Gold in Victoria

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Bendigo

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Image: Goldschürfer

›Cradling‹, Aquarellbild von S T Gill, 1869

Eine große Anzahl auch deutscher Goldsucher wurde von den Goldfeldern Bendigos angelockt. Als das oberflächliche alluviale Gold, das leicht zu erreichen war, zu Ende ging, ließen sich viele Deutsche dauerhaft in Bendigo nieder, anstatt die Kolonie zu verlassen, und spielten aufgrund ihrer geologischen Kenntnisse eine wichtige Rolle bei der Erschließung der Quarzminen. Deutsche wie die Ballerstedts leisteten Pionierarbeit im Bereich des Abbaus von Quarzgängen dadurch, dass sie tiefe Schächte abteuften. Diese Deutschen beschäftigten andere Deutsche in ihren Minen. Einige der Deutschen hatten eine Ausbildung in den Bergakademien von Clausthal und Freiberg in Deutschland bekommen und wurden Bergbauexperten in Bendigo. Manche hatten schon Bergbau-Erfahrung nicht nur in den Minen des Harzes (ein Mittelgebirge in Deutschland, bis 1000 Meter hoch), sondern auch in den Kupferminen in Burra und Kapunda in Südaustralien gesammelt.[1]

Bendigo/Sandhurst - der Name: Die Stadt hieß ursprünglich Bendigo, wurde jedoch 1854 offiziell in Sandhurst umbenannt. Nach einer Abstimmung, bei der die Mehrheit der Bevölkerung für die Rückkehr zum Namen Bendigo stimmte, wurde die Stadt 1891 wieder in Bendigo umbenannt.

Deutsche Claim-Namen

Image: Goldschürfer-Ausrüstung

Mittels einer Liste der Besitzer von Bergwerks-Claims, die im Buch Bendigo - the German Chapter erschien, kann man berechnen, dass zwischen 1863 und 1872 etwa 870 deutschsprachige Personen Bergwerks-Claims (Schürfrechte) in der Gegend um Bendigo amtlich registrierten.[2] Die Namen von goldführenden Quarzgängen und von Bergwerksgesellschaften (abgesehen von denen, die einfach aus einem deutschen Familiennamen bestand) zeigen Erinnerungen an die deutsche Heimat, zum Beispiel gab es: Frühling's Reef (Quarzgang), den Hamburg Flat Reef, den Berlin Reef, die Theutonia Co., die Hoffnung Co., die Prussian Reef Co., die Holstein Co., die Hessen Cassel Co., die Bavarian Troop Co., die Lübeck Co., die Hanoverian Co., die Bismarck Co., die Black Forest Co., die Baden Baden Co. und die Albert Mining Co. (benannt nach dem deutschen Ehemann von Königin Victoria).

Foto: Bergwerk

›Black Forest Mine‹, c.1871, The Whipstick, Tiefe 323m

Die Deutschen, die um Ironbark Gully ihre Lager aufgeschlagen hatten, waren die zahlreichsten Europäer. Bendigo war der Sammelpunkt für die Deutschen, so wie Ballarat der Mittelpunkt für die Amerikaner war.

Weston Bate (Historiker, hier in Übersetzung), 1999[3]

Image: Anzeige

Die große Anzahl von Deutschen und die Neigung der nationalen Gruppen, zunächst auf den Goldfeldern zusammenzuarbeiten und einander zu unterstützen, ergab einige deutsche Enklaven auf den Goldfeldern Bendigos: a) in Diamond Hill, b) in einer Gegend, die New Chum Gully, Victoria Hill und Ironbark umfasste (in dieser Gegend wurde 1865 die erste lutherische Kirche errichtet und zwei deutsche Schulen eröffnet), und c) in der Gegend, die als ›the Whipstick‹ bekannt ist (nördlich von Bendigo).[4] Im Whipstick lagen die Minen King of Prussia, und Black Forest. Der Backstein-Schornstein von der ›Black Forest‹-Mine war schwarz, rot und gold gestrichen, in den Farben der republikanischen deutschen Flagge. Im Mai 1863 entdeckte Sebastian Schmidt Gold in einer Gegend, die den Namen Sebastian bekam (am Rand des Whipstick), was einen großen Zustrom von Goldsuchern aus Bendigo verursachte. Die Gegend trägt noch heute den Namen Sebastian. Auf dem Sebastian-Goldfeld lag die sehr erfolgreiche ›Frederick the Great‹-Mine (benannt nach dem berühmten König Preußens 1740-1786), die 4286 kg Gold erzeugte.[5] (Links: Anzeige eines deutschen Gold-Händlers in Bendigo, in Australische Deutsche Zeitung, 4.11.1870)

Auf dem Höhepunkt der Bergwerksaktivitäten in Bendigo überdruckte die Commercial Bank of Sandhurst (Sandhurst war der ursprüngliche Name Bendigos) seine Geldscheine in deutscher Sprache, ohne Zweifel zur Bequemlichkeit der zahlreichen deutschsprechenden Bevölkerung im Distrikt.[6]

Foto: ein altes Aktienzertifikat

Ein Aktienzertifikat aus dem Jahr 1905 für Anteile an der Mine ›Frederick the Great‹ in Sebastian. Der Schein befindet sich in der Sammlung der Bendigo Historical Society, und das Bild erscheint hier mit freundlicher Genehmigung der Society.

