Aspekte der Geschichte Hahndorfs
Häuser und die Architektur
Sobald die Deutschen ankamen, mussten sie, wie ihre englischen Mitkolonisten, improvisieren und mit den verfügbaren Materialien auskommen. Holz aus ihren Lattenkisten, Steine, Lehm, Äste und Gras waren gängige Baumaterialien, mit denen sie ihre ersten einfachen Hütten bauten.[1]
Das Dorf hatte im Vergleich zu den Straßen von Adelaide ein deutlich fremdes Aussehen. Wenige Jahre nach der Gründung von Hahndorf pflanzten die Bewohner Schattenbäume zu beiden Seiten der Hauptstraße, eine in Schlesien bekannte Tradition, die der Straße einen intimen Charakter gab.[2]
Main Street, von Bäumen gesäumt, Hahndorf
Das Aussehen und die Bauweise der Häuser, die in den ersten 10-15 Jahren in Hahndorf gebaut wurden, spiegelten den Stil der Häuser im nordöstlichen Teil des deutschsprachigen Europas wider, aus dem die Siedler gekommen waren. Die Bauweise der Häuser in den deutschen Dörfern und auf den deutschen Farmen in Südaustralien war mindestens 30 Jahre nach der Ankunft der ersten deutschen Einwanderer unverwechselbar[3]. Englische Reisende, die Hahndorf von Adelaide aus besuchten, kommentierten den »exotischen« und unverwechselbaren Stil der Architektur in Hahndorf im Vergleich zu den Häusern, die englische Kolonisten bauten. Solche Häuser gibt es noch immer in Hahndorf, vor allem in Paechtown, in der Nähe von Hahndorf. Die historischen Häuser in der Umgebung von Hahndorf wurden oft im Fachwerkstil gebaut - ein starkes Holzgerüst aus senkrecht, waagerecht und diagonal verlaufenden Balken (gelegentlich mit gebogenen Diagonalbalken), deren Zwischenräume mit Ziegeln ausgefüllt waren. ›Der Bau dieser Gebäude erforderte ein hohes Maß an Geschicklichkeit und handwerklichem Können.‹[4] ›Von den bescheidenen Anfängen im Jahr 1839 bis zu seinem architektonischen Höhepunkt in den 1850er Jahren entwickelte sich ein echter Hahndorf-Stil, der in ganz Australien unerreicht blieb.‹[5]
In Paechtown, in der Nähe von Hahndorf, ist das Paech Cottage ein Beispiel für diese historischen deutschen Gebäude. Es wurde um 1853 von Johann Gottlob Paech erbaut und ist ein dreigeschossiges Wohnhaus mit Steinkeller und Oberbau aus Fachwerk mit handwerklicher Ausfachung aus rotem Ziegelstein und mit einem Krüppelwalmdach aus Holzschindeln. Du kannst mehr über die Familie Paech und dieses Haus hier lesen.

J.G. Paechs Haus in Paechtown
Johann Georg Häbich kam mit seiner Frau und seinen drei Kindern auf der Heerjeebhoy Rustomjee Patel in Port Adelaide an. Als Schmied beschlug er Pferde, fertigte Nägel, Schrauben und Muttern und stellte landwirtschaftliche Geräte her. Häbichs Haus ist »eines der seltenen Beispiele für feine deutsche Handwerkskunst in Australien«.[6] Die gusseisernen Zierelemente auf der Veranda verleihen eine australische Note.

Haebichs Haus, #75 Main Street
Die Zwischenräume zwischen den Balken der Fachwerkscheunen in Hahndorf wurden in der Regel nicht mit Ziegeln, sondern mit Flechtwerk und Lehm ausgefüllt. Bei der Lehmverfüllung setzte man in der Regel senkrechte Holzpfähle (Stakhölzer, oder Staken) in die Balkenzwischenräume und stopfte ein Gemisch aus gehäckseltem Stroh und Lehm in die Zwischenräume. Zum Schutz und aus dekorativen Gründen wurde auf der Außenseite ein Anstrich aus Tünche aufgetragen.[7]
Besuchermeinungen
Der Schriftsteller Edward Hallack reiste in den frühen 1890er Jahren durch die südlichen Bezirke Südaustraliens, und eine Serie von 25 Artikeln über seine Reisen erschien im South Australian Register und im Adelaide Observer. Er war von den Häusern in Hahndorf beeindruckt und schrieb (hier in Übersetzung):
Man kann sich nichts Schöneres und Fremderes im Vergleich zu unserem Adelaider und vorstädtischen 'quadratischen' Architekturstil vorstellen.
Edward Hallack
Hallack beschrieb die Bauweise: »Strohdach, Ziegelmauern, durchzogen von Eukalyptusbaumrahmen, V-förmigen, horizontalen und anders geformten Balken« und schrieb, dass »diese ›deutschen Ideen‹ im Bauwesen es verdienen, in vielen anderen Orten nachgeahmt und angepasst zu werden«.[8] 1883 beschrieb ein Reporter des Adelaide Observer Hahndorf als: »...diese angenehm gelegene, junge, aber alt aussehende, durch und durch deutsche Stadt Hahndorf«[9].
Das Reimann/Mooney-Wohnstallhaus
Ein landwirtschaftliches Gebäude, das von der Familie Reimann in den 1800er Jahren gebaut und mehrere Jahrzehnte lang bewohnt wurde, ist in der Gegend um Hahndorf einzigartig. Es liegt an der Schroeder Road etwa 3 km östlich von Hahndorf und ist allgemein bekannt als ›Mooneys barnhouse‹ (nach der Familie, die es 1895 kaufte). Im Jahr 2004 verfassten Anna Pope und Claire Booth einen Bericht über das Kulturerbe für den District Council of Mount Barker Heritage Survey und schrieben (hier in Übersetzung), dass Mooneys Wohnstallhaus »Südaustraliens bedeutendstes erhaltenes großes deutsches Wohnstallhaus ist und eine wichtige Verbindung zur frühen landwirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung des Bundesstaates hat.«
Carl Friedrich Eduard Reimann baute das Haus kurz nachdem er das Land 1854 erworben hatte. Es ist ein in Australien seltenes Beispiel für ein deutsches Bauernhaus, das die Bauernfamilie und ihr Vieh unter einem Dach beherbergt. »Es ist kein vergleichbares Beispiel eines Wohnstallhauses dieser Größenordnung in Australien bekannt.«[10] Mooneys Wohnstallhaus ähnelt den Wohnstallhäusern, die in vielen Teilen Nord- und Mitteleuropas zu finden sind.

