Victoria
Dr Heinrich (Henry) Backhaus, Bendigo
Teil 1 - Kindheit in Paderborn; Ausbildung zum Priester; Zeit in Sydney und Adelaide
Teil 2 - Leben in Bendigo; sein Einfluss und sein aktiver Beitrag zum gesellschaftlichen Leben; die Gründung der Kirchen St. Kilian und St. Liborius
Teil 3 - Ruhestand und Tod; sein Vermächtnis für Bendigo
Backhaus ging 1881 in den Ruhestand und kaufte ein etwa 10 Hektar großes Anwesen namens Villa La Trobe zwischen South Road und Holyrood St im heutigen Hampton, einem Vorort von Melbourne. Er benannte das Anwesen zu Ehren seiner Mutter in Santa Margarita um. Mehrere Monate lang lebte Backhaus dort, bevor er ernsthaft erkrankte und wahrscheinlich merkte, dass er im Sterben lag. Er bat Freunde, darunter seinen engen Freund John Crowley, ihm bei der Rückreise nach Bendigo zu helfen - er wollte seine letzten Tage in der Stadt verbringen, deren Entwicklung er beeinflusst hatte.
Backhaus starb in einem Zimmer der Marlborough Lodge, die 1869 von Vahland und Getzschmann entworfen wurde. Das Haus gehörte seinem Freund John Crowley. Crowley, der ursprünglich aus der Grafschaft Cork in Irland stammte, war Miteigentümer des Shamrock Hotels, das Vahland und Getzschmann auch entworfen hatten. Das Haus lag ›nur einen Steinwurf vom Standort der Kathedrale entfernt‹, die Backhaus' Geschäftssinn später ermöglichte.[1]
Marlborough Lodge in Bendigo. Backhaus verstarb in einem Zimmer dieses Hauses.
Der Biograf John Hussey schrieb (hier in Übersetzung): »Henry Backhaus ist oft als gewiefter Investor und hartgesottener Geschäftsmann beschrieben worden. Zweifellos war er beides, aber ebenso sicher kann es keinen Zweifel daran geben, dass er sehr viel mehr war. Städte trauern nicht um den Tod eines Geschäftsmannes«. Hussey schrieb, die Reaktion der Stadt auf Backhaus' Tod zeige, wie viel Liebe und Respekt die Menschen in Bendigo für Backhaus empfunden hätten. Nach Backhaus' Tod wurde sein Leichnam aus dem Haus von John Crowley in die St. Kilian's Kirche überführt, und viele Tausende von Besuchern (darunter viele Nichtkatholiken) zogen durch die Kirche, um Backhaus die letzte Ehre zu erweisen.[2] Der Bendigo Advertiser berichtete (hier in Übersetzung): »Die McCrae Street [wo sich St. Kilian's befindet] war den ganzen Tag über voller Leben, mit Menschen, die zur Kirche gingen oder von ihr zurückkehrten, aber obwohl die Straße überfüllt war, lag ein Hauch von Traurigkeit über der Szene, der nicht zu übersehen war.« Die Beerdigung löste einen der größten Menschenaufläufe aus, die es je in Bendigo gegeben hatte.[3]
Backhaus' Testament hinterließ der Kirche St. Kilian's wertvolle Immobilien im Zentrum von Bendigo und Ackerland außerhalb von Bendigo. Backhaus stellte sicher, dass die Kirche diese wertvollen Immobilien nicht verkaufen konnte, sondern die Mieteinnahmen daraus erhielt. Viele wichtige Straßenecken im zentralen Geschäftsviertel von Bendigo sind im Besitz des Nachlasses von Backhaus. Neil Athorn, der Immobilienverwalter von Sandhurst Trustees, einer Tochtergesellschaft der Bendigo Bank, die den Nachlass von Backhaus verwaltet, sagte der Zeitung Herald Sun im Jahr 2002 (hier in Übersetzung): »Es dreht sich alles um Ecken und zentrale Lagen. Backhaus war sehr klug.«[4]
Das ›Backhaus Building‹ in der Mitchell Street, Bendigo. Zum Zeitpunkt dieses Fotos befand sich in dem Gebäude ein deutsches Restaurant namens Tageskarte.
In der Backhaus-Passage im Zentrum von Bendigo gehören sechs Geschäfte zum Nachlass. Eine bronzene Relieftafel an einer Wand in der Passage erinnert an Dr. Backhaus, und die Illustration des Künstlers symbolisiert Backhaus' Reichtum durch Münzen, die aus Geldsäcken herausquellen.
Bronzetafel in der Einkaufspassage ›Backhaus Arcade‹ zu Ehren von Heinrich Backhaus. Anlässlich der Hundertjahrfeier der St. Kilianskirche 1988. Entwurf von Annemieke Mein.
Die ›Sacred Heart Cathedral‹ in Bendigo ist für eine Kathedrale in einer australischen Regionalstadt ungewöhnlich groß und nach der St. Patrick's Cathedral und der St. Paul's Cathedral in Melbourne die dritthöchste in Australien. Ihr Turm ist über den Dächern der Stadt sichtbar. Richard Everist beschrieb Sacred Heart Cathedral wie folgt (hier in Übersetzung): »Der Standort der Herz-Jesu-Kathedrale wurde 1855 vom Priester Dr. Backhaus erworben. Das Fundament besteht aus Harcourt-Granit. Die Innenausstattung besteht aus verschiedenen Marmorsorten, Bänken aus Schwarzholz und Decken aus Oregon und Kauri. Diese Kathedrale verdankt Dr. Backhaus sehr viel. Indirekt stellte er das Land, die Vision und das Geld zur Verfügung, um sie zu ermöglichen.«[5]
Ein Gedenkbanner über den Dom - das Banner würdigt Dr. Backhaus. Das Banner befand sich in der Nähe des Rathauses, ist aber nicht mehr dort.
Mit dem Bau der Herz-Jesu-Kathedrale wurde 1897 begonnen, was durch die regelmäßigen Einnahmen aus dem Backhaus-Nachlass ermöglicht wurde. Ihr Entwurf ist im Stil der englischen Gotik des fünfzehnten Jahrhunderts gehalten. John Hussey beschrieb sie wie folgt (hier in Übersetzung): »ein majestätisches Gebäude von großer Schönheit, das seinen Platz unter den Kathedralen der Welt mit Stolz einnehmen kann.«[6]
›Sacred Heart‹-Dom / Herz-Jesu-Kathedrale, Bendigo

