Victoria

Dr Heinrich (Henry) Backhaus, Bendigo

Teil 1 - Kindheit in Paderborn; Ausbildung zum Priester; Zeit in Sydney und Adelaide

Teil 2 - Leben in Bendigo; sein Einfluss und sein aktiver Beitrag zum gesellschaftlichen Leben; die Gründung der Kirchen St. Kilian und St. Liborius

Teil 3 - Ruhestand und Tod; sein Vermächtnis für Bendigo


Im Jahr 1852 verließen viele Südaustralier die Kolonie, um in Victoria nach Gold zu suchen, und die katholische Kirche in Südaustralien ging fast pleite. Der Bischof konnte es sich nicht mehr leisten, Heinrich Backhaus zu bezahlen und schlug ihm vor, nach Sydney zu gehen. Backhaus beschloss, dass die viktorianischen Goldfelder das Gebiet waren, der seine Arbeit am meisten benötigte.[1]

Foto © D Nutting: Sitz aus Holz

Dr Backhaus' erster Stuhl in Bendigo

In den frühen Tagen der Goldfelder von Bendigo lebte Backhaus wie die Goldgräber auf sehr einfache Weise in einem Zelt, und er hielt Gottesdienste in einem Zelt ab (der Altar nahm den größten Teil des Zeltes ein; die Gemeinde stand vor dem offenen Zelteingang). Backhaus hatte nur einfache improvisierte Möbel in seinem eigenen Zelt, und sein grob behauener Stuhl (aus einem Holzscheit geschnitten) ist in einer Vitrine an der hinteren Innenwand der Kilianskirche aufbewahrt. Sein Neffe, Theodor Mündelein, folgte ihm von Paderborn nach Australien, und nach Backhaus' Tod ging dieser grobe alte Holzstuhl in Theodors Hände über.[2]

Backhaus wurde als ›groß, schmächtig und geradlinig, eher streng aussehend, mit langem kastanienbraunem Haar, das ihm bis zu den Schultern reichte‹ beschrieben. Ein Journalist des Bendigo Advertiser beschrieb ihn nach seinem Tod (hier in Übersetzung) als ›einen großen Zuchtmeister, einen entschiedenen Verfechter von Recht und Ordnung, der einen zügelnden Einfluss auf die Goldgräber ausübte, die unter den damaligen Bedingungen verständlicherweise manchmal dazu neigten, außer Kontrolle zu geraten‹.[3] Backhaus hatte den Ruf eines Friedensstifters, und obwohl er sich entschieden gegen den Alkoholmissbrauch unter den Goldgräbern aussprach, hatte er Verständnis für die Goldgräber, wenn sie von den Behörden ungerecht behandelt wurden. Backhaus fand leicht Freunde und war ein energischer Prediger, der gut Englisch sprach, wenn auch mit einem starken deutschen Akzent.

Dr Backhaus, ›der bekannteste Name im frühen Bendigo‹[4], war eine bekannte Persönlichkeit des öffentlichen Lebens: Er nahm häufig an öffentlichen Versammlungen teil und sprach dort, und er war bei Landverkäufen als gewiefter Feilscher und Grundstücksspekulant geachtet und schrieb oft Artikel in den lokalen Zeitungen. Er hatte einen großen Ruf als Krankenheiler. Es scheint, dass er während seines Aufenthalts in Indien Kenntnisse der indischen Kräuterkunde erworben hat. Auf jeden Fall suchten viele Menschen ihn auf, wenn sie krank waren.[5]

Backhaus interessierte sich besonders für Medizin und die Hilfe für Kranke und war eine treibende Kraft bei der Gründung des ersten öffentlichen Krankenhauses in Bendigo, das im November 1853 eröffnet wurde. Er war Mitglied des Verwaltungsrats. Er nahm auch aktiv an Sitzungen teil, in denen das Rathausgebäude und eine Bibliothek (›Mechanics' Institute‹) für Bendigo geplant wurden.[6]

Er erkannte das Potenzial des Gebiets von Bendigo für den Weinbau und ermutigte seine deutschen Landsleute, Reben zu pflanzen und Wein zu keltern. Zu den frühen Weinbauern von Bendigo gehören Carl Heine, Georg und Albert Bruhn, Carl Pohl, Frederick Grosse, Wilhelm Greiffenhagen, Johann Kahland und August Fischer. Fischers ›Shamrock Vineyard‹ befand sich auf einem von Dr. Backhaus gepachteten Grundstück.[7]

Foto © D Nutting: Büste

Eine Büste von Dr. Backhaus im Kanzleibüro der Diözese in Bendigo

Backhaus setzte sich für eine effektive Wasserversorgung der wachsenden Stadt und für die Einrichtung einer Feuerwehr ein. Er setzte sich auch für den Bau einer Eisenbahnlinie von Melbourne nach Bendigo ein und war offizieller Redner bei einem Bankett zur Eröffnung der Strecke im Oktober 1862.[8]

