Victoria

Baron Ferdinand von Mueller

🔸 Eine Einführung: Teil 1 | Teil 2

In der zweiten Hälfte der 1850er Jahren machte Mueller Forschungsreisen im Hochland von Victoria und auch im Osten von Gippsland - die biologische Vielfalt von East Gippsland zog ihn an.[1] Er besuchte auch die Mündung des Snowy Rivers. In der Mitte des 19. Jahrhunderts war es sehr schwierig, durch die zerklüfteten Wälder von East Gippsland zu reisen, und Mueller besuchte die Wälder östlich des Snowy River mit dem Boot.[2] Die Namen Mueller Link Track (eine ungeteerte entlegene Straße im Croajingolong Nationalpark) und Mueller Inlet (eine kleine Bucht) im Osten von Gippsland ehren den Botaniker. Der Fluss Mueller River erreicht die Bass Strait am Mueller Inlet. Siehe eine Liste von Plätzen, die nach Mueller benannt sind.

(Foto © D. Nutting) Wegschild im Nationalpark

Mueller Link Track (Wegschild im Croajingolong Nationalpark)

(Foto © G Turner) Schild im Nationalpark

Schild am Campingplatz von Mueller Inlet

(Foto von G Turner zur Verfügung gestellt)

(Foto © G Turner) Wasserlandschaft

Wasserlandschaft - Mueller Inlet, Victoria

(Foto von G Turner zur Verfügung gestellt)

Im Dezember 1860 stieg von Mueller als erster Nicht-Aborigine auf den Mount Baw Baw.[3] Das Foto zeigt Mueller's Bush Pea - pultenaea muelleri - eine Pflanze, die der englische Botaniker George Bentham nach Mueller benannte, und die auf Mt Baw Baw und in anderen alpinen und subalpinen Wäldern hauptsächlich im Osten Victorias wächst.[4]

(Foto © D. Nutting) Pflanze

›Mueller's Bush Pea‹ auf Mount Baw Baw, Victoria

Mueller war Mitglied des Komitees, das die ›Burke & Wills Victorian Exploring Expedition‹ organisierte, obwohl er Burke als Expeditionsleiter ablehnte.[5] Trotz seiner langen Arbeitsstunden nahm er oft an den Aktivitäten des Melbourner Deutschen Vereins teil.

In den späten 1860er Jahren gab es in gewissen Kreisen in Melbourne immer mehr Unzufriedenheit mit der Art und Weise, wie der Botanische Garten verwaltet wurde. Für Mueller hatte der Garten eine wichtige wissenschaftliche und erzieherische Funktion, aber einflussreiche Menschen in Melbourne (deren Meinung im viktorianischen Parlament Gehör fand) wollten, dass der Garten ein malerischer Ort für die Freizeitgestaltung war. Dieser öffentliche Druck wuchs, bis die Regierung Mueller als Direktor des Botanischen Gartens durch W. R. Guilfoyle ersetzte, der die Gärten in einem ästhetischen Stil mit Rasenflächen, Seen und Zierelementen gestaltete, die den Menschen in Melbourne, die sich dort entspannen wollten, attraktive Ausblicke boten. Mueller behielt seine Position als Botaniker der Regierung und das gleiche Gehalt, fühlte sich aber immer sehr ungerecht behandelt.[6]

(Foto © D. Nutting) Blick auf den Botanischen Garten

Teilansicht des heutigen Botanischen Gartens von Melbourne

Im Vorort Subiaco in Perth, Westaustralien, gab es einen öffentlichen Park namens Mueller Park, benannt nach dem Botaniker. Im Dezember 1916, während der antideutschen Stimmung des Ersten Weltkriegs, wurde der Park in Kitchener Park umbenannt (Lord Kitchener war zu Beginn des Krieges britischer Kriegsminister). 1981 gab die Stadt Subiaco dem östlichen Teil des Kitchener Parks wieder den Namen Mueller Park und stellte eine Gedenktafel zu Ehren von Ferdinand von Mueller auf, der die Kolonialregierung von Westaustralien beraten hatte.[7] Auf der Gedenktafel steht (hier in Übersetzung): »Er war zu seiner Zeit wahrscheinlich der berühmteste Wissenschaftler der südlichen Hemisphäre«.

