Aspekte der Geschichte Hahndorfs

Die Hahndorfer Frauen unterwegs

Die Seereise nach Australien und die Kosten des Grundstückes in den Adelaide Hills bedeuteten finanzielle Schulden für jede Hahndorfer Familie. Um diese Schulden abzubezahlen, verließen viele der Hahndorfer Männer (und manchmal ganze Familien) das Dorf, um für wohlhabende britische Landbesitzer zu arbeiten, die den Wald rodeten und Zäune bauten. Viele der deutschen Frauen mussten daher allein auf ihren kleinen Höfen arbeiten, Tiere züchten, Gemüsegärten anlegen und Butter und Käse herstellen.

Die Bedingungen in der Kolonie Südaustralien, die erst zwei Jahre alt war, waren schwierig. Es gab kaum Zugtiere oder andere Transportmöglichkeiten, und die Lebensmittel waren im Allgemeinen von schlechter Qualität und teuer, da fast alles aus anderen Kolonien im Osten Australiens (New South Wales und Tasmanien) importiert werden musste. Die meisten englischen Siedler in der Gegend von Adelaide hatten wenig Erfahrung in der Landwirtschaft, im Gegensatz zu den deutschen Einwanderern, die bald mehr Lebensmittel produzierten, als sie für sich selbst benötigten.[1] So fiel es den deutschen Frauen aus Hahndorf leicht, ihr frisches Gemüse und ihre Milchprodukte in Adelaide zu verkaufen. Allerdings mussten sie die Waren selbst in Körben auf dem Rücken (oder an Jochen über die Schultern gehängt) den ganzen Weg nach Adelaide tragen. Schon bald wurden sie als »the Hahndorf walkers« (Fußgängerinnen) bekannt. Ein Denkmal für sie im Pionier-Gedenkgarten in Hahndorf beschreibt ihren Weg nach Adelaide wie folgt (hier in Übersetzung):

Die Frauen und älteren Mädchen verließen Hahndorf um Mitternacht und folgten einem 35 km langen, gewundenen Weg durch den dichten Busch, um um 4 Uhr morgens in Beaumont anzukommen. Hier ruhten sie sich an einem Bach aus und sangen oft lutherische Lieder, bevor sie nach Adelaide weitergingen, um ihre Erzeugnisse zu verkaufen. Auf dem Heimweg hatten sie neben ihrem Geld auch Haushaltswaren wie Zucker, Tee, Kaffee, Nadeln und Nähgarn sowie Tabak für ihre Männer dabei. Sie hatten auch starke Stöcke dabei, um Diebe abzuwehren! (...) Dieses Denkmal ehrt die deutschen Frauen von Hahndorf, die mit ihrem Mut und ihrer Beharrlichkeit dazu beitrugen, dass Südaustralien in seinen Anfangsjahren florierte.

Informationstafel im Pionier-Gedenkgarten

(Photo © D. Nutting) information sign

Informationstafel über die »Hahndorf walkers«, im Pionier-Gedenkgarten in Hahndorf

Die deutschen Frauen liefen barfuß, um Schuhleder zu sparen, und auf dem Rückweg trugen sie jeweils zwei Ziegelsteine für den Bau ihrer Kirche in Hahndorf. Diese nächtlichen Wanderungen nach Adelaide zum Verkauf von Lebensmitteln auf dem städtischen Markt wurden bis in die späten 1850er Jahre fortgesetzt. Die Route der Hahndorfer Frauen wurde 1980 von den örtlichen Zweigstellen des National Trust of South Australia und von Walking SA (einem Wanderverein) wiederentdeckt. Sie richteten 2007 den ›Pioneer Women's Trail‹ ein, einen Wanderweg, der größtenteils der ursprünglichen Route folgt. Er führt über Landstraßen, Feldwege und Buschpfade durch Teile der Adelaide Hills.[2]

(Foto © D. Nutting) Gedenktafel

Gedenktafel entlang des Weges der Hahndorfer Frauen nach Adelaide

Ein Teil des Textes auf der Gedenktafel lautet (hier in Übersetzung): »Diese Gedenktafel erinnert an die 1986 nachgestellte lange Wanderung von Pionierfrauen, die ab 1839 Lebensmittel von Hahndorf über den Gebirgsausläufer bei Beaumont nach Adelaide brachten und mit lebenswichtigen Gütern zurückkehrten.«

(Photo © D. Nutting) memorial plaque

Gedenktafel über die »Hahndorf walkers« in der Main Street, Hahndorf

Der Text auf der Gedenktafel auf dem Foto lautet (hier in Übersetzung): »Diese Allee mit 54 Bäumen erinnert an die Pionierfrauen von Hahndorf und ihre Rolle bei der Versorgung der frühen Siedler von Adelaide mit frischen Lebensmitteln.«

Die Frauen von Hahndorf waren in einer Vielzahl von Aufgaben tätig, die für ihre neue Siedlung wichtig waren. Anni Luur Fox hat sie in ihrem Buch über Hahndorf aufgelistet (hier in Übersetzung):[3]

Man kann nur die größte Bewunderung für die willensstarken Frauen von Hahndorf haben. Sie arbeiteten an der Seite ihrer Männer auf den Feldern, pflügten, säten und ernteten; sie wurden von anderen Bauern in der Gegend angeheuert, um Schafe zu scheren; sie pflegten die Gemüsegärten und trugen die Erzeugnisse zu Fuß nach Adelaide; sie melkten die Kühe, halfen beim Bau der Häuser, hielten sie sauber, kochten, brachten die Kinder zur Welt - die Liste ist endlos.

Anni Luur Fox

♦ Einzelnachweise:

1. Harmstorf, Ian. (1994). German Settlement in South Australia to 1914. In: Insights into South Australian History, vol. 2, South Australia’s German History and Heritage. Historical Society of South Australia Inc. S.18; Young, G., Harmstorf, I., Brasse, L., Marsden, A. (1981). Hahndorf survey Vols 1 & 2. [Survey for the Australian Heritage Commission] Adelaide: Techsearch. S.118

2. National Trust of South Australia. (2017). Pioneer Women's Trail. Informationsbroschüre.

3. Fox (1982), S.23

♦ Literatur:

Fox, Anni Luur. (1982). Hahndorf - a brief look at the town and its history. (Überarbeitete Ausgabe). Hahndorf: Fox Publishing Pty Ltd.

Fox, Anni Luur. (2005). Pioneer Women's Trail - History. Adelaide Hills localwiki. (Online-Artikel)

Lodewyckx, Prof. Dr. A. (1932). Die Deutschen in Australien. Stuttgart: Ausland und Heimat Verlagsaktiengesellschaft. S.46

"UNWRITTEN CHAPTERS." (1928, January 28). The Register (Adelaide, SA : 1901 - 1929), S. 9. Abgerufen August 18, 2022, von <nla.gov.au/nla.news-article55069716>. Der Bericht besteht größtenteils aus einem Artikel vom Pastor Alfred Brauer - der Artikel enthält einen Absatz über die Hahndorfer Frauen unterwegs zum Markt.