Skiorte in Australien

Der Einfluss der deutschsprachigen Einwanderer

Einwanderer aus dem deutschsprachigen Raum, insbesondere aus Österreich, spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung und Popularisierung des Skifahrens als Freizeitbeschäftigung und der Skigebiete in Australien. Eine beträchtliche Anzahl von ihnen hatte das Skifahren als Freizeitbeschäftigung in ihrer früheren Heimat ausgeübt und brachte Ideen, Trends und Wissen über das Skifahren als Freizeitsport mit.

(Foto Copyright D Nutting): Restaurant

Das ›Alphütte‹ Restaurant im Skiort Dinner Plain, Victoria.

Die drei Bundesstaaten in Australien, die am meisten mit dem Skisport verbunden sind, sind New South Wales, Victoria und Tasmanien sowie das Australian Capital Territory. Der Skisport wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von eingewanderten Bergleuten in Neusüdwales und Victoria eingeführt, und der österreichische Einwanderer Gustav Weindorfer führte den Skisport in den 1920er Jahren in Tasmanien ein.[1]

Gustav Weindorfer und das Freizeitskifahren

Weindorfer ist bekannt dafür, dass er den Tourismus in der Region Cradle Mountain im Nordwesten Tasmaniens gefördert hat. Das Gebiet ist Teil des UNESCO-Weltnaturerbes ›Tasmanian Wilderness‹. Im Jahr 1912 bauten Weindorfer und seine Frau Kate ein Chalet im Cradle Valley, um Besucher in das Cradle Mountain-Gebiet zu locken, und nannten das Chalet Waldheim (›Haus im Wald‹).

Im Juli 1914, während eines schneereichen Winters, fertigte Weindorfer sein eigenes Paar Skier an, die als die ersten handgefertigten Skier in Tasmanien gelten, wo Skifahren zu dieser Zeit praktisch unbekannt war. Am 17. Juli fuhr er zum ersten Mal die Hänge des Tals gegenüber seiner Hütte Waldheim hinunter und war mit der Leistung seiner Skier sehr zufrieden.[2]In den 1920er Jahren führte Weindorfer mehrere seiner Freunde in den noch recht neuen Skisport ein - keiner von ihnen hatte jemals zuvor ein Paar Skier gesehen. Von 1929 bis einige Jahre nach Weindorfers Tod besuchte diese Gruppe von Freunden jedes Jahr Waldheim, um dort zwei Wochen lang Ski zu fahren.[3]

zwei Männer auf Skiern

Gustav Weindorfer (rechts) und F. Smithies auf Skiern am Cradle Mountain - September 1925

Fotoquelle: Artikelnummer NS573/4/10/1/6, Serie ›Photographs of Gustav Weindorfer and Waldheim Chalet, Cradle Mountain‹ (NS573/4/10). F. Smithies Collection, Tasmanian Archives, hier mit Genehmigung verwendet.
<https://libraries.tas.gov.au/Record/Archives/NS573-4-10-1-6>

Du kannst mehr über das abenteuerliche Leben von Gustav Weindorfer lesen...

›Mamma‹ Otter-Strolz

Im Mount Baw Baw Alpine Resort erinnert eine Gedenktafel an eine Österreicherin, die zur Entwicklung des Freizeitskisports in Victoria beigetragen hat. Der Text auf der Gedenktafel lautet (hier in Übersetzung): »In Erinnerung an ›Mamma‹ Otter-Strolz, geboren am 1.4.1902 in Innsbruck (Österreich), gestorben am 6.1.1988 in Mount Baw Baw. Eine Pionierin der Skigebiete von Victoria. Alpine Resort Commission.«

(Foto Copyright D Nutting): Gedenktafel

Gedenktafel im Mount Baw Baw Alpine Resort.

Karl Anton Schwarz

Karl Anton Schwarz (in Australien als Charles William Anton bekannt) war ein Österreicher aus Wien, der die Entwicklung der australischen Wintersportgebiete nach dem Zweiten Weltkrieg nachhaltig beeinflusst hat. Er wuchs im Wiener Vorort Grinzing auf und schloss 1935 seine Schulausbildung ab. Danach bekam er einen Job bei der österreichischen Niederlassung der britischen Sun Insurance Company und erlernte ein gutes Englisch. In seiner Freizeit verbrachte er viel Zeit damit, auf Skiern durch die Alpen zu fahren. Er war Mitglied des Österreichischen Alpenvereins und nutzte dessen Hütten und andere Einrichtungen und lernte die Strukturen der Organisation und den Wert von Schutzhütten in alpinen Gebieten kennen.