(Foto © M Lakey) Denkmal im Mueller Park, Subiaco

Das Denkmal für Ferdinand von Mueller im Mueller Park, Subiaco, W.A.

(Foto © M Lakey) Gedenktafel in Mueller Park, Subiaco

Die Gedenktafel für Ferdinand von Mueller im Mueller Park, Subiaco, W.A. (Großansicht)

(Foto © D. Nutting) Schild

Schild am National Herbarium, Melbourne

Als Regierungsbotaniker war Dr. Muellers Rat in den Gemeinden in Victoria, aber auch in anderen Teilen Australiens und in Übersee geschätzt und gefragt. In Warrnambool im Südwesten Victorias gab es in den 1880er Jahren massive Erosionsprobleme entlang der Sanddünen - der Wind blies den Sand in die Straßen der Stadt, so dass es schwierig war, sich auf der Straße zu bewegen. Ferdinand von Mueller schlug vor, die Sanddünen mit westeuropäischem Strandhafer zu bepflanzen, was die Sanddünen schließlich stabilisierte. Die Gemeindeverwaltung von Port Fairy, westlich von Warrnambool, erhielt 1883 von Dr. Mueller Samen von Strandhafer, um die Erosion der Sanddünen dort erfolgreich zu bekämpfen.[8]

Nicht alles war erfolgreich, was Mueller machte; er befürwortete kräftig die Einführung der europäischen Brombeere in Australien, die jetzt als gefährliches Unkraut angesehen wird, obwohl man sie durch eine Pilzkrankheit und Unkrautvernichtungsprays unter Kontrolle bringt.

Flugblatt für das Musiktheaterstück

Flugblatt (Teilansicht): Werbung für das Musiktheaterstück Love, Death, Music and Plants

Anlässlich des 150. Jahrestages der Gründung des National Herbarium of Victoria von Ferdinand Mueller wurde 2003 in der Mueller Hall des Herbariums ein Musiktheaterstück zu Ehren von Muellers Leben und Werk aufgeführt. Dieses Werk mit dem Titel Love, Death, Music and Plants wurde während einer zweiwöchigen Spielzeit bis zum 30. November aufgeführt und hatte den Baritonsänger Grant Smith in der Hauptrolle des Barons von Mueller. Jeannie Marsh, die Produzentin, beschrieb das 80-minütige Stück (hier in Übersetzung) als »irgendwo in einer neuen Zone zwischen Oper und Musiktheater«. Die Arbeit an diesem Musiktheaterstück begann bereits einige Jahre zuvor, als Jeannie Marsh auf der Suche nach einer australischen historischen Figur war, die sich für Musiktheater eignen würde.[9]

Dieses Musiktheater zeigte auch das Aufblühen von Muellers romantischen Beziehungen, von denen keine zur Ehe führte. Es scheint, dass Muellers große Hingabe an seine Arbeit ein komplizierender Faktor war.

(Foto © D. Nutting) Baritonsänger im Kostüm

Der Baritonsänger Grant Smith als Ferdinand von Mueller, nach einer Aufführung von Love, Death, Music and Plants.

(Foto © D. Nutting) Grabstätte, Inschrift

Muellers Grabstätte mit Inschrift (St Kilda Friedhof)

Muellers Grabstätte auf dem St. Kilda Friedhof ist ein beeindruckendes Denkmal. Die ersten drei Zeilen der Inschrift zeugen von Muellers Ruf unter Wissenschaftlern in Australien und im Ausland [»Gewidmet von Mitarbeitern auf dem Gebiet der Wissenschaft und Bewunderern in der ganzen Welt«].

Am Ende der Inschrift steht in deutscher Sprache ein Zitat des berühmten deutschen Dramatikers, Dichters und Philosophen Friedrich Schiller.

Die Inschrift lautet:

Dedicated
by co-workers in the field of Science
and admirers throughout the world
To the Memory of
Baron Sir Ferdinand von Mueller
K.C.M.G., M.D., F.R.S., etc
Born in Rostock, Germany, June 30, 1825
Government Botanist of Victoria
From 1852 until his death Oct. 10, 1896
Director Melb. Bot. Gardens 1857-73.

