Victoria

JF Krummnow und die Kommune „Herrnhut“

1) Krummnow in Südaustralien
2) In Victoria - Gründung der Herrnhut-Kommune
3) Erfolgsjahre
4) Hill Plain-Kommune zieht nach Herrnhut
5) Krummnows Tod

Für Krummnow und seine Gemeinde ging es dann schnell zu Ende. Krumnow starb am Sonntag, dem 3. Oktober 1880, um 22.30 Uhr im Alter von 69 Jahren an progressiver Lähmung.[1] Bei seinem Grab leitete August Hildebrandt, Bäcker der Gemeinde und einer der überlebenden Getreuen, die Beerdigungsfeier. Er lobte die geistlichen Gaben und die guten Eigenschaften von Krummnow, aber er machte auch »Anspielungen auf gewisse mehr oder weniger bekannte Schwächen seines Charakters«, die er als menschlich und verzeihlich darstellen wollte.[2]

Hildebrandt hatte zusammen mit seiner Tochter Mary in Krummnows Haus gewohnt (sie war seit etwa 1870 Krummnows Haushälterin gewesen).[3]

Krumnows zwei Schwächen, die Hildebrandt meinte, waren angeblich Krumnows Beziehungen, als alter Junggeselle, zu einigen seiner jugendlichen Anhängerinnen, und seine Neigung zu Alkohol in den letzten Jahren seines Lebens.[4]

Es gibt einige Geschichten über Krummnows Beerdigung, die Teil der mündlichen Volkskunde der Gegend sind. Man glaubt, dass sie nicht wahr sind. Zum Beispiel:

1) Es heißt, dass man Krummnow mit dem Gesicht nach unten beerdigt habe. Die Enkel eines der Gemeindemitglieder erzählten dem Forscher Charles Meyer in den 1970er Jahren, dass Krummnow mit dem Gesicht nach unten begraben wurde.[5] Krummnow prahlte damit, dass er nach seinem Tod hinauf zum Himmel gleiten würde und dort aufgenommen werde, wie es Christus passierte. Die lutherischen Nachbarn fanden das lästerlich, also verbreiteten sie die Geschichte, dass Krummnow mit dem Gesicht nach unten beerdigt wurde, so dass er bei der angeblich prophezeihten Auferstehung sich nicht in Richtung Himmel bewegen würde, sondern in die entgegengesetze Richtung, - in Richtung Hölle. Viele meinten, dass er dorthin gehörte. Eine Ausschmückung dieser Geschichte besagt, dass man einen sehr großen Stein über seinen Körper legte, so dass, wenn Krummnow schlau genug wäre, zu merken, dass er sich in die „falsche“ Richtung bewegt, der Stein garantieren würde, dass er dort bleibt, wo er hingehört.

August Hildebrandt respektierte Krummnow jedoch sehr, und muss Krummnow auf eine anständige Weise beerdigt haben.

2) Es heißt auch, dass ein bekümmerter Landarbeiter (swagman), der oft für die Kommune gearbeitetet hatte und der Krummnow mochte, bei der Beerdigung versuchte, in das Grab hineinzuspringen.[6]

(Foto © D. Nutting) Straßenschild

Straßenschild: die kleine Landstraße 'Krumnow Lane', wo sich die Kommune befand, und nach Krumnow benannt

Professor Lodewyckx schrieb im Jahre 1932, dass es schwierig ist, die unterschiedlichen Behauptungen über Krummnow zu bewerten. Es ist »äußerst schwer, in diesen Dingen zwischen Wahrheit und Dichtung zu unterscheiden.« Eine Persönlichkeit wie Krummnow war wahrscheinlich dem Klatsch und Tratsch der Nachbarn (auf den nahe gelegenen Bauernhöfen) ausgesetzt, die ihm nicht sehr wohlgesonnen waren.[7]

