Ortsnamen

Australische Ortsnamen deutscher Herkunft

Collinsvale/Bismarck, Tasmania

Anfang der 1870er Jahre war der tasmanische Einwanderungsbeauftragte Friedrich Buck in Deutschland unterwegs, um Einwanderer für Tasmanien anzuwerben. Im August 1870 kam das Schiff Victoria mit deutschen Einwanderern in Hobart an, die bald darauf nach Sorell Creek zogen. Sorell Creek liegt in den Bergen 18 Kilometer nordwestlich von Hobart. Die ersten Siedler dort oben waren Engländer, aber bald folgten viele Deutsche und auch Dänen (Friedrich Buck hatte auch in Dänemark für Tasmanien geworben und Broschüren über das Leben in Tasmanien in dänischer Sprache veröffentlicht[1]). Sorell Creek wurde 1881 zur Stadt erklärt und in ›Bismarck‹ umbenannt, in Anerkennung der vielen deutschen Siedler dort. Otto von Bismarck war ein preußischer Staatsmann, der die Vereinigung vieler unabhängiger deutschsprachiger Herzogtümer, Staaten und Königreiche zum Deutschen Reich im Jahr 1871 vorantrieb und als erster Kanzler dieses Reiches fungierte. Mit seinen diplomatischen Strategien hatte Bismarck einen großen Einfluss auf die europäische Politik.
Hier kannst du mehr über Otto von Bismarcks Einfluss auf die Namensgebung in Australien lesen.

(Foto © D. Nutting) Gedenktafel

Gedenktafel in einem Park im Zentrum von Collinsvale. Sie erinnert an das hundertjährige Bestehen des Dorfes und würdigt den früheren Namen Bismarck.

Der Historiker Henry Reynolds beschrieb das Dorf Bismarck als (hier in Übersetzung): »eine äußerst erfolgreiche deutsche Bauerngemeinde in den Hügeln bei Hobart«.[2]

Der Bismarck-Apfel

Bismarck war für seine Obstproduktion bekannt, und der Name einer australischen Apfelsorte hat einen deutschen Hintergrund, möglicherweise im tasmanischen Dorf Bismarck. Der Bismarck-Apfel ist heute nicht sehr verbreitet, aber eine britische Website für Pflanzschulen führt den Bismarck-Apfel auf und beschreibt ihn wie folgt (hier in Übersetzung):[3]

Eine alte australische Sorte aus der Zeit um 1870, von der man annimmt, dass sie entweder aus der deutschen Siedlung Bismarck in Tasmanien stammt oder von F. Fricke, einem deutschen Siedler in Carisbrooke, Victoria, gezüchtet wurde. Ausgezeichnet mit dem RHS [Royal Horticultural Society] First Class Certificate 1887. Wurde bis in die 1930er Jahre in Victoria und auch in Europa angebaut.

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Die Namensänderung

Nicht lange nach Beginn des Ersten Weltkriegs begannen einige Menschen in Australien gegen alles zu protestieren, was in irgendeiner Weise deutsch zu sein schien. Einige Menschen in Tasmanien forderten, dass der Name des Dorfes Bismarck geändert werden sollte. Briefe dafür und dagegen gingen an die Gemeindeverwaltung. Einige Menschen in Bismarck befürchteten, dass eine Namensänderung für den Verkauf ihrer landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die unter dem Namen Bismarck bekannt waren und einen guten Ruf hatten, von Nachteil sein würde. Andere sagten das Gegenteil, nämlich dass der deutsche Name nun ihrem Geschäft schaden würde, z.B. die Besitzer von Gästehäusern, die sich um den Tourismus sorgten.[4]

Der Rat von Glenorchy erhielt eine Petition, in der eine Namensänderung gefordert wurde, und eine weitere Petition von deutschstämmigen Einwohnern von Bismarck, die sich gegen die Namensänderung aussprachen. Die Zahl der Petenten, die sich gegen die Namensänderung aussprachen, war höher als die Zahl der Petitionen, die sich für eine Namensänderung aussprachen. Dennoch bestätigte der Rat die Namensänderung 1915. Ein Artikel in der Zeitung von Hobart berichtete (hier in Übersetzung):

Der Ortsname Bismarck wurde offiziell in Collins Vale geändert, aber der alte Name wird zweifellos noch eine ganze Weile bestehen bleiben. Eine Publikation mit dem Titel ›While the Steamer Waits‹, die soeben von der Fremdenverkehrsabteilung der tasmanischen Regierung herausgegeben wurde, behält nicht nur den alten Namen Bismarck bei, sondern beschreibt ihn auch folgendermaßen: - »Bismarck ist ein äußerst reizvolles halbdänisches Dorf am Berghang«. Im ›Tasmanian Tourist‹ vom 28. Januar wird ein weiterer Schritt zur Entgermanisierung des Dorfes unternommen, denn es wird schlicht und einfach als »das dänische Dorf Bismarck bezeichnet«.[5]

The Mercury (1915, 30. Januar)

Der Stadtrat von Glenorchy gab dieser Straße in Collinsvale um das Jahr 1988 den Namen ›Bismarck Court‹ - eine Würdigung des Namens, unter dem das Dorf 34 Jahre lang bekannt war.[6]

(Foto © D. Nutting) Straßenschild

Straßenschild von Bismarck Court in Collinsvale

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♦ Einzelnachweise:

1. Watt (2020), S.5

2. Reynolds, H. (2011). A History of Tasmania. Cambridge; Melbourne: Cambridge University Press.

3. Keepers Nursery. Bismarck Apple (n.d.). <www.keepers-nursery.co.uk/bismarck-apple-fruit-trees.aspx> (abgerufen am 23.05.2014)

4. Appeldorff (1986), S.19

5. COLLINS VALE, LATE BISMARCK (NEWS OF THE DAY). (1915, January 30). The Mercury (Hobart, Tas. : 1860 - 1954), S. 4. Abgerufen am 27. Mai, 2022, von <http://nla.gov.au/nla.news-article10402055>

6. Parham, David. (2014). Persönliche Mitteilung (Email). Heritage Officer, Glenorchy City Council.

♦ Literatur:

Appeldorff, Gwendolyne. (1986). Memories of Collinsvale. Collinsvale, Tasmania: im Selbstverlag.

Watt, Michael. (2020). German Settlers on Tasmania’s East Coast. In former TIMES, issue 15, December 2020. The Glamorgan Spring Bay Historical Society Inc.