›Sacred Heart‹-Dom / Herz-Jesu-Kathedrale, Bendigo - das majestätische Innere

Backhaus Oval, a sports ground in Bendigo
Das Santa Margarita Estate in Hampton wurde 1924 verkauft und in Wohnstraßen aufgeteilt. Einige Straßennamen dort sind eine Verbindung zu Backhaus und seiner Zeit, als er dort lebte. In einem Artikel über Straßennamen in der Lokalzeitung The Hampton Bugle schrieb der Historiker Graeme Disney (hier in Übersetzung): »Wie viele Menschen, die in der Margarita Street wohnen, sind sich bewusst, dass sie eine entfernte Verbindung zu der kleinen Stadt Paderborn in Westfalen, Westdeutschland, haben? (...) Er [Backhaus] kaufte ein Haus namens ›Villa La Trobe‹, das auf 20 Morgen an der South Road, Brighton, im damaligen Moorabbin und heutigen Hampton stand. (...) Die Straßen, die durch sein altes Anwesen [in Hampton] führen, erinnern an seinen Namen - Backhaus, St. Kilian und Bendigo sind offensichtlich, während Margarita der Name seiner Mutter war.«

St Kilian Street im Melbourner Vorort Hampton
Es scheint wahrscheinlich, dass die Straße ›Backhaus Avenue‹ in Sunbury (Victoria) nach Heinrich Backhaus benannt ist, da die Namen mehrerer anderer Straßen in der Nähe die Nachnamen bedeutender Kirchenführer im Australien des 19. Jahrhunderts sind, z. B. Reverend James Adams (erster ansässiger anglikanischer Priester in Townsville), Arthur Davenport (Erzdiakon von Hobart von 1880 bis 1888), August Kavel (ein Gründer der Lutheran Church in Australien) und Pater James Breen (zu seiner Beerdigung 1916 in Brisbane kamen große Menschenmengen).
♦ Einzelnachweise:
1. Everist (2006), S.28
2. Hussey (1982), S.169-170
3. THE LATE VERY REV. DR. BACKHAUS. (1882, September 9). Bendigo Advertiser (Vic. : 1855 - 1918), S. 2. Abgerufen am 23. Januar, 2024, von <http://nla.gov.au/nla.news-article88575785>
4. Sherborne, Craig. (2002). "Investor priest’s bequest lives on". Herald Sun, Monday 26th August 2002, edition #1, S.7
5. Everist (2006), S.28
6. Hussey (1982), S.202
7. Hussey (1982), S.185-187 / Britannica, T. Editors of Encyclopaedia (2023, September 28). George William Mundelein. Encyclopedia Britannica. <www.britannica.com/biography/George-William-Mundelein> / Grossman, Ron. (2014, 20. Juli). Chicago's first cardinal not afraid to lead in city -- and the world. Chicago Tribune. <www.chicagotribune.com/news/ct-cardinal-mundelein-flashback-0720-20140720-story.html>. Abgerufen 22.01.2024.
♦ Literatur:
Cusack, Frank (Herausgeber). (1998). Bendigo - the German Chapter. Bendigo (Victoria): The German Heritage Society. S.113-116
Everist, Richard (2006). The traveller's guide to the goldfields : history & natural heritage trails through Central & Western Victoria. Geelong West (Victoria): Best Shot! Publications Pty Ltd.
Hussey, John. (1982). Henry Backhaus, Doctor of Divinity, pioneer priest of Bendigo / John Hussey. Bendigo [Vic.] : St. Kilian's Press. Deutsche Übersetzung: Hussey, John. (1985). Pionier unter Goldsuchern. Heinrich Backhaus – ein Priester aus Westfalen in Australien. Paderborn: Bonifatius Verlag.
Owens, A. E. 'Backhaus, George Henry (1811–1882)', Australian Dictionary of Biography, National Centre of Biography, Australian National University, https://adb.anu.edu.au/biography/backhaus-george-henry-43/text4199, 1969 erstmals in gedruckter Form veröffentlicht, online abgerufen am 29. Dezember 2023.