Nach Krumnows Tod

Nur noch acht Leute lebten in der Gemeinde, als Krummnow starb. Herrnhut hatte große Schulden, aber die übrigen Mitglieder, die noch dort lebten, bewirtschafteten die Kommune weiter, so gut sie konnten. Gleichzeitig begannen sie komplizierte und lange Gerichtsverhandlungen, um dort bleiben zu dürfen (Krummnow hatte nie schriftlich klar gemacht, was mit dem Land nach seinem Tod passieren sollte). Am 20. Dezember 1886 wurde der Besitz der Kommune den übrigen Kommune-Mitgliedern übereignet. Leider gab es durch die langen Gerichtsverhandlungen mit Anwaltskosten angehäufte Schulden von £5000.  1889 wurde das Land dem Melbourner Anwalt Alfred Hodgson übertragen, damit er die Schulden begleichen könnte. Verhandlungen mit dem Käufer des Landes hatten zur Folge, dass die übrigen Herrnhut-Mitglieder noch so lange in den Steingebäuden wohnen durften, wie sie wollten. Viele der Gebäude wurden niedergebrochen und das Baumaterial wurde für Bauzwecke anderswo benutzt.

(Foto © D. Nutting) Grabstein

Grabstein von Johanna Röhr, Friedhof von Tabor
Johanna war eines der Kinder, die in der Kommune geboren wurden.
Sie lebte ihr ganzes Leben in Herrnhut, nach Krummnows Tod noch jahrzehntelang mit ihren Schwestern und ihrem Neffen. In den letzten beiden Jahrzehnten ihres Lebens lebten sie in sehr ärmlichen Verhältnissen.[8]

Ein Hausname

Ein Nachfahre von August Hildebrandt, dem Bäcker der Gemeinde und einem langjährigen treuen Anhänger von Krummnow, lebt im Südosten von Melbourne und hat sein Haus nach Herrnhut benannt. Das Foto zeigt den Namen des Hauses.

Namensschild

Ein Haus namens Herrnhut in Melbourne

Krummnow und Herrnhut - eine Schlussfolgerung

Die Forscher Betty Huf und Bill Metcalf fassen die Bedeutung der Gemeinde Herrnhut wie folgt zusammen (hier in Übersetzung):

Ein Schreiber schloss 1965 über Johann Friedrich Krumnow: »Als eine Mischung aus Idealist, Mystiker, Hochstapler und Despot war er von einem überwältigenden Ehrgeiz getrieben, die Loyalität und den Gehorsam seiner Anhänger zu befehlen«.[9] Doch derselbe Schriftsteller versäumte es, all das zu erwähnen, was von den Herrnhuter Kommunarden unter der Führung Krumnows erreicht wurde. Schließlich waren sie über eine Generation lang eine sehr wohlhabende Gemeinschaft. Sie haben ihr Gebiet im westlichen Victoria mitgestaltet. Sie waren die erste Kommune Australiens und tragen noch immer den Titel der am längsten bestehenden Kommunalgruppe Australiens. Sie boten Hunderten von Obdachlosen Unterkunft, Verpflegung und Gelegenheitsarbeit und boten einen sicheren Zufluchtsort für Hunderte von Aborigines, die von anderen Siedlern verfolgt und gelegentlich ermordet wurden.[10]

Betty Huf und Bill Metcalf

♦ Einzelnachweise:

1. Metcalf & Huf (2002), S.91

2. Lodewyckx (1932), S.144

3. Metcalf & Huf (2002), S.80

4. Lodewyckx (1932), S.144

5. Meyer (1978), S.209

6. Metcalf & Huf (2002), S.92

7. Lodewyckx (1932), S.144

8. Metcalf & Huf (2002), S.123, 126-127

9. The Age Zeitung, 27.11.1965, S.22

10. Metcalf & Huf (2002), S.138

♦ Informationen zusammengefasst aus:

Huf, Betty (2001, Januar). Persönliche Mitteilung (Heimatforscherin).

Metcalf, Bill, & Betty Huf (2002). Herrnhut. Australia's First Utopian Commune. Carlton Sth (Victoria): Melbourne University Press.

Lodewyckx, Prof. Dr A. (1932). Die Deutschen in Australien. Stuttgart: Ausland und Heimat Verlagsaktiengesellschaft. S.137-144

Meyer, C. (1978). Two Communes in 19th Century Victoria. In: Victorian Historical Journal, Vol. 49, (No.4).