stories. South Melbourne (Victoria) : Lothian Books