Karls Familie betrachtete sich als katholisch, aber als die Nationalsozialisten 1938 die Macht in Österreich übernahmen, betrachteten sie die Familie aufgrund ihrer Herkunft als jüdisch. Karl und seine Eltern hatten das Glück, Österreich verlassen zu können, als er einen Job bei einer australischen Versicherungsgesellschaft bekam, und sie kamen im Dezember 1938 in Sydney an. Nur zwei Monate nach seiner Ankunft in Australien änderte er offiziell seinen Namen in Charles William Anton.

In den 1940er Jahren gab es in Australien bereits einige Skiclubs, aber die Infrastruktur in den Bergen war unterentwickelt. Karl Anton Schwarz entwickelte Pläne zur Gründung einer alpinen Organisation nach dem Vorbild des österreichischen Alpenvereins. Er war gut darin, Menschen zu organisieren und Geschäftsnetzwerke zu schaffen, und hatte ein Gespür für Werbung, was ihm bei der Gründung der Ski Tourers Association Anfang der 1950er Jahre zugute kam. Als die Kunama-Hütte in den frühen 1950er Jahren gebaut wurde, achtete Anton darauf, dass österreichische Einflüsse innen und außen sichtbar waren; er wollte, dass sie wie die Hütten aussah, die er aus Österreich kannte.

[In den 1950er Jahren] war Österreich bei den australischen Skifahrern sehr in Mode, da ein Großteil des australischen Skiwissens aus Österreich stammte.  (...) Die ersten österreichischen Skilehrer kamen bereits in den 1930er Jahren nach Australien.

Philipp Strobl (hier in Übersetzung)

Anton und seine Frau richteten ihre Wohnung im Sydneyer Vorort Randwick mit vielen österreichischen Dekorationsgegenständen ein, darunter selbst gefertigte Möbel im Tiroler Stil. Dies war in Sydney ungewöhnlich und die Zeitschrift Australian Women's Weekly berichtete darüber. Im ersten Absatz des Artikels heißt es (hier in Übersetzung):[4] »Als begeisterte Skifahrer haben Herr und Frau Charles Anton die Fröhlichkeit und den Komfort von Bauernhäusern, die sie in den österreichischen Alpen bewundert haben, in ihrer Wohnung in Randwick, Sydney, reproduziert. Sie entwarfen und fertigten Möbel an und bemalten die Wände im bäuerlichen Stil - mit sehr charmanten Ergebnissen.«

Anton spielte eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung des Skigebiets Thredbo, und für die dortige Kareela-Hütte engagierte er den österreichischen Architekten Otto Ernegg.

Ende 1962 beschloss Anton, dass der Name ›Ski Tourers Association‹ nicht mehr die breite Popularität widerspiegelte, die das Skifahren in Australien erlangte, und änderte den ›STA‹ in ›Australian Alpine Club‹.

(Foto Copyright D Nutting): Skihütte

Anton Huette, eine 1972 vom AAC am Mt Hotham eröffnete Lodge, wurde nach Charles Anton benannt. Anton Huette liegt auf 1.753 m Höhe.

Deutsche Namen und Ausdrücke in Skigebieten

Der Einfluss und die Modernität der Skikultur aus Deutschland, der Schweiz und vor allem Österreich sind in den deutschen Namen vieler Unternehmen, Hütten, Hotels und Restaurants in australischen Skigebieten offensichtlich. Zum Beispiel:

▶ Patscherkofel Lodge (benannt nach einem Berg in der Nähe von Innsbruck in Österreich), offiziell eröffnet im Mai 1966 von Charles Anton, am Mt Buller in Victoria.

▶ Die Tirol Lodge ist ein belebtes Café und Restaurant im Skigebiet Mt Buller in Victoria. Tirol ist ein westliches Bundesland Österreichs, das für seine Berge und Skigebiete bekannt ist. Der Name der Lodge wird auf die deutsche Art mit ›i‹ geschrieben.

▶ Koflers Restaurant trägt den Namen von Helmut Kofler, dem Österreicher, der das Hotel in Mt Buller in den 1930er Jahren betrieb. Das Restaurant ist Teil desselben Gebäudes (Helmut Kofler Hütte), das die Regierung von Victoria 1959 ›als Symbol des Vertrauens in die Entwicklung des Tourismus und des Schneesports am Mt Buller‹ errichtete.