Andere Berufe:

Als Bendigo zu einer bedeutenden Stadt wurde, ergriffen einige Deutschen andere Berufe. Der Historiker von Bendigo Frank Cusack schrieb über die deutsche Gemeinde in Bendigo, dass sie besonders aktiv war[7] und dass »deutsche Nachnamen in den frühen Zeitungen und Adressbüchern von Sandhurst reichlich auftauchen – Juweliere, Uhrmacher, Hoteliers, Konditoren, Bäcker und Metzger, Musik-, Gesangs- und Sprachlehrer, Chemiker und Fotografen.«[8]

Hoteliers

Es gab viele deutsche Hoteliers in der Stadt, und ein paar von ihren Hotelnamen erinnerten klar an die Heimat: das ›Berlin‹, das ›Baden Baden‹, das ›Hamburg‹, das ›Prince Bismarck‹.[9] Friedrich Kraemer betrieb das Sydenham-Gardens-Hotel in White Hills (am östlichen Ende des heutigen Bendigo); sein Hotel hatte eine Blaskapelle und drei deutsche Tänzerinnen, mit denen Kunden gegen eine Gebühr eine Mazurka tanzen konnten. Kraemer war ein Pionier des Tanzsalons auf den Goldfeldern. Bezeichnend für diese Salons waren eine Band, eine Tanzfläche und Tanzmädchen, die man ›hurdy-gurdy girls‹ oder ›hurdies‹ nannte. Die ›hurdies‹ und der Salonbesitzer waren meistens Deutsche. Henry Brown, der 1862 in London ein Buch über seine fünf Jahre Abenteuer ›in Melbourne, on the Roads, and the Gold Fields‹ veröffentlichte, schrieb über die ›hurdies‹ (hier in Übersetzung): »Man hielt es für die höchstmögliche Ehre, einen Tanz mit einem von diesen hübschen jungen Mädchen zu erhalten.«[10]

In seinem Buch Sandhurst: As it was and As it is (1882), schrieb John Neill Macartney über die Sydenham Gardens (hier in Übersetzung): »Dort konnte man vielen hübschen jungen deutschen Mädchen begegnen, und Sauerkraut konnte man bestellen. Viele angenehme Besuche stattete ich dort ab, und zahlreiche Blumensträuße kaufte ich, und es war eine wirkliche Freude, den ehrlichen, freundlichen deutschen Gesichtern dort zu begegnen.«[11]

die Kirche

Dr Heinrich Backhaus, der ursprünglich aus Paderborn in Deutschland stammte, kam auf die Goldfelder von Bendigo und gründete die katholische Kirche in Bendigo, wurde aber auch von vielen Menschen außerhalb der katholischen Gemeinde bewundert. Ein Biograf beschrieb ihn als »den bekanntesten Namen im frühen Bendigo«. Die Menschen schätzten Backhaus' Rat, und er hatte den Ruf, Kranke zu heilen. Er war an vielen Aspekten der Entwicklung von Bendigo und seiner öffentlichen Dienste (z. B. Krankenhaus, Eisenbahn, Feuerwehr) interessiert und aktiv beteiligt. Tausende von Menschen nahmen 1882 an seinem Trauerzug in Bendigo teil. Du kannst mehr über Backhaus' Leben vor Bendigo und in Bendigo lesen.

»Deutsche Innovation...«

Als der schöne, 1881 von Wilhelm Vahland entworfene Trinkbrunnen 2015 anlässlich des 100. Todestages von Vahland restauriert und renoviert wurde (siehe die Seite über Vahland), wurden in die Elemente um den Sockel des Trinkbrunnens Inschriften eingearbeitet, die den großen Beitrag deutscher Einwanderer zur Entwicklung von Bendigo in verschiedenen Bereichen würdigen, z. B. Bergbau, Wirtschaft, bürgerliche und geistige Führung, Architektur.

Foto © D Nutting: Inschrift auf einem Brunnen

»German innovation flowed through all of goldfields' life« (Deutsche Innovation durchzog das gesamte Leben der Goldfelder) - Inschrift neben dem Brunnen.

Foto © D Nutting: Inschrift auf einem Brunnen

»German vision helped build Bendigo's strong foundations« (Der deutsche Fortschrittsoptimismus trug zum Aufbau der starken Grundlagen von Bendigo bei) - Inschrift neben dem Brunnen.

Foto © D Nutting: Inschrift auf einem Brunnen

»We honour the German makers, miners, toilers and traders« (Wir ehren die deutschen Handwerker, Bergleute, Arbeiter und Händler) - Inschrift neben dem Brunnen.

Siehe auch: Schulen, Architekten.

♦ Einzelnachweise:

1. Cusack (1998), S.29, 33, 36, 53 / Cusack, Frank (1973). Bendigo : a history. Melbourne : Heinemann. S.58

2. Cusack (1998), S.235-267 (›German Claim-Holders‹, Ralph Birrell erstellte die Liste)

3. Bate, Weston. (1999). Victorian Gold Rushes. Ballarat (Vic.) : The Sovereign Hill Museums Association. S.28

4. Cusack (1998), S.53, 55, 57

5. Cusack (1998), S.58

6. Cusack (1998), S.49

7. Cusack (2002), S.60

8. Cusack (2002), S.61

9. Cusack (1998), S.81

10. Annear, Robyn. (1999). Nothing But Gold. The Diggers of 1852. Melbourne: Text Publishing. S.138-139

11. Macartney, John Neill. & White, E.J.  (1882).  Sandhurst : as it was and as it is.  Sandhurst :  Burrows and Co,  <http://nla.gov.au/nla.obj-485234974>, S.64

♦ Literatur:

Cusack, Frank (Herausgeber). (1998). Bendigo - the German Chapter. Bendigo: The German Heritage Society. Dank an die Society für weitere Informationen.

Cusack, Frank. (2002). Bendigo : a history / Frank Cusack. Überarbeitete Fassung. Bendigo (Vic.) : Lerk & McClure.