Whose erudite works on the flora of Australia
have secured him immortal fame amongst the
renowned systemic phytologists of the 19th century

»Zage nicht: es giebt noch edle Herzen,
die für das hohe, herrliche erglühn.« – Schiller
("Despair not: there are still noble hearts
that glow for the august and sublime.")

(Foto © D. Nutting) Grabstätte

Muellers Grabstätte - eine hohe Säule aus grauem, poliertem Granit mit einer Urne an der Spitze. Auf einer Seite der Säule ist ein großes Medaillon mit einem Bildnis von Ferdinand von Mueller eingelassen.

Die ›Friends Of St Kilda Cemetery‹ ist eine lokale Bürgergruppe, die die Erhaltung und Wertschätzung des St. Kilda-Friedhofs fördert. Sie meint in einer Biografie von Mueller auf ihrer Webseite, dass es schwierig sei, seinen enormen Beitrag zur australischen Wissenschaft zu begreifen. Den ›Friends Of St Kilda Cemetery‹ scheint Ferdinand von Muellers erstaunliche Leistung ein Zeichen für eine arbeitswütige Mentalität und die körperliche Konstitution eines Ochsen zu sein.

Siehe auch folgende Quellen:

Für Schüler und Lehrer sind die Unterrichtsmaterialien in Bäume, Büsche, Blumen auch von Interesse (Royal Botanic Gardens Education Service, Deutsch-Lehrer*innen, Directorate of School Education and Goethe Institut Melbourne, 1996).

♦ Einzelnachweise:

1. National Estate Report. Department of Agriculture, Water and the Environment. (Australia)

2. Gillbank, Dr Linden. (University of Melbourne) persönliche Mitteilung, 23.01.2014

3. Waters, W. F. (1967). 'The Baw Baws, a short history of the Plateau, from its discovery to the present day'. In: Melbourne Walker, Zeitschrift des Melbourne Walking Club. S.35; Baw Baw National Park. Australian Alps National Parks. (abgerufen 10.02.2022); Gillbank (1992), S.482

4. Mueller's Bush-pea. In: VicFlora (2022). Flora of Victoria, Royal Botanic Gardens Victoria, <https://vicflora.rbg.vic.gov.au> (abgerufen 09.03.2022)

5. Phoenix, Dave. (2017). "More Like a Picnic Party": Burke and Wills: an analysis of the Victorian exploring expedition of 1860-1861. PhD Thesis (James Cook University). S.163 & 168

6. Tampke & Doxford (1990), S.56

7. Spillman, Ken. & Subiaco (W.A. : Municipality). (1985). Identity prized : a history of Subiaco. Nedlands (W.A.) : University of Western Australia Press for the City of Subiaco. S.209-210, 350

8. Sparrow, Kevin. (2007). Plants of South-west Victoria. Newsletter, issue #43, Friends of Warrnambool Botanic Gardens. (Warrnambool, Victoria) S.2; Pretlove, Chris. (2012). David Boyle's tree The Baron. Warrnambool, Vic. : C. Pretlove. S.27, 29

9. Webb, Carolyn. (2003, November 14). Garden genius lauded in song. The Age (newspaper, online here)

♦ Literatur:

Ferdinand von Mueller (ostsee.de INFO GmbH » Hansestadt Rostock » Berühmtheiten) (abgerufen 09.03.2022)

Friends of St Kilda Cemetery. (ohne Datum). 'The Botanist'. (abgerufen 13/05/2014)

Gillbank, Linden. (1992). Alpine botanical expeditions of Ferdinand Mueller. Muelleria: An Australian Journal of Botany. Vol. 7, #4: S.473-489.

Lodewyckx, Prof. Dr. A. (1932). Die Deutschen in Australien. Stuttgart: Ausland und Heimat Verlagsaktiengesellschaft. S.208-212

Morris, Deirdre. 'Mueller, Sir Ferdinand Jakob Heinrich von (1825–1896)', Australian Dictionary of Biography, National Centre of Biography, Australian National University, gedruckte Version wurde im Jahre 1974 veröffentlicht (in englischer Sprache / abgerufen 13.05.2014)

Tampke, Jürgen and Colin Doxford. (1990). Australia, Willkommen. Kensington (NSW): New South Wales University Press. S.53-56