Es ist nicht klar, woher Dr. Backhaus seinen Geschäftssinn, sein Interesse und sein Geschick für Finanzen und Immobilien bezog.[9] Er kaufte in der wachsenden Stadt Bendigo Grundstücke in wertvollen Lagen, wie z.B. an Straßenecken im Zentrum der Stadt.[10]

Backhaus war außerordentlich vorsichtig und sparsam im Umgang mit Geld, verschwendete es nie und gab nie unnötig Geld aus, aber er war auch großzügig zu den armen Leuten von Bendigo und tat dies auf bescheidene und unauffällige Weise. Die Leute wussten, dass er wohlhabend war; er machte kein Geheimnis daraus und sagte es ihnen auch. Er erzählte den Menschen in der Gemeinde jedoch, dass er seinen Reichtum zum künftigen Nutzen der Gemeinde anlegte, dass sein Reichtum der Förderung der Religion in der Gemeinde zugute käme und dazu beitragen würde, die Menschen im Bezirk mit Almosen zu versorgen.[11]

Kurz vor dem Ende von Backhaus' Leben veröffentlichte der Schriftsteller John Neill Macartney ein Buch mit dem Titel Sandhurst: as it was and as it is (Bendigos offizieller Name war bis 1891 etwa 40 Jahre lang Sandhurst). In diesem Buch beschrieb Macartney wichtige Persönlichkeiten, Orte und Industrien in Bendigo, das er als ›eine stattliche Stadt‹ bezeichnete. Er schrieb, dass Dr. Backhaus (hier in Übersetzung) »in Bezug auf seinen Reichtum ein echter Midas ist«.[12] (König Midas ist eine Figur aus den alten griechischen und römischen Mythen. In einer Geschichte verwandelte sich alles, was Midas berührte, in Gold.)

Im Jahre 1993 beschrieben zwei Autorinnen die Bedeutung von Backhaus in Bendigo wie folgt (hier in Übersetzung):[13]

Er war ein Vorreiter bei allen Fortschritten, die Bendigo betrafen, bei der Anlage der Straßen, der Wasserversorgung, dem Krankenhaus, der Eisenbahn, der Feuerwehr und so weiter. (...) Obwohl er einen unabhängigen Geist besaß, war er umgänglich und konnte sich mit Menschen aller Klassen und Religionen unterhalten.

Annette Marie O'Donohue & Bev Hanson

Foto © D Nutting: Schule

Schild an der St Kilian's Primary School, Bendigo - im Hintergrund ist auch das Backhaus-Gebäude der Schule zu sehen

Backhaus' erste Kirche in Bendigo war ein einfaches Gebäude aus Holzplatten und Segeltuch. Später wurde eine stattliche Kirche aus Stein gebaut und nach dem Heiligen Kilian benannt (dem Heiligen, der über dem Paradiesportal-Eingang zum Paderborner Dom in Backhaus' Heimatstadt dargestellt ist). Dr. Backhaus kaufte eine beeindruckende Pfeifenorgel, die er bei einem Meisterorgelbauer in seiner Heimatstadt Paderborn in Deutschland in Auftrag gegeben hatte, und schenkte sie dieser neuen Kirche. R. A. (August) Randebrock baute diese Orgel im Jahr 1871, sie wurde nach Australien verschifft und von George Fincham in der St. Kilian-Kirche installiert. (Fincham war ein englischer Orgelbauer, der nach Australien ausgewandert war und in Richmond in Melbourne lebte.)[14]

Im Jahr 1887 wurde die ursprüngliche Steinkirche für baufällig erklärt; die Fundamente der Kirche waren aufgrund von Bodensenkungen infolge des Bergbaus in der Umgebung instabil geworden, und die Kirche wurde abgerissen. Eine neue Kirche, die heutige St. Kilian's Church, wurde von Bendigos berühmtem deutschen Architekten W. C. Vahland entworfen und aus Holz gebaut, einem leichteren Baumaterial (aus Oregon- und Hartholz). Sie wurde im Juli 1888 eröffnet. Dr. Backhaus erlebte die neue Kirche, die durch ihre Schlichtheit und die Qualität ihrer Holzausstattung, wie beispielsweise die attraktiven Holzgewölbe, besticht, nicht mehr. Sie ist wahrscheinlich die größte Holzkirche in Australien. Die Randebrock-Orgel wurde von George Fincham in die neue Holzkirche überführt.

