Namen

Australische Ortsnamen mit deutschem Hintergrund

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Graf Otto von Bismarck und Namen in Australien

Der Einfluss des Namen Bismarck in Australien

Wer war Bismarck?

Otto von Bismarck war eine Schlüsselfigur der deutschen und europäischen Geschichte. Er war Ministerpräsident von Preußen und wurde später der erste Kanzler des Deutschen Reiches. Durch strategische Kriege und Diplomatie spielte er eine wichtige Rolle bei der Einigung Deutschlands im Jahr 1871 unter preußischer Führung.

Bismarck war bekannt für sein politisches Geschick und für das von ihm geschaffene Bündnissystem zur Erhaltung des Friedens in Europa. Seine Außenpolitik, die so genannte »Realpolitik«, konzentrierte sich auf praktische Ziele und nicht auf Ideale. Bismarcks Führung trug dazu bei, Deutschland zu einer mächtigen europäischen Nation zu machen, und beeinflusste die europäische Politik über Jahrzehnte. Die Encyclopedia Britannica beschreibt Bismarck (hier in Übersetzung) als ›eine überragende Persönlichkeit, die seiner Zeit ihren Stempel aufdrückte‹.[1]

(Wikimedia Commons) Otto von Bismarck

Graf Otto von Bismarck, zirka 1875.

Fotoquelle: AD.BRAUN & Cie Dornach, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Viele Deutsche fühlten sich sehr glücklich und patriotisch nach der Vereinigung von etwa 25 Staaten (mit unterschiedlichen Größen und Regierungsformen)[2] zu einem deutschen Reich. Einige Deutsche hatten sich ein wenig dafür geschämt, dass ihr Land im Weltgeschehen eine unbedeutende Rolle spielte, und hatten das Gefühl, dass einige Ausländer tolerante, aber leicht herablassende Bemerkungen über »das Land der Dichter und Denker« machten[3]. In den 1870er Jahren, nach der Wiedervereinigung, wurde Bismarck nicht nur zum politischen Symbol des Reiches, sondern auch zu einem Kulturhelden. Unter Künstlern und Schriftstellern entwickelte sich eine gewisse Faszination für ihn.[4] Bismarcks Politik wurde zwar von den Abgeordneten im Reichstag (dem Parlament des neuen vereinigten Deutschlands) nicht immer befürwortet, aber in vielen Teilen der deutschen Bevölkerung galt er aufgrund seiner Schlüsselrolle bei der Gründung der neuen Nation als Held.[5]

Ein Beweis dafür, dass man das 1871 gegründete Deutsche Reich manchmal eher mit Bismarck als mit dem Kaiser des Reiches in Verbindung bringt, ist eine Rede von Walter Scheel, dem ehemaligen Bundespräsidenten (Staatsoberhaupt) der Bundesrepublik Deutschland, aus dem Jahr 1986. Während er verschiedene Phasen der deutschen Geschichte aufzählte, sagte er: »im Deutschen Reich Bismarcks«.[6]

Bismarckierung

Die Website ›Bismarckierung‹[7] betont Bismarcks Einfluss als Namenspate für Straßen, Plätze, Denkmäler usw. »Wie kein zweiter Politiker wurde Bismarck (1815-1898) schon zu Lebzeiten, vor allem aber in den Jahrzehnten nach seinem Tod kultisch verehrt. Um an seine Leistungen zu erinnern wurden Denkmäler, Türme und Säulen für ihn errichtet und nicht nur in Deutschland sind zehntausende Straßen, Plätze, Stadtteile, Gasthäuser oder Apotheken nach ihm benannt. Auch am Beginn des 21. Jahrhundert besitzt er damit noch eine Alltagspräsenz, die weit über die seiner prominenten Nachfolger im In- und Ausland hinausgeht. Egal wie man Bismarcks innen- und außenpolitisches Tun heute bewertet, als Namensgeber ist er präsenter als jeder andere europäische Politiker der Neuzeit.«

(Foto © D Nutting) Straßenschild

Bismarckstraße, eine Straße in der Stadt Marburg, Deutschland.

Orte, Unternehmen

Mindestens vier australische Dörfer wurden in den 1870er Jahren nach Bismarck benannt (in Tasmanien, Victoria, Queensland und in Südaustralien[8]), und die Hauptstadt des Bundesstaates North Dakota in den USA wurde Anfang der 1870er Jahre nach Otto von Bismarck benannt.

