Deutsche Traditionen in Australien
Traditionen, Einflüsse und Freizeitaktivitäten
(Bis zur Vereinigung Deutschlands 1871 bestand Deutschland aus vielen unabhängigen Staaten und Fürstentümern. In diesen Seiten bezieht sich das Wort deutsch auf alle Gebiete, aus denen die Einwanderer kamen.)
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Hochzeiten

Friedrich und Bertha Matschoss, c.1890. State Library of South Australia.
Hochzeiten in den deutschen Siedlungen waren große Feste, die tagelang dauern konnten. Die Hochzeitszeremonie wurde an einem Wochentag abgehalten, oft am Donnerstag. Im 19. Jahrhundert trug die deutsche Braut in Australien, wie auch in Deutschland, kein weißes Hochzeitskleid, sondern ein schwarzes, mit einem weißen Schleier. Federschleißen war eine verbreitete Aktivität vor der Hochzeit; die Freunde und Verwandten des verlobten Paares trafen sich, um aus den Daunen von Gänsefedern Federbetten zu machen. Der Polterabend war auch ein wichtiger Brauch die Freunde des Ehepaares versammelten sich am Abend vor der Hochzeit vor dem Haus der Eltern der Braut, und machten viel Lärm mit Dosen, Töpfen usw. Später wurden sie alle in das Haus zum Essen und Trinken eingeladen. Oft haben die Leute dem Bräutigam einen Streich gespielt, zum Beispiel haben sie sein Pferd freigelassen oder etwas ähnliches. Nach der Hochzeit verließ das Brautpaar auf einem traditionellen deutschen Leiterwagen (German wagon) die Kirche[1].
Essen

Laden in Angaston, Barossa-Tal
Essen und Lebensmittel sind ein Bereich, in dem deutschsprachige Einwanderer das australische Leben beeinflusst haben, besonders in Südaustralien. Die Einwanderer brachten ihre eigenen Rezepte aus Deutschland mit, und diese preußischen Kochtraditionen und Rezepte wurden auf die natürlichen Umstände im Barossa übertragen und modifiziert. Viele dieser Sachen sind noch heute in ganz Südaustralien populär. Natürlich stellten die deutschen Siedler viele Wurstsorten her: Mettwurst, Blutwurst, Leberwurst, Weißwurst. Man schreibt in Australien häufig den Namen Mettwurst als »metwurst«.
Streuselkuchen war der typische Alltagskuchen (und ist auch heute in Südaustralien verbreitet, unter dem Namen German cake). Honigkuchen war auch beliebt, besonders zu Weihnachten[2].
Bienenstich ist ein weiterer traditioneller Kuchen, der von mehreren Bäckereien im Barossa-Tal gebacken und verkauft wird. Das ist ein Blechkuchen aus Hefeteig mit einem Belag aus einer Fett-Zucker-Mandel-Masse, die beim Backen karamellisiert. Meistens füllt man den Kuchen mit einer Vanille- oder Sahnecreme.

Bienenstich in einer Bäckerei im Barossa-Tal
Sprachlicher Einfluss
Barossa-Deutsch ist der offizielle Name für die Varietät der deutschen Sprache, die im 19. Jahrhundert im Barossa-Tal entstand. Diese Varietät hatte seinen Ursprung in den ostmitteldeutschen Dialekten der damals preußischen Provinzen von Brandenburg und Schlesien (vor allem Nordschlesien), wo viele der ersten Siedler im Barossa-Tal herstammten. Das Barossa-Deutsch hatte aber eigenartige Eigenschaften, die mit den Einflüssen des Lebens (zum Beispiel Wetter, Landschaft) im Barossa-Tal entstanden[3].Der bekannte südaustralische Schriftsteller Colin Thiele (1920-2006), dessen Großeltern deutsche Einwanderer waren, beschrieb das Barossa-Deutsch so: »that quaintly inbred and hybrid language evolved from a century of linguistic isolation« [jene eigentümlich insulare und hybride Sprache, entstanden durch hundert Jahre linguistischer Isolation]. Das Barossa-Deutsch ist jetzt fast ausgestorben.
Einige Wörter des Barossa-Deutsch sind im heutigen Englisch von Südaustralien zu finden. Dorothy Jauncey schrieb über sie in ihrem Buch Bardi Grubs and Frog Cakes - South Australian Words (Oxford University Press, 2004), zum Beispiel 'butcher' = ein 200-Milliliter-Bierglas (in anderen Teilen Australiens ein »glass« oder ein »seven« [7 ounce] - hinter diesem Wort in Südaustralien steht das deutsche Wort 'Becher'; 'Fritz' = eine Art Wurst (in anderen Regionen Australiens heißt sie »Windsor sausage«, »Devon«, »Polony« oder »German sausage«); und 'Kuchen' = Kuchen(!).
Im Barossa-Tal kann man heute Formulierungen wie »Are you coming with?« hören. Hinter diesem englischen Satz steckt die deutsche Satzstruktur. Eine junge Frau in Tanunda im Barossa-Tal war überrascht, als der Autor dieser Website ihr erzählte, dass dieser Satz eine Eigenschaft des Englischen im Barossa-Tal ist. Der Autor hofft, dass diese Eigenschaft sich dort noch lange hält!
♦ Einzelnachweise:
1. Ioannou (2000), S.44-51; Munchenberg, Reginald S et al. (1992), S.129-130
2. Ioannou (2000), S.127-135; Munchenberg, Reginald S et al. (1992), S.127
3. Clyne (1981), S.16-21
♦ Literatur:
Ioannou, Noris. (2000). Barossa Journeys: into a valley of tradition. (Second edition) Sydney: New Holland Publishers
Munchenberg, Reginald S et al. (1992). The Barossa, a Vision Realised. The Nineteenth Century Story. Barossa Valley Archives and Historical Trust Inc.
Clyne, Michael (& Centre for Migrant Studies, Monash University). (1981). Deutsch als Muttersprache in Australien : zur Okologie einer Einwanderersprache. Wiesbaden : Franz Steiner Verlag.