Namen
Australische Ortsnamen mit deutschem Hintergrund
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Ortsnamen deutscher Herkunft in Südaustralien
▶ Siehe die Liste der Ortsnamen in Südaustralien, die 1918 während des Ersten Weltkriegs geändert wurden (mit Ortsangaben und Anmerkungen).
▶ Artikel über südaustralische deutsche Ortsnamen:
Teil 1 - Die Auswirkungen des 1. Weltkriegs :: Ein vollständiger Bericht? :: Kap Bauer - die Dankbarkeit des britischen Empire
Teil 2 - Deutsche Ortsnamen, die der Entdeckung ›entgangen‹ sind :: Ortsnamen als Rekrutierungsinstrument
Teil 3 - »Deutsche« Namen aus Versehen? :: Die 1930er Jahre - einige deutsche Namen werden wieder eingeführt :: Ein deutscher Ortsname, der nicht vorkam :: Neue deutsche Ortsnamen nach 1918
»Deutsche« Namen aus Versehen?
Im Jahre 1918 wollte die Regierung von Südaustralien Ortsnamen von der Landkarte entfernen, die »feindlichen Ursprungs«, d. h. deutschen Ursprungs waren. Mindestens zwei indigene Ortsnamen, die die Regierung von Südaustralien während des Ersten Weltkriegs einführte, haben tatsächlich die gleiche Schreibweise wie ein deutsches Wort. Zu den relativ wenigen einheimischen Wörtern, die die Regierung 1918 als geeignet akzeptierte, gehörte ›Kunden‹ (als Ersatz für den deutschen Namen Carlsruhe). Laut dem Bericht des Nomenklaturausschusses ist ›Kunden‹ (hier in Übersetzung) »einheimisch für ruhen«.[1] (In dem Bericht wurde nicht erwähnt, aus welcher indigenen Sprache das Wort ›Kunden‹ stammt.) ›Kunden‹ ist im Deutschen die Pluralform des Substantivs ›der Kunde‹.
1916 proklamierte die Regierung eine neue Stadt mit dem Namen ›Karte‹ (31 km nordwestlich von Pinnaroo im Osten des Bundesstaates gelegen), der laut der Zeitung The Register (hier in Übersetzung) »einheimisch ist und ›niedriges, dichtes Gestrüpp‹ bedeutet«.[2] ›Karte‹ hat die gleiche Schreibweise wie das deutsche Substantiv = Karte/Landkarte.
Bekanntmachung im Amtsblatt (Detailaufnahme)
Die Schreibweisen der indigenen Ortsnamen Kunden und Karte sind nicht von Natur aus einheimisch, da die Schreibweise in der mündlichen Kultur, der die Ortsnamen entnommen wurden, nicht existierte.[3] Die Sprachen der australischen Aborigines haben einige komplexe Konsonantenkombinationen, die es im Englischen nicht gibt, und die Schreibweise der indigenen Ortsnamen in Australien wurde in der Regel von englischen Muttersprachlern geschaffen, die nicht viel Sprachtraining hatten und das was sie hörten, den englischen Rechtschreibkonventionen anpassten.[4] Im Fall von den Orten Kunden und Karte ist es ironisch, dass die südaustralische Regierung während des Ersten Weltkriegs Ortsnamen einführte, deren Schreibweise mit deutschen Wörtern identisch war, und zwar zu einer Zeit, als sie versuchte, Ortsnamen zu entfernen, die (hier in Übersetzung) »auf eine ausländische feindliche Herkunft hinweisen«.
1930er Jahre: Wiedereinführung einiger deutscher Namen

Brief an Hans Heysen, Ambleside (und nicht Hahndorf)
Im Jahr 1918 änderte die südaustralische Regierung den Ortsnamen Hahndorf in Ambleside. Das Foto oben zeigt einen Brief an den berühmten deutsch-australischen Maler Hans Heysen aus der Zeit, als Hahndorf noch Ambleside hieß.