Der Wohlstand von Bendigo (Victoria) war auf die ausgedehnten Goldminen zurückzuführen, und viele Bergbauunternehmen wurden dort gegründet. In Bendigo lebte auch eine bedeutende Anzahl von Deutschen; heute gibt es in Bendigo viele Menschen mit deutschem Nachnamen. Im Jahr 1867 meldete die ›Bismarck‹-Gesellschaft ihren Claim (Anspruch) für ihre Quarzmine am Frühling's Reef im Whipstick-Gebiet von Bendigo an.[9] 1869 meldete eine andere Gesellschaft, die ebenfalls ›Bismarck Co.‹ hieß, ihre Claims für ihre tiefliegende Schwemmlandmine in Epsom Flat an.[10] Beide ›Bismarck‹-Gesellschaften wurden von Syndikaten gegründet, die aus deutschen Bergleuten oder Investoren bestanden. Beide Unternehmen wurden vor 1871 gegründet, dem Jahr der Vereinigung vieler deutschsprachiger Staaten und Herzogtümer, aber Otto von Bismarck war bereits in den 1860er Jahren ein international bekannter Staatsmann.

Die Bismarck United Quartz Mining Company in Donnelly's Creek in Gippsland, Ost-Victoria, war ein Bergwerk, das im Jahre 1874 12 Männer beschäftigte.[11] Die Count Bismarck Company betrieb eine tiefe Schwemmlandmine südwestlich von Bowenvale in Zentral-Victoria. Die Arbeiten an der Mine begannen um 1870, zu einer Zeit, als Otto von Bismarck bereits ein international bekannter Staatsmann war.[12] In Queensland war die Bismarck-Mine ein (inzwischen stillgelegtes) Kupfer- und Zinnbergwerk im Tagebau westlich von Herberton in den Atherton Tablelands.[13]

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und bis ins 20. Jahrhundert hinein gab es in der Barnard Street in Bendigo, Victoria, viele Jahre lang ein Prince Bismarck Hotel.[14]

Die Bismarck Street in Heidelberg Heights wurde 1917 während der antideutschen Atmosphäre des Ersten Weltkriegs zur Thames Street. Vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 verkauften die Carlton & United Breweries of Melbourne ein Lagerbier mit dem Markennamen ›Bismarck‹. Im Jahr 1914 stellte die Brauerei den Verkauf dieses Bieres ein.

Ein Name für Deutsch-Australier

Ein weiteres Beispiel für die Bewunderung, die einige Deutsche in Australien in den Jahren nach der Gründung des vereinten Deutschlands für Bismarck empfanden, ist die Tatsache, dass deutsch-australische Paare ihre Söhne nach Bismarck benannten.

Harold Bismarck Schinkel - er wurde 1890 in dem Dorf Goroke im äußersten Westen der Wimmera-Region in Victoria geboren (einer Region, in der es viele deutschstämmige Familien gibt). Sein Vater wurde in Südaustralien und seine Mutter in Deutschland geboren. Harold diente während des Ersten Weltkriegs im Army Medical Corps der Australian Imperial Force in Übersee. Ein Baum in der ›World War 1 Avenue of Honour‹ (deutsch: Allee der Ehre) in Booroopki (22 km von Goroke entfernt) ehrt Harold.[15]

Fritz (Fred) Bismark Vahland - der berühmte Architekt Wilhelm Vahland aus Bendigo (Victoria), dessen umfangreiches Werk einen großen Einfluss auf das Erscheinungsbild von Bendigo hatte, und seine Frau Jane hatten zehn Kinder. Sie nannten eines ihrer Kinder Frederick Bismark Vahland, geboren 1871, dem bedeutsamen Jahr der deutschen Einigung.[16]

Geschenke aus Australien

Otto von Bismarck war so bewundert, dass er viele Geschenke von Privatpersonen in Deutschland und Australien erhielt.

Tafelaufsatz / Prunkgeschirr

Der Tafelaufsatz aus Sydney - ein Geschenk für Bismarck.

Bild aus dem Katalog (1899)

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Er erhielt Briefe und Geschenke von deutschstämmigen Australiern, darunter auch vom Weinhändler und Minenbesitzer F.C. Klemm aus Bendigo (Victoria), der Bismarck persönlich als Vertreter des ›Deutschen Vereins‹ in Bendigo besuchte, der gemeinsam ein Schreibset aus Bendigo-Gold, St. Arnaud-Silber und Ebenholz vom Mount Macedon angefertigt hatte.[17] Herr Klemm überreichte außerdem eine Huldigungsadresse der Deutschen in Bendigo am 18. April 1873 (= ein feierlicher Brief oder Text, in dem die Deutschen in Bendigo dem Kanzler Bismarck ihre große Anerkennung, Bewunderung oder Dankbarkeit ausdrückten).

