Victoria

Tatura Internierungslager und Kriegsgefangenenlager

Teil 1 - warum Tatura?; die Struktur der Lager

Teil 2 - Tagesablauf, Unterhaltung und Freizeit für internierte Familien

Teil 3 - die deutsche Kriegsgräberstätte (Friedhof)


Die meisten Internierten und Kriegsgefangenen versuchten, das Beste aus ihrer Situation zu machen, indem sie ihre Traditionen pflegten, einen Tagesablauf beibehielten und sich mit der Herstellung von Gebrauchsgegenständen, dem Lernen, dem Schaffen von Kunst, der gegenseitigen Unterhaltung und dem Festhalten ihrer Erfahrungen in Kunst und Schrift beschäftigten – und das alles mit den begrenzten Mitteln, die ihnen in den Lagern zur Verfügung standen. Im Lager Nr. 3 in Tatura gründeten die Internierten eine Blaskapelle, ein Kammerorchester, Chöre und eine Theatergruppe.[1] Im Tatura Irrigation & Wartime Camps Museum sind viele Beispiele für den Einfallsreichtum und die Kreativität der Internierten zu sehen.

Foto: Spielzeuge

Spielzeuge, die von Internierten für die Kinder im Lager hergestellt wurden. Das Feuerwehrauto wurde im Lager Nr. 3 von Friedrich Schöttler, einem lutherischen Missionar in Neuguinea, hergestellt. Er floh vor den Japanern nach Australien, wo er in Tatura interniert wurde. Don Kühne erhielt dieses Feuerwehrauto um 1944 zu Weihnachten. (Ausgestellt im Tatura Irrigation & Wartime Camps Museum)

Foto: Marionetten

Puppentheater, Lager Nr. 3: Die Puppen auf dem Foto wurden im Lager Nr. 3 Tatura von Alfons König für Ekkehard Beinssen hergestellt. Die Gesichter der Puppen wurden aus Obstkisten hergestellt und so geschnitzt, dass sie einigen der Internierten ähnelten. Die Kostüme wurden von Ekkehards Frau Irmhild und ihrer Schwester Gisela von Koch angefertigt. Irmhild schrieb auch die Geschichten für das Puppentheater – die vier Stücke wurden 1944 in der Freizeithalle des Lagers aufgeführt. (Ausgestellt im Tatura Irrigation & Wartime Camps Museum)

Dr. Gerhard Neumann kam um 1937 aus Deutschland nach Australien, um eine Stelle als Dozent für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Sydney anzutreten, wurde jedoch im September 1939 als potenzielles Sicherheitsrisiko verhaftet. Im Februar 1940 heiratete er Peggy McIntyre, eine gut vernetzte Kunstgalerie-Kuratorin, im Internierungslager Liverpool. Peggy versuchte, die Freilassung ihres Mannes zu erwirken; bei ihren Besuchen im Lager Nr. 1 in Tatura durfte sie ihn jeweils nur eine halbe Stunde lang sehen. Dr. Neumann wurde von seinen internierten Studenten im Lager Nr. 1 sehr geschätzt, da er sie auf ihre Abiturprüfungen vorbereitete. Die Ergebnisse wurden über das Rote Kreuz nach Deutschland geschickt. Im Lager Nr. 1 schrieb er ein Lustspiel in acht Szenen mit dem Titel Die Klosterbrüder - oder die gestörte Liebesstunde. Auf dem Cover des Programmhefts zur Aufführung steht, dass es im März 1940 im Internierungslager in Tatura geschrieben wurde.

Foto: Programmhefts zu einer Theater-Aufführung

Programm für das von Dr. Neumann geschriebene Theaterstück. (Ausgestellt im Tatura Irrigation & Wartime Camps Museum)

Foto: Stickerei

Das 14-jährige Mädchen Anna Maria Treftz bestickte dieses Tabletttuch. Es zeigt Szenen aus dem Leben der Templer-Familien, die von den Briten aus ihren Gemeinden in Palästina vertrieben und in Tatura interniert wurden. Das Kalikotuch hatten sie aus Palästina mitgebracht. (Ausgestellt im Tatura Irrigation & Wartime Camps Museum)

Bildung war für alle Altersgruppen verfügbar und wurde von Lehrern unter den Internierten angeboten.

Foto: Schulaufgabe auf Papier

Schulaufgabe von Gretl Frank, die damals 6-7 Jahre alt war. Sie zeichnete sie auf Standard-Toilettenpapier im Lager Nr. 3. (Ausgestellt im Tatura Irrigation & Wartime Camps Museum)

Foto: eine Klasse im Internierungslager

Tatura, Victoria. 19.06.1943. Abiturienten und Hochschulzugangsberechtigte besuchen einen Vorbereitungskurs im Lager Nr. 1, Internierungsgruppe Tatura. Von links nach rechts: Q137 R. Neumann; Q153 F. K. Mayer; E3516 H. Jansen; N1431 H. H. Hennig; E35134 J. Friedrich; N1125 W. Eckels; N1011 J. Vd. Schulenberg.

Fotoquelle: Australian War Memorial (gemeinfrei).

Eine der Möglichkeiten, mit denen die im Herrenhaus Dhurringile inhaftierten deutschen Offiziere versuchten, der Langeweile zu entkommen, war die Planung von Fluchtversuchen. Sie betrachteten es als ihre Pflicht, zu versuchen, aus der Gefangenschaft zu entkommen. Es gab mehrere Fluchtversuche, und im Januar 1945 flohen 17 deutsche Offiziere aus Dhurringile durch einen Tunnel, den sie gegraben hatten, wurden jedoch bald darauf in der näheren Umgebung und in den Dörfern wieder gefasst.

Der Tunnel begann unter dem Boden des Herrenhauses (der Eingang war unter einem Schrank versteckt) und war mehr als 100 Meter lang. Die Geschichte besagt, dass Kapitän Theodor Detmers vom Schiff Kormoran und ein Luftwaffenpilot, Major Hellmut Bertram, etwa eine Woche nach ihrer Flucht die Gemeinde Tallygaroopna erreichten, die mehr als 40 km von Dhurringile entfernt liegt, und versuchten, in einem Laden Brot und Käse zu kaufen. Als sie den Laden verließen, rief der Ladenbesitzer die Polizei an, um ihnen mitzuteilen, dass »hier ein Mann war, der nach Lebensmitteln gesucht hat. Er sprach zu gut Englisch, um Australier zu sein.« Detmers, Bertam und die anderen Flüchtlinge wurden alle gefasst und nach Dhurringile zurückgebracht.[2]

♦ Einzelnachweise:

1. Monteath (2018), S.163

2. Monteath (2018), S.205

♦ Literatur:

Association of German Teachers of Victoria, Inc. (1999). Tatura Heritage Trail.

Bossence, William Henry. (1969). Tatura and the Shire of Rodney / by William Henry Bossence. Melbourne : Hawthorn Press. S.265-284

Ausstellungsplakate im Tatura Irrigation & Wartime Camps Museum.

Monteath, Peter. (2018). Captured lives : Australia's wartime internment camps / Peter Monteath. Canberra, ACT : NLA Publishing