Foto © D Nutting: Kirche

Kirche St Kilian, Bendigo

Foto © D Nutting: Gedenktafel

Gedenktafel für den Besuch des Erzbischofs von Paderborn in der Kirche St. Kilian, Bendigo, 1988

Foto © D Nutting: das Innere der Kirche

Das hölzerne Innere der Kirche St Kilian, Bendigo

Foto © D Nutting: Kirchenorgel

Die Randebrock-Orgel in der Kirche St Kilian, Bendigo

John Stiller vom Organ Historical Trust of Australia beschrieb die Orgel 1979 ausführlich, bevor sie 1981-82 restauriert wurde, und fügte folgende Kommentare hinzu (hier in Übersetzung): ›Die Orgel in St. Kilian's, Bendigo, ist die einzige große deutsche Orgel aus dem 19. Jahrhundert in Australien. (…) Aufgrund der Auswirkungen von Kriegen und des ständigen Strebens nach »Modernisierung« und »Verbesserung« sind solche Instrumente in Deutschland äußerst selten geworden. Die Tatsache, dass diese Orgel nur geringfügig von ihrer ursprünglichen Form abweicht, macht sie zu einem Instrument von internationaler historischer Bedeutung.‹[15]

Die Victorian Heritage Database beschreibt diese Orgel wie folgt (hier in Übersetzung): ›Das Gehäuse aus Eichenholz im gotischen Stil ist aufwendig geschnitzt und farbig hervorgehoben. Aufgrund ihrer Seltenheit ist diese Orgel eine der bemerkenswertesten Australiens. Durch ihre deutsche Herkunft und ihren Charakter unterscheidet sie sich deutlich von anderen Pfeifenorgeln im englischen Stil, die in Australien gebaut oder dorthin exportiert wurden.‹[16]

Foto © D Nutting: Kirchenorgel

Statue eines Heiligen auf dem Gehäuse der Randebrock-Orgel in der Kirche St. Kilian in Bendigo

Eine Statue des Heiligen Liborius (anstelle des Heiligen Kilian[17]) in der Mitte des Orgelgehäuses trägt eine weiße Schriftrolle, auf der der Name des Orgelbauers, das Baujahr (1871) und der Bauort (Paderborn) zu lesen sind.

Foto © D Nutting: Kirchenorgel, Registerzüge

Die Registerzüge der Randebrock-Orgel in der Kirche St. Kilian sind auf Deutsch und Englisch beschriftet

Die Registerzüge über dem Spieltisch der Orgel sind auf Deutsch und auf Englisch beschriftet, zum Beispiel »8 Fuß Fernflöte« / »Distant Flute 8 feet«.

Neben St. Kilian's im Zentrum von Bendigo gründete Dr. Backhaus auch eine Kirche im nahe gelegenen Eaglehawk und widmete sie dem Heiligen Liborius, dem anderen Schutzpatron seiner deutschen Heimatstadt (Paderborn). Die Kirche wurde von dem bekannten deutschen Architekturbüro Vahland & Getzschmann aus Bendigo entworfen und 1869 fertiggestellt. Eine Gedenktafel zeigt, dass Dr. Backhaus den Grundstein legte.

Foto © D Nutting: Kirche

Die Kirche St Liborius in Eaglehawk, bei Bendigo

Foto © D Nutting: Gedenktafel

Eine Gedenktafel an der Kirche St Liborius in Eaglehawk, bei Bendigo

♦ Einzelnachweise:

1. Hussey (1982), S.53-55

2. Hussey (1982), S. 71, 168

3. Hussey (1982), S.92

4. Hussey (1982), Klappentext

5. Hussey (1982), S.93-98

6. Hussey (1982), S.123-125

7. Hussey (1982), S.125

8. Hussey (1982), S.126

9. Hussey (1982), S.173

10. Sherborne, Craig. (2002). ›Investor priest’s bequest lives on‹. Herald Sun, Monday 26th August 2002, edition #1, S.7

11. Hussey (1982), S.176

12. Macartney, John Neill. & White, E.J.  (1882).  Sandhurst : as it was and as it is. Sandhurst : Burrows and Co,  <http://nla.gov.au/nla.obj-485234974>, S.122

13. O'Donohue, Annette Marie. & Hanson, Bev. (1993). Where they lie : early burials on the Bendigo Goldfields, 1852-1870. Maiden Gully [Vic.] : A. O'Donohue. S.36

♦ Literatur:

Cusack, Frank (Herausgeber). (1998). Bendigo - the German Chapter. Bendigo (Victoria): The German Heritage Society. S.113-116

Hetherington, John. (1966). Pillars of the Faith. Churchmen and Their Churches in Early Victoria. Melbourne: Cheshire.

Hussey, John. (1982). Henry Backhaus, Doctor of Divinity, pioneer priest of Bendigo / John Hussey. Bendigo [Vic.] : St. Kilian's Press. Deutsche Übersetzung: Hussey, John. (1985). Pionier unter Goldsuchern. Heinrich Backhaus – ein Priester aus Westfalen in Australien. Paderborn: Bonifatius Verlag.

Owens, A. E. 'Backhaus, George Henry (1811–1882)', Australian Dictionary of Biography, National Centre of Biography, Australian National University, https://adb.anu.edu.au/biography/backhaus-george-henry-43/text4199, 1969 erstmals in gedruckter Form veröffentlicht, online abgerufen am 29. Dezember 2023.