Aspekte der Geschichte Hahndorfs

Kapitän Hahn im Ruhestand auf Sylt

Die Zebra und die dänische Flagge

(Foto © D. Nutting) dänische Flagge, Segelschiff

Der Dannebrog, die dänische Flagge, im Hafen von Helsingør, Dänemark

Die Zebra war das erste Schiff, das in Adelaide nicht unter britischer, sondern unter einer ausländischen Flagge einlief. Die Zebra segelte unter der dänischen Flagge Dannebrog, da ihr letzter Abfahrtshafen in Europa Altona war.[1] Altona stand etwa 200 Jahre lang, von 1640 bis 1864, unter dänischer Verwaltung (heute ist es der westlichste Bezirk der deutschen Stadt Hamburg). 1838 brachte die Zebra unter Kapitän Hahn ihre preußisch-altlutherischen Auswanderer nach Südaustralien.

Dirk Hahn - Däne oder Deutscher?

Würde die Bezeichnung "dänischer Seekapitän" alles über den kulturellen und sprachlichen Hintergrund von Kapitän Hahn wiedergeben? War Dirk Hahn Däne oder Deutscher? Die Antwort könnte lauten: ein bisschen von dem und ein bisschen von dem. Technisch gesehen war er ein Untertan des dänischen Königs, denn die Insel Sylt (an der deutschen Nordseeküste, nahe der heutigen Grenze zu Dänemark gelegen) war damals Teil des Herzogtums Schleswig (dänisch: Slesvig). Das Herzogtum war ein Territorium, das dem König von Dänemark gehörte. Ein königlicher Landvogt leitete die Verwaltungsgeschäfte auf der Insel. Zu Dirk Hahns Lebzeiten sprachen oder zumindest verstanden viele Sylter Dänisch.

Andererseits spielte die deutsche Sprache für die Inselbewohner eine wichtige Rolle. Deutsch war die Sprache der offiziellen Kommunikation: in der Kirche, in der Schule, bei Verträgen, in offiziellen und auch privaten Schreiben.[2] Dirk Hahn schrieb seine Erinnerungen an seine Reise (als Kapitän der Zebra) nach Adelaide mit den altlutherischen Auswanderern in deutscher Sprache. Hahn starb 1860 (sieben Jahre bevor Schleswig eine Provinz des Königreichs Preußen wurde), und die Inschrift auf seiner Grabplatte auf dem Kirchhof der Dorfkirche St. Niels in Westerland, dem zentralen Ort auf Sylt, war in deutscher Sprache verfasst.

Der Nachname von Kapitän Hahn, Hahn, ist ein deutscher Name/Nomen. Während des Ersten Weltkriegs änderte die südaustralische Regierung aufgrund der damaligen antideutschen Stimmung deutsche Ortsnamen, darunter auch Hahndorf (in ›Ambleside‹ umbenannt). Vielleicht hätte die Regierung den Namen des Dorfes nicht geändert, wenn der Name des Kapitäns ein typisch dänischer Name wie Jensen oder Andersen wäre und nicht ein deutscher Name (Andersendorf??)...

Die stärksten kulturellen und sprachlichen Bindungen hatte Dirk Hahn aber wohl, wie die meisten Sylter, mit der Insel Sylt selbst. Die Sylter sahen sich damals in erster Linie als Sylter und nicht als Menschen, die sich mit der einen oder anderen Nation identifizieren. Sie hatten ihre eigene Kultur und Sprache. Die Alltagssprache auf Sylt war Sölring - der Sylter Dialekt des Nordfriesischen (Friesland ist der Name der Region an der deutschen und niederländischen Nordseeküste). Das Sölring war vor allem für mündliche Kommunikation im Alltag – es war und ist kaum eine Schriftsprache.[2]

Dirk Hahn's retirement

Kapitän Hahn kehrte nie nach Australien zurück, um die Siedlung zu besuchen, die nach ihm benannt wurde. Zwischen Reisen zu den Mittelmeerländern und zu Häfen in Russland heiratete er am 24. Dezember 1831 Hedewig Nicolaisen aus Westerland. Er hatte sich mit ihr im Jahre 1826 bereits verlobt.[3] 1851 beendete er seine Karriere in der Seefahrt. Den Tod seiner Frau Hedwig (im Jahre 1854) verkraftete der Kapitän im Ruhestand nicht. Christian Peter Hansen, ein damaliger Chronist der Insel Sylt, berichtete, dass Dirk Hahn außerdem ein Opfer des Fremdenverkehrs wurde. Badegäste spendierten ihm alkoholische Getränke, um von ihm Geschichten über die weite Welt zu hören.[4] (In den 1850ern kam der Badetourismus auf Sylt auf, und Westerland wurde zu einem bekannten Seebad. Zu der Zeit waren die Urlauber vor allem aus der Mittelschicht und der Oberschicht der Gesellschaft.)[5]

Die Grabplatten von Dirk Hahn und seiner Frau Hedewig befinden sich an der Ostmauer der alten evangelischen Dorfkirche – Sankt Niels - in Westerland (am Kirchenweg, errichtet 1875). Auf der Grabplatte für Dirk Hahn steht sein Alter: 56 Jahre, 6 Monate und 7 Tage. Ein Teil des Trauerspruchs auf dem Grabstein lautet: Sein Gedächtnis lebt auf Erden / Denn die Guten sterben nie.

(Foto © D. Nutting) Grabplatte

Grabplatte von Dirk Hahn in Westerland

(Foto © D. Nutting) Grabplatte

Grabplatte von Hedewig Hahn in Westerland

♦ Einzelnachweise:

1. Hahn/Buchhorn (1988), S.205

2. Westmore, Elisabeth. Sylter Archiv, Westerland. Persönliche Mitteilung, Email 25.11.2019.

3. Hahn/Buchhorn (1988), S.179

4. Kunz, Harry und Thomas Steensen. (2002). Hahn, Dirk. In: Sylt-Lexikon. Hrsg. vom Nordfriisk Instituut. Neumünster : Wachholtz Verlag. S.126

5. Tourismus im Sylt-Lexikon. Online-Artikel, hier verfügbar. (Abgerufen 17.08.2022).

♦ Literatur:

Hahn, Dirk M. Die Reise mit Auswanderern von Altona nach Port Adelaide Süd-Australien 1838. Hrsg. Martin Buchhorn. Zürich: Pendo-Verlag, 1988. Ursprünglich geschrieben von Kapitän Hahn in seinem Notizbuch unter dem Titel: Die merkwürdigsten Begebenheiten / meines Lebens. / Von meinem 35ten Lebensjahr bis zum 48ten Jahr / meines Alters.