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Bismarck bekam auch eine ›Glückwunschadresse der deutschen Kolonie Viktoria in Melbourne. 1.4. 1885‹. Die Glückwunschadresse, die in einem Ledereinband übersandt wurde, wurde von dem angesehenen Lithographen aus Melbourne (und deutschen Einwanderer) Charles Troedel gefertigt und im Namen des ›Deutschen Vereins von Victoria‹ von dessen Vorsitzendem Hermann William Puttmann und dem Sekretär Ernest Hartung unterzeichnet.[18]

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Von den Deutschen in Sydney erhielt Bismarck eine kleine Plastik in Form eines Tafelaufsatzes (das heißt, ein zentrales Prunkgeschirr, das dazu bestimmt war, in der Mitte eines festlich gedeckten Tisches platziert zu werden). Das Bismarck-Museum (1891 eröffnet, um viele der für Bismarcks Leben wichtigen Gegenstände auszustellen - darunter auch Geschenke, die er erhalten hatte) veröffentlichte 1899 einen Katalog und beschrieb den ›Tafelaufsatz aus Sydney‹ als »überaus charakteristisch« – ein »silberner Aufsatz auf schwarzem Sockel«. Laut dem deutschen Historiker Johannes Voigt war der Tafelaufsatz »das wohl kunstvollste und im Bismarckschen Hause am meisten geschätzte Geschenk«.[19] Am Boden, zwischen australischen Pflanzen, sieht man einen australischen Ureinwohner auf der Jagd, eine Ureinwohnerin mit ihrem Kind auf dem Rücken »und einen neuholländischen Strauß« [Anmerkung des Website-Redakteurs: Dies bezieht sich zweifellos auf einen Emu und verwendet ungewöhnlicherweise den älteren Begriff für Australien – Neuholland]. »In der Mitte erhebt sich ein Baumfarn, um dessen Stamm sich eine Schlange windet, während auf einem Ast eine Taube sitzt. Auf dem Baum endlich ruht ein Straußenei, das mit einem Jagdbild verziert ist und über dem sich ein Leiervogel präsentiert.«[20] Das »Straußenei« war zweifellos ein Emu-Ei.

Der Katalog berichtet, dass Otto von Bismarck, als er diesen Tafelaufsatz aus Sydney sah, »ein besonderes Interesse für die fremdartige Fauna« zeigte, die darauf in verschiedenen Formen dargestellt war. Er fragte nach den Namen der verschiedenen Tierarten. Dieser Tafelaufsatz aus Sydney verblieb im Besitz der Familie Bismarck in ihrem Herrenhaus in Friedrichsruh (etwa 20 km östlich von Hamburg) und wurde im Museum in Schönhausen nicht ausgestellt. Ein Foto des Tafelaufsatzes erschien 1899, etwa ein Jahr nach Bismarcks Tod, in dem Buch des Museums über die Sammlung. Dieses Foto ist hier zu sehen. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist der Verbleib des Tafelaufsatzes unbekannt.[21]

Bismarckheringe

(Foto © D Nutting) ein Glas

Bismarckheringe, die man in Australien kaufen kann.

Abgesehen vom Bismarck-Apfel in Tasmanien (siehe Informationen über den Ort Bismarck in Tasmanien) wurde in Deutschland ein Lebensmittel nach ihm benannt. Im Jahr 1871 schickte der Besitzer einer Fischkonservenfabrik in Stralsund, Herr Johann Wiechmann, zwei Holzfässchen mit sauer eingelegten Ostseeheringen als Geschenk an Bismarck (was ist das? ➜ eingelegte, frische, filetierte Heringe in einer Essiglake, oft mit Gewürzen und manchmal mit Zwiebeln). Herr Wiechmann erhielt die Erlaubnis, sie künftig als »Bismarckheringe« zu vermarkten, und sie wurden zu einem Standardlebensmittel in einkommensschwachen Haushalten, und der Name »Bismarckheringe« kam in Deutschland in den allgemeinen Sprachgebrauch. Dieses Fischprodukt wird manchmal auch in anderen Ländern unter diesem Namen verkauft, darunter auch in Australien. Bismarck war ein Feinschmecker mit äußerst großem Appetit: zum Frühstück 16 Eier, 150 Austern zum Abendessen.[22]

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♦ Einzelnachweise:

1. Barkin, K. (2024, November 21). Otto von Bismarck. Encyclopedia Britannica. Abgerufen im November 2024 von <https://www.britannica.com/biography/Otto-von-Bismarck>.

