Tasmanien

Gustav Weindorfer & Cradle Mountain

Die unberührte Natur und die internationale Berühmtheit und Beliebtheit des Cradle Mountain-Gebietes in Tasmanien sind zu einem großen Teil auf die Bemühungen eines österreichischen Einwanderers zurückzuführen.

Gustav Weindorfer (1874-1932), Naturforscher und Naturschützer, wurde in Spittal an der Drau im Herzogtum Kärnten geboren (Kärnten ist heute ein Bundesland von Österreich). Nach seiner Schulzeit absolvierte er ein landwirtschaftliches Studium in Mödling bei Wien. Er wanderte nach Australien aus und kam im Jahr 1900 in Melbourne an. In Melbourne arbeitete er in einem Büro, war aber auch in Amateurkreisen der Botanik sehr aktiv. Er wurde Mitglied des Victorian Field Naturalists' Club und organisierte für seine Mitglieder Exkursionen in den Alpen im Nordosten von Victoria, er schrieb Artikel in Publikationen über Pflanzen und hielt öffentliche Vorträge.[1]

Weindorfer heiratete 1906 Kate Cowle, die ebenfalls Mitglied des Victorian Field Naturalists' Club war, aber ursprünglich aus Tasmanien stammte. Sie zogen nach Tasmanien und bewirtschafteten eine Farm im Norden des Staates. Weindorfer war sehr beeindruckt von der Berglandschaft Tasmaniens, den sanft geschwungenen grünen Feldern, den Flüssen und Wasserfällen - wahrscheinlich erinnerte sie ihn an die alpinen Gegenden seines Heimatlandes Kärnten in Österreich.[2]Gustav und Kate waren von der natürlichen Schönheit der Gegend um den Cradle Mountain, den sie gemeinsam bestiegen, sehr begeistert und waren entschlossen, ihn zu einem Nationalpark zu machen. Sie machten sich bei der Regierung und den Behörden dafür stark, dass eine Straße zum Cradle Mountain gebaut werden sollte, und bemühten sich, das Gebiet bei Wanderern, Bergsteigern und Naturliebhabern bekannt zu machen.

Im Jahr 1912 begann Gustav mit dem Bau eines Resorts namens Waldheim, in dem er Besucher in der Gegend empfangen konnte. Die tasmanische Regierung reagierte nur langsam auf Gustavs Lobbying für eine Straße in das Gebiet, und er musste Material und Ausrüstung auf seinem Rücken nach Waldheim tragen.

Gustav und Kate Weindorfer hatten unter anderem folgende Ziele: die Schönheit der Gegend immer mehr Naturfreunden bekannt zu machen, und die Reise dorthin für Besucher einfacher zu machen, und die tasmanische Regierung zu überreden, die Gegend zu einem Nationalpark zu erklären. Er führte mit Begeisterung viele Besuchergruppen durch die Gegend und bestieg oft den Cradle Mountain mit abenteuerlustigen Naturfans.

Foto c/o Tasmanian Archive and Heritage Office: Mann und Hund

Gustav Weindorfer und sein Hund namens Flock.

Fotoquelle: 'F. Smithies Collection', Tasmanian Archive and Heritage Office, item number: NS573/4/10/1/1. Hier mit Genehmigung verwendet.

Im Juli 1914, während eines schneereichen Winters, fertigte Weindorfer sein eigenes Paar Skier an, die als die ersten handgefertigten Skier in Tasmanien gelten, wo Skifahren zu dieser Zeit praktisch unbekannt war. Am 17. Juli fuhr er zum ersten Mal die Hänge des Tals gegenüber seiner Hütte Waldheim hinunter und war mit der Leistung seiner Skier sehr zufrieden.[3]In den 1920er Jahren führte Weindorfer mehrere seiner Freunde in den noch recht neuen Skisport ein - keiner von ihnen hatte jemals zuvor ein Paar Skier gesehen. Von 1929 bis einige Jahre nach Weindorfers Tod besuchte diese Gruppe von Freunden jedes Jahr Waldheim, um dort zwei Wochen lang Ski zu fahren.[4]

Foto c/o National Library of Australia: zwei Männer auf Skiern

Gustav Weindorfer (rechts) und F. Smithies auf Skiern am Cradle Mountain - September 1925.

Fotoquelle: Artikelnummer NS573/4/10/1/6 Serie 'Photographs of Gustav Weindorfer and Waldheim Chalet, Cradle Mountain' (NS573/4/10). F. Smithies Collection, Tasmanian Archives, hier mit Genehmigung verwendet.

1916 war ein tragisches Jahr für Weindorfer. In Österreich starben seine Eltern und sein Bruder Lothar, im Norden Tasmaniens seine Frau Kate. Weindorfer erlebte zunehmend Vorurteile in der antideutschen und antiösterreichischen Atmosphäre dieser Zeit.[5] Die Journalistin Kate Legge beschrieb 2019 in einer Zeitschrift, wie Weindorfer diese Zeit erlebte:[6]

Als dann Söhne, Brüder und Väter aus Tasmanien an der Front starben, verstärkte sich die Feindseligkeit gegenüber allen Menschen mit deutschem Akzent oder österreichischer Herkunft. Einer von Gustavs Hunden wurde mit Strychnin vergiftet. Gustav wurde aus einem gesellschaftlichen Club in Launceston ausgeschlossen und unter Beobachtung gestellt. Isoliert von den harten Wintern und den Anfeindungen der Kriegszeit schrieb er fleißig, veröffentlichte Artikel in seriösen Zeitschriften und in der Boulevardpresse, beschrieb und sammelte einheimische Pflanzen und Tiere, testete Setzlinge in verschiedenen Lebensräumen (...)