In den 1920er und vor allem in den 1930er Jahren, als sich der 100. Jahrestag der Gründung der britischen Kolonie Südaustralien näherte, hatten einige Südaustralier das Gefühl, dass die Ortsnamensänderungen von 1918 dem Ruf der frühen deutschen Einwanderer nicht gerecht wurden, die im 19. Jahrhundert so bewundert und geschätzt worden waren. Sie schlugen vor, dass einige der deutschen Ortsnamen 1936 als Akt der Versöhnung und als Zeichen des Respekts gegenüber den deutschstämmigen Bürgern des Bundesstaates wiederhergestellt werden sollten. Diese Vorschläge lösten zahlreiche Briefe an die Zeitungen von Adelaide aus, die sich sowohl für als auch gegen die Wiederherstellung der deutschen Ortsnamen aussprachen.[5]
So schrieb Herr W. Robert Gray 1931 in der Zeitung Advertiser and Register, dass die neuen Ortsnamen wie Mahnmale für die Opfer seien, die Südaustraliens Männer und Frauen in den Streitkräften während des Ersten Weltkriegs gebracht hätten - Mahnmale für die Soldaten, die gekämpft hätten, um (hier in Übersetzung) »die Welt vor der teutonischen Hegemonie« zu retten.[6] Andererseits berichtete die News 1932, dass der Generalstaatsanwalt von Südaustralien, William Denny, ein zurückgekehrter Soldat, die Idee unterstützte, viele der historischen deutschen Ortsnamen wiederherzustellen.[7] Herr Denny sagte: (hier in Übersetzung):
Die Entscheidung, die Namen zu ändern, war ein hysterischer Akt, der den Kriegsanstrengungen in keiner Weise geholfen hat und nicht die wirklichen Ansichten der Menschen in Südaustralien repräsentiert (...) Bei der ersten günstigen Gelegenheit sollten die alten schönen und historischen Namen erhalten werden.
Attorney-General, Mr William Denny
Ende 1935 stellte die südaustralische Regierung die Namen von Hahndorf, Lobethal und Klemzig wieder her.

Ein Schild am Straßenrand, das Besucher in Hahndorf willkommen heißt

Klemzig Primary School
In den 1970er und 1980er Jahren wurden einige weitere deutsche Ortsnamen wiederhergestellt. Von den 69 Namen, die 1918 geändert worden waren, wurden 21 in ihre ursprünglichen deutschen Namen zurückverwandelt.[8]
Um das Jahr 2015 erhielten einige Städtchen und Weiler, die vor 1918 einen deutschen Namen hatten, Ortsschilder mit Doppelnamen - sie zeigen den ursprünglichen deutschen Namen unter dem heutigen Namen. Dies war eine Initiative der Gruppe der deutschen Nachfahren innerhalb der S.A. German Association (ein Teil des German Club).[9]

Ein Schild mit zwei Namen in Verdun in den Adelaide Hills, das den ursprünglichen Namen ›Grünthal‹ zeigt.
Ein deutscher Ortsname, den es nicht gab
Die Zeitung The Advertiser in Adelaide berichtete im Januar 1910, dass die Schifffahrtsbehörde von Südaustralien gebeten worden war, Namen für eine Reihe von Orten, insbesondere an der Westküste des Bundesstaates, zu finden, die keine Namen hatten. Die Behörden wollten, dass diese Orte auf Karten und Seekarten erscheinen, und der Präsident der Schifffahrtsbehörde hatte eine Liste mit Namen für diese Orte erstellt, und der Commissioner of Public Works hatte diese Namen genehmigt. Die beiden Landzungen bei Venus Harbor (etwa 65 km südöstlich von Streaky Bay) sollten nach dem Generalstaatsanwalt von Südaustralien (Hermann Homburg) und Thomas Pascoe (Landwirtschaftsminister) benannt werden.[10] Hermanns Vater Robert war in Deutschland geboren und war ebenfalls Generalstaatsanwalt von Südaustralien gewesen.
Der Name Point Homburg tauchte 1916 nicht in der Liste der deutschen Ortsnamen des Nomenklaturausschusses auf, und es scheint, dass die Namen Point Homburg und Point Pascoe nie zustande kamen. Aus irgendeinem Grund wurden die Pläne des Marineamtes nie umgesetzt. Eine Durchsuchung alter Regierungskarten und Seekarten sowie von CFS-Karten (Feuerwehr-Karten) ergab, dass es im Jahr 2023 keine Anzeichen für Point Homburg gab, und eine Familie, die seit Generationen in der Gegend von Venus Bay / Port Kenny lebt, hat noch nie etwas von dem Namen Point Homburg gehört.[11]
Neue deutsche Ortsnamen nach 1918
➽ Monash - ist eine kleine Stadt im Riverland-Gebiet, etwa 18 km südwestlich von Renmark. Sie wurde 1921 proklamiert und im Rahmen des südaustralischen Soldier Settlement Scheme gegründet. Dieses Programm war ein Projekt in allen australischen Bundesstaaten, um heimgekehrten Soldaten Land zur Verfügung zu stellen, damit sie eine Karriere in der Landwirtschaft beginnen konnten. Monash wurde nach dem berühmtesten australischen Armeegeneral des Ersten Weltkriegs, Sir John Monash, benannt, der sowohl mit der deutschen als auch mit der englischen Sprache aufgewachsen war und dessen eingewanderte Eltern das ›c‹ aus der ursprünglichen Schreibweise ihres Namens (Monasch) entfernt hatten.