(Foto Copyright Mt Buller): Gedenktafel

Gedenktafel an der Kofler-Hütte in Mt Buller.

Bildnachweis: Mt Buller. Abgebildet mit freundlicher Genehmigung von Mt Buller und gemäß den Nutzungsbedingungen der Mt Buller Digital Media Gallery.

▶ Burger Haus (am Mt. Buller) verwendet eine deutsche Schreibweise in seinem Namen.

▶ Enzian Hotel (am Mt Buller) - Enzian ist der deutsche Name einer blauen Alpenblume (im Englischen wird die Blume als ›gentian‹ bezeichnet) und auch eines alkoholischen Getränks, das aus der Wurzel der Enzianpflanze destilliert wird. Enzian ist auch der Name eines Berges im Bayerischen Wald im Südosten Deutschlands. Die Enzian Lodge in Jindabyne in New South Wales wurde nach dem Vorbild eines österreichischen Chalets gebaut.

▶ Arlberg Hotel (am Mt. Buller) - Der Arlberg ist ein Gebirgsmassiv zwischen den Bundesländern Vorarlberg und Tirol im Westen Österreichs. In dieser Gebirgsregion gibt es mehrere bekannte Skigebiete.

▶ Watzmann Haus / Alpine Hotel (am Mt Baw Baw Alpine Resort in Victoria) - das Gebäude gibt es nicht mehr, aber der Name Watzmann stammt vom dritthöchsten Berg in Deutschland, in den Berchtesgadener Alpen.

▶ Schnapps apartments ist eine Unterkunft in Mount Hotham in Victoria. Schnaps (im Deutschen mit nur einem ›p‹ geschrieben) ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene destillierte alkoholische Getränke, die manchmal auf der Basis von Früchten hergestellt werden.

Ein Artikel in der Sunday Age aus dem Jahr 2018 mit dem Titel »Check into the snow trip clinic« gab den Lesern Ratschläge, wie man einen Skiurlaub auf den Schneefeldern Australiens genießen kann. Die Autoren wiesen auf den Einfluss der deutschsprachigen Einwanderer auf die Atmosphäre der Skigebiete in Australien hin (hier in Übersetzung): »Wenn Sie ein europäisches Après-Ski-Gefühl suchen, sollten Sie unbedingt zwei Skigebiete besuchen: Thredbo und Mount Buller. Beide wurden in ihren ersten beiden Jahrzehnten, den 1950er und 60er Jahren, stark von österreichischen und anderen europäischen Einwanderern beeinflusst, und das spürt man überall - von den Straßen- und Pistennamen bis hin zu den Bars und Restaurants im Tiroler Stil, in denen der Schnaps die Oberhand hat.«[5]

(Foto copyright D Nutting): Apartment (Außenansicht)

Die ›Schnapps‹-Apartments im Skiort Mount Hotham, Victoria.

Einige deutsche Ausdrücke aus dem Skisport sind in den australischen Skigebieten zu hören. Der Artikel in der Sunday Age aus dem Jahr 2018 enthielt einen Abschnitt darüber, wie man Ausdrücke versteht, die man in diesen Skigebieten hören kann, darunter auch deutsche Ausdrücke, wie folgt:

Understanding the lingo

sitzmark: old-school term – the mark you make when you fall. Before slope grooming, etiquette demanded you smooth over your sitzmarks.

gelandesprung: a jump to clear an obstacle, usually with the help of ski poles planted well ahead for propulsion.[5]

♦ Einzelnachweise:

1. Strobl (2016)

2. Giordano, Margaret. (1987). A Man and a Mountain. The Story of Gustav Weindorfer. Launceston (Tasmania): Regal Publications. S.44

3. Giordano, Margaret. (1987). A Man and a Mountain. The Story of Gustav Weindorfer. Launceston (Tasmania): Regal Publications. S.88

4. YOUNG COUPLE FURNISH FLAT AS CHALET (1950, 23. September). The Australian Women's Weekly (1933 - 1982), S. 44. Abgerufen am 30. Juni, 2023, von <http://nla.gov.au/nla.news-article43597184>

5. Darby, Jim & Craig Tansley (2018). “Check into the snow trip clinic”. Traveller on Sunday, The Sunday Age, 20.05.2018. S.16

♦ Literatur:

Strobl, Philipp. (2016). Migration, Knowledge Transfer, and the Emergence of Australian Post-War Skiing: The Story of Charles William Anton. The International journal of the history of sport, 33(16), S.2006–2025. <https://doi.org/10.1080/09523367.2017.1313234>.