Kate Legge

Foto c/o D Nutting: ein See

Der See Dove Lake mit dem Berg Cradle Mountain im Hintergrund.

Die zackigen Gipfel des Cradle Mountain über den stillen Wassern des Dove Lake sind vielleicht das bekannteste Bild der Insel Tasmanien.

Das kleine Bootshaus am Ufer vom See Dove Lake, das auf vielen Fotos vom See mit Cradle Mountain im Hintergrund zu sehen ist, wurde 1940 vom ersten offiziellen Park-Ranger errichtet, um ein paar kleine Boote zu unterbringen, die die Park-Behörde dort hatte. Weindorfer selbst besass ein paar Stechkähne am See.[7]

Waldheim wurde zu einem beliebten Erholungsort und die Besucher erlebten Weindorfer als fröhlichen, charmanten und witzigen Gastgeber. In den 1920er Jahren war »ein Aufenthalt in Waldheim und eine Begegnung mit dem fast legendären Weindorfer für viele ein ›Muss‹.«[8] Charles Witham meinte 1924 in einem Buch über die landschaftlichen Reize von Tasmanien, dass ›Waldheim‹ die einzige Touristenunterkunft war, die er jemals gesehen hatte, die genau zu ihrer Umgebung passte.[9]

Foto c/o D Nutting: Gebäude zwischen Bäumen

Waldheim

Foto c/o National Library of Australia: Mann und Hund

Gustav Weindorfer und sein Hund namens Flock am See Lake Lilla.

Fotoquelle: Spurling, Stephen, III, 1876-1962. (1922). Cradle Mountain - Lake Lilla, Gustav Weindorfer and his dog, 1922 [picture] / Spurling. <http://nla.gov.au/nla.obj-145495378>

Ein fröhlicher Gastgeber

In einer Rede im Jahr 1982 sprach Bill Perkins über seine Erinnerungen an die Begegnung mit Gustav Weindorfer, als er (Perkins) im Alter von 19 Jahren zusammen mit einem Freund im Februar 1930 Waldheim besuchte:

»(Weindorfer was) a tall, bearded, handsome, charismatic, genial, jovial man. Realising that we were both very hungry, he quickly prepared for us a Dorfer special - three large brimming plates of his famous ›badger‹ (wombat) stew lavishly laced with garlic - a mixture that today would kill me in five minutes but then was perfect for my youthful ravenous appetite.

All this while our busy, distinguished host regaled us with scurrilous jokes and humorous anecdotes, but above all a vituperative tirade against the government of the day for the failure to provide a suitable access road into his beloved Waldheim. The whole of this, like his stew, liberally spiced with his most attractive accent, with a generous sprinkling of the great Australian adjective, the local and irrational grammar of which he had mastered to perfection.«[10]

Weindorfer fungierte als inoffizieller Ranger und führte Wetteraufzeichnungen für das Cradle Mountain-Gebiet.[11]Er starb 1932 an einer Herzerkrankung und wurde im Cradle Valley begraben.

Foto c/o D Nutting: Gedenktafel

Gedenktafel an einem Steinhaufen in Waldheim

Foto c/o D Nutting: Steinhaufen

Steinhaufen zu Ehren von Weindorfer in Waldheim

Der Lonely-Planet-Verlag erstellte 2015 eine Liste »der 500 besten Orte auf diesem Planeten« und der bekannte Reisebuch-Verlag setzte Cradle Mountain auf Platz #32 in dieser »Ultimate Travelist«. Die Auswahl treffen Autoren, Mitarbeiter und die Lonely-Planet-Community.

Der Cradle-Mountain-Lake-St.-Clair-Nationalpark ist Teil des UNESCO-Welterbes Tasmanische Wildnis.

♦ Einzelnachweise:

1. Tilley (1990) / Giordano (1987), S.9

2. Giordano (1987), S.20

3. Giordano (1987), S.44

4. Giordano (1987), S.88

5. Giordano (1987), S.51-53

6. Legge (2019)

7. Nash, Mike. (Historic Heritage, Parks and Wildlife Service of Tasmania). Persönliche Mitteilung per Email am 14.09.2015.

8. Giordano (1987), S.98 (hier in Übersetzung)

9. Whitham, Charles & Mount Lyell Tourist Association. (1924). Western Tasmania : a land of riches and beauty. Queenstown, Tasmania : Mount Lyell Tourist Association. Kapitel 2.

10. Ausgestellt auf einer Informationstafel in Waldheim, in der Nähe des Dove Lake (2005).

11. Giordano (1987), S.57

♦ Literatur:

Giordano, Margaret. (1987). A Man and a Mountain. The Story of Gustav Weindorfer. Launceston (Tasmania): Regal Publications

Legge, Kate. (2019, 1. März). Kindred spirits. Their love story unfolded in the Tasmanian wilderness a century ago. What would this pioneering pair make of Cradle Mountain now? The Weekend Australian - Magazine. Sydney: News Corp Australia.

Tilley, Raymond F. 'Weindorfer, Gustav (1874–1932)', Australian Dictionary of Biography, National Centre of Biography, Australian National University, <http://adb.anu.edu.au/biography/weindorfer-gustav-9038/text15919>, 1990 erstmals in gedruckter Form veröffentlicht [Volume 12], abgerufen am 10. September 2015.