Das Reimann/Mooney-Wohnstallhaus bei Hahndorf, im Jahre 2007
Die Architekten Gordon Young und Lothar Brasse (im Hahndorf-Bericht von 1981) beschreiben das Mooney-Wohnstallhaus wie folgt (hier in Übersetzung):[11]
Das große Dach deckt Wohnräume, eine Molkerei, die Stallungen, einen Schuppen für Geräte- und Wagen, einen Häckselraum und einen Heuboden. Es hat eine unglaublich komplizierte Struktur, bei der das ursprüngliche Fachwerk am Ende des Gebäudes in eine Steinstruktur übergeht.
Gordon Young und Lothar Brasse
Das Dach des Mooney-Wohnstallhauses besteht aus Wellblech, aber ursprünglich hatte die Familie Reimann das Dach aus Holzschindeln gebaut.
Zum Vergleich siehst du hier zwei alte Bauernhofsgebäude ähnlicher Bauart auf dem Lande östlich von Bremerhaven, in Norddeutschland. Diese haben Reetdächer.
Deutsche Einwanderer bauten auch in den Vereinigten Staaten von Amerika Wohnstallhäuser (oder housebarns), zum Beispiel in Missouri, Wisconsin und Minnesota. Du kannst hier einen Artikel (in englischer Sprache) über das Pelster-Wohnstallhaus in Missouri lesen.[12]
Der Reiseschriftsteller Bruce Elder beschrieb die Erfahrung der Ankunft in Hahndorf wie folgt (hier in Übersetzung): »Es gibt nur wenige Orte in diesem Land, an denen man durch eine typisch australische Landschaft fährt und ganz plötzlich in eine Welt eintritt, die aus Europa zu stammen scheint.«[13]
♦ Einzelnachweise:
1. Young et al. (1981), S.153
2. Young et al. (1981), S.255
3. Harmstorf, Ian. (1994). Folklore of the German People in South Australia. In: Insights into South Australian History, vol. 2, South Australia’s German History and Heritage. Historical Society of South Australia Inc. S.30; Tampke, Jürgen. (2006). The Germans in Australia. Port Melbourne (Victoria): Cambridge University Press. S.73
4. Young et al. (1981), S.159
5. Young et al. (1981), S.153
6. Fox (2002), S.46
7. Young et al. (1981), S.157
8. Hallack, E. H. (1892). Our Townships, Farms, and Homesteads: Southern Districts of South Australia: Comprising a series of 25 articles written for the S.A. Register and Adelaide Observer. Adelaide: W.K. Thomas & Co. S.93-94
9. AT HAHNDORF. (1883, March 3). Adelaide Observer (SA : 1843 - 1904), p. 13. Abgerufen 7. August, 2021, von <nla.gov.au/nla.news-article159559423>
10. Pope & Booth (2004), S.127
11. Young et al. (1981), S.189
12. Blackwell, Claire F. (1992). The Pelster Housebarn: A Missouri-German Landmark. In: Ozarks Watch, Vol. V, No. 3, Winter.
13. Elder, Bruce. (o. D.) Hahndorf, S.A. Aussie Towns (Website).
♦ Literatur:
Fox, Anni Luur. (2002). Hahndorf : a journey through the village and its history. Hahndorf (S. Aust.) : Anni Luur Fox.
Pope A. & Booth, C. (2004). District Council of Mount Barker Heritage Survey. Part 2: State Heritage Recommendations. Heritage Online. (Online verfügbar hier)
Young, G., Harmstorf, I., Brasse, L., Marsden, A. (1981). Hahndorf survey Vols 1 & 2. [Survey for the Australian Heritage Commission] Adelaide: Techsearch.