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Monash Memorial Hall, in Monash, South Australia
Fotoquelle: Sheba_Also 43,000 photos, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
➽ Klein Point - ein Hafen, 7 km süd-südwestlich von Stansbury an der südlichen Ostküste der Yorke Peninsula. Er wurde für die Verschiffung von Kalkstein durch Adelaide Brighton Cement Ltd. von der Yorke Peninsula nach Port Adelaide gebaut. Vor 1965 war sie als Farquhar Jetty bekannt. August Klein, ein früher Siedler aus Deutschland, floh zur See, um dem Militärdienst in Deutschland zu entgehen, sprang in Port Adelaide von Bord und ging schließlich auf die Yorke Peninsula.[12]
➽ Streitberg Ridge - liegt im nördlichen Teil der Flinders Ranges und wurde 1968 nach einem Ingenieur benannt, der bei dem Bergbauunternehmen Exoil NL für die Aufsuchung von Uran zuständig war.[13]
♦ Einzelnachweise:
1. Nomenclature Committee's Report, S.2
2. NAMES OF RAILWAY STATIONS. (1915, März 24). The Register (Adelaide, SA : 1901 - 1929), S. 4. Abgerufen am 4. Oktober, 2023, von <http://nla.gov.au/nla.news-article60740013> / ›Karte‹ ist auch aufgeführt in: Reed, A. W. (1973). Place names of Australia. Frenchs Forest (NSW): Reed Books. S.127
3. Koch (2009), S.137
4. Koch (2009), S.127
5. Kupke (2017), S.52
6. TEUTONIC PLACE NAMES (1931, Juli 6). Advertiser and Register (Adelaide, SA : 1931), S. 12. Abgerufen am 30. August, 2023, von <http://nla.gov.au/nla.news-article35670798>
7. Restoring German Names (1932, März 5). News (Adelaide, SA : 1923 - 1954), S. 2. Abgerufen am 29. August, 2023, von <http://nla.gov.au/nla.news-article129322580>
8. Kupke (2017), S.62
9. Jiang, Wei. (Traffic Engineer, Traffic Investigations - Road and Marine Services, Department for Infrastructure and Transport, South Australia). Persönliche Mitteilung (Email), 01.12.2023.
10. GENERAL NEWS. (1910, Januar 21). The Advertiser (Adelaide, SA : 1889 - 1931), S. 6. Abgerufen am 16. September, 2023, von <http://nla.gov.au/nla.news-article5224259>
11. May, Debbie. (Elliston and Districts History Group Member), Persönliche Mitteilung, Email, 21.09.2023
12. Manning (2012), S.460 / SA Memory, via State Library of South Australia. Developing trade and port histories: Outports - Klein Point. Klein Point at the Internet Archive.
13. Manning (2012), S.828
♦ Literatur:
Koch, H. (2009). The methodology of reconstructing Indigenous placenames: Australian Capital Territory and south-eastern New South Wales. In H. Koch & L. Hercus (Eds.), Aboriginal Placenames: Naming and re-naming the Australian landscape (Vol. 19, S. 115–172). ANU Press. <www.jstor.org/stable/j.ctt24h9tz.12>
Kupke, Lyall. (2017). The restoration of German place-names in South Australia. Journal of Friends of Lutheran Archives, 27, S.51–62
Manning, Geoffrey H. (2012). A Compendium of the Place Names of South Australia. From Aaron Creek to Zion Hill. With 54 Complementary Appendices. Verfügbar online hier.
Nomenclature Committee's Report on Enemy Place Names. Parliamentary paper (South Australia. Parliament); no. 66 of 1916, S. 1-4. Verfügbar in SA Memory, via State Library of South Australia, online hier.
Styles, A. W. (8 Juni 1916). "TOWN OF KARTE" (PDF). The South Australian Government Gazette. Government of South Australia: 1215–1216. Abgerufen am 12. November 2023.