2. Craig (1980), S.39

3. Craig (1980), S.56-57

4. Craig (1980), S.59

5. MacGregor (2017), S.383, 391 / Hoyer, Katja. (2022). Blood and Iron. The rise and fall of the German Empire 1871-1918. Taschenbuchausgabe. Cheltenham (UK): The History Press. S.72, 76, 80, 106

6. Scheel, Walter. (1986). Rede zum 25. Jahrestag des “Tages der deutschen Einheit” im Plenarsaal des deutschen Bundestages am 17. Juni 1978. In: Wen schmerzt noch Deutschlands Teilung? Zwei Reden zum 17. Juni. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag. S.33

7. Bismarckierung. Ein Projekt der Otto-von-Bismarck-Stiftung. Otto-von-Bismarck-Stiftung d.ö.R., Friedrichsruh. Online unter <http://www.bismarckierung.de/>.

8. Voigt (1988), S.72

9. Cusack (1998), S.36, 241

10. Cusack (1998), S.36, 237

11. The Bismarck United Quartz Mining Company, Gippsland. Reports of the Mining Surveyors and Registrars. Quarter ended 30th June 1874. Presented to both Houses of Parliament by His Excellency's Command. Verfügbar unter: <www.parliament.vic.gov.au/papers/govpub/VPARL1874No64.pdf>

12. GOLD-MINING IN VICTORIA. (1876, Februar 9.). The Argus (Melbourne, Vic. : 1848 - 1957), S. 7. Abgerufen am 4. Februar, 2025, von <http://nla.gov.au/nla.news-article7431634> / Bannear, David. (o.D.). North West Victoria Historic Mining Plots (Maryborough), 1850-1980. Historic Notes (PDF). Verfügbar unter: Heritage Victoria. Abgerufen am 04.02.2025.

13. Map of Bismarck Mine, QLD. Informationen von bonzle.com. Abgerufen am 04.02.2025.

14. LICENSES REDUCTION BOARD. (1914, Mai 2.). Bendigo Advertiser (Vic. : 1855 - 1918), S. 7. Abgerufen am 4. Februar, 2025, von <http://nla.gov.au/nla.news-article89987042> / Cusack (1998), S.81, 85

15. World War 1 Avenue of Honour. Booroopki, West Wimmera, Victoria, Australia. Casterton & District Historical Society. Verfügbar unter: <www.swvic.au/goroke/schinckel.htm> / First World War Embarkation Roll. Harold Bismarck Schinckel. Australian War Memorial. Verfügbar unter: <www.awm.gov.au/collection/R1929898>

16. Ballinger, Robyn. (2015). A short biography of William Vahland. Prepared for the City of Greater Bendigo. Longlea (VIC) : History in the Making. PDF online hier. S.5

17. Voigt (1988), S.72-73 / Lodewyckx, Prof. Dr. A. (1932). Die Deutschen in Australien. Stuttgart: Ausland und Heimat Verlagsaktiengesellschaft. S.227-228

18. Morgenstern, Ulf. (2025). Persönliche Mitteilung (Email). 28.07.2025. (Otto-von-Bismarck-Stiftung, Friedrichsruh, Deutschland)

19. Voigt (1988), S.73

20. de Grousilliers, A. (Herausgeber). (1899). Das Bismarck-Museum in Bild und Wort. Ein Denkmal deutscher Dankbarkeit. Berlin: Im Selbstverlag. S.11

21. Gosdek, Katja. (2025). Persönliche Mitteilung (Email). 30.07.2025. (Otto-von-Bismarck-Stiftung, Schönhausen, Deutschland)

22. MacGregor (2017), S.391 / Faigle, Iris. (2010). Rundum. Einblicke in die deutschsprachige Kultur. Stuttgart: Ernst Klett Sprachen. S.54

♦ Literatur:

Otto von Bismarck. (2023, August 2). Klexikon. Abgerufen um 20:57, 3. Februar, 2025 von: <https://klexikon.zum.de/wiki/Otto_von_Bismarck>.

Craig, Gordon. (1980). Germany 1866-1945. New York: Oxford University Press.

Cusack, Frank (Herausgeber). (1998). Bendigo - the German Chapter. Bendigo (Victoria): The German Heritage Society

MacGregor, Neil. (2017). Germany. Memories of a Nation. New York: Vintage Books.

Voigt, Johannes H. (1988). Australien und Deutschland. 200 Jahre Begegnungen, Beziehungen und Verbindungen. Hamburg (Germany): Institut für Asienkunde