Victoria
Baron Ferdinand von Mueller
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»Einer der bedeutendsten Wissenschaftler Australiens«

Ferdinand von Mueller im Jahre 1876. Fotograf war der Deutsch-Australier J.W. Lindt.
Foto: La Trobe Picture Collection, State Library of Victoria
Professor Rob Wallis hat einmal bemerkt, dass man Ferdinand von Mueller als den größten Botaniker Australiens bezeichnet hat. Er selbst hält Mueller jedoch für einen der bedeutendsten Wissenschaftler Australiens.[1]
Ferdinand Jakob Heinrich von Mueller (1825-1896) wurde 1853 zum Regierungsbotaniker in der Kolonie Victoria ernannt. Er war sechs Jahre früher am 18. Dezember 1847 auf der Hermann von Beckerath in Australien in Port Adelaide angekommen, nachdem er Deutschland aus gesundheitlichen Gründen verlassen hatte.
Ferdinand Müller wurde am 30.06.1825 in der Hafenstadt Rostock als Sohn eines Zollbeamten geboren. Als er noch ein Junge war, starb Müllers Vater, und die Familie zog von Rostock nach Tönning im Herzogtum Schleswig. Im Alter von 15 Jahren wurde er Apothekergehilfe in Husum und studierte später Botanik an der Universität Kiel. Während des Studiums unternahm er botanische Sammelreisen durch das Schleswiger Land und auf der Insel Sylt. Er promovierte mit einer Dissertation über die Pflanzenwelt Südschleswigs.
Müller hatte Gesundheitsprobleme – er neigte zur Lungenschwindsucht - und ein Arzt riet ihm, in ein wärmeres Klima zu ziehen. Eine seiner Schwestern war ebenfalls sehr kränklich, und so machten er und seine beiden Schwestern sich 1847 auf den Weg nach Südaustralien. Unmittelbar nach seiner Ankunft in Adelaide fand Müller eine Anstellung als Apothekergehilfe bei Moritz Heuzenröder, und er begann in seiner Freizeit, das Hinterland Südaustraliens zu erkunden, darunter auch das Flinders-Gebirge, ein Gebiet, das damals noch wenig bekannt war. Durch diese langen Ausflüge im Freien gewann er auch seine Gesundheit zurück, und er sammelte Erfahrungen, die ihm für seine späteren ausgedehnten Reisen in das Innere Australiens zugute kamen.
Mit seinem deutschen Landsmann Friedrich Krichauff (den Müller in Husum kennen gelernt hatte) kaufte er im Dezember 1848 ein etwa acht Hektar großes Stück Land in den Bugle Ranges in der Nähe von Mount Barker. Dort baute er eine Hütte, in der er einige Monate lang mit seiner Schwester Klara wohnte. Das Leben als Farmer passte ihm jedoch nicht und er kehrte zu seiner ursprünglichen Arbeit in Adelaide zurück. Müller änderte nach seiner Einbürgerung 1849 die Schreibweise seines Namens in »Mueller«.[2]
Von 1857-73 war Mueller Direktor des Botanischen Garten Melbournes und eine sehr bekannte Persönlichkeit. Er unternahm ausgedehnte Reisen in Australien, bei denen er Exemplare der Tierwelt und Pflanzenwelt sammelte und sie für die Wissenschaften klassifizierte. Mehrere seiner Vorschläge hatten praktischen Nutzen für die Landwirtschaft in Australien. Typisch für seine Zeit war Muellers pragmatisches Interesse an Pflanzen - er war ständig auf der Suche nach neuen Nutzpflanzen. Pflanzen mit medizinischem, Nahrungs- oder Holzwert waren von wirtschaftlichem Interesse für die Kolonie und »Mutter England«.[3]
Das ›Director's House‹, im Botanischen Garten von Melbourne, wurde 1854 für Ferdinand von Mueller als Büro und Wohnhaus erbaut. Das Doppelgiebelhaus im italienischen Stil wurde auch bis zum Jahre 1991 von späteren Direktoren des Botanischen Gartens bewohnt.

Das Wohnhaus im Botanischen Garten Melbournes, das die Regierung für Mueller baute
1855 wurde er zum Botaniker der Nordwest-Australien-Expedition unter der Führung von A. C. Gregory ernannt. Bei dieser Entdeckungsexpedition von 8000 km in mehr als 16 Monaten, sammelte Mueller fast 2000 Pflanzenarten. Er schickte riesige Mengen von Pflanzen und Samen an dankbare öffentliche Gärten, Herbarien, Institute und Individuen in allen australischen Kolonien und im Ausland. Die Blauen Eukalyptusbäume in Kalifornien sind ein Ergebnis seiner internationalen Tauschaktivitäten mit Pflanzen.[4]
Im Jahre 1996 schrieb Rita Erlich über Muellers Beitrag zu den öffentlichen Gärten in Victoria (hier in Übersetzung):[5]
Die historischen botanischen Gärten in Malmsbury, Castlemaine, Kyneton, Bendigo, Daylesford und Ballarat und anderen regionalen Städten sind eine Hommage an den großen Mann. Er starb vor einem Jahrhundert, am 10. Oktober 1896. Ohne ihn wären die öffentlichen Gärten im ganzen Bundesstaat Victoria weniger schön.
Rita Erlich

Die Informationstafel am Eingang zum Botanischen Garten von Castlemaine in Central Victoria - sie erwähnt Muellers Beitrag von Pflanzen und Samen.

Nahansicht: Die Informationstafel am Botanischen Garten von Castlemaine hebt Muellers Beitrag hervor.

Eine Informationstafel über die Geschichte der Pflanzenschule im Botanischen Garten von Castlemaine betont Muellers Beitrag zur Entwicklung des Gartens.

Eine Informationstafel im Botanischen Garten der Stadt Sale in Gippsland ehrt Muellers Unterstützung des Gartens.

Teilansicht des Botanischen Gartens in Sale (Gippsland)
Büste von Muellers im Melbourner Botanischen Garten.
Hier der Text der Gedenktafel vor der Büste im Botanischen Garten:
»This plaque commemorates the life work of one of the ›fathers‹ of the Garden State. Baron Ferdinand von Mueller, K.C.M.G., 1825-1896. This distinguished botanist and explorer was the founder of the National Herbarium of Victoria. As Director of the Melbourne Botanic Gardens from 1857-73, he was directly involved in their laying out and planting. During this period he also supplied the highest quality plants to the regional botanic gardens throughout Victoria. His dedication to the concept of the Garden State is enshrined in the beauty of these gardens and by the many fine trees of his selections which remain standing today. Baron Ferdinand von Mueller's great contribution to our quality of life is honoured here by the following members of the German-Australian business community. Their generosity during Victoria's 150th year has enabledhe re-labelling of plants and the rejuvenation of provincial botanic gardens throughout the State to be undertaken for the enjoyment of all Victorians.«
Mueller wurde international bekannt, und König Karl I. und Königin Olga des deutschen Königreichs Württemberg ernannten Müller 1871 zum Freiherrn, als Dank für seine umfangreichen Schenkungen botanischer Exemplare aus Australien. In der Wüste Zentralaustraliens befindet sich eine bekannte Gruppe von hoch aufragenden Felsdomen, die seit jeher den Namen Kata Tjuta tragen. Der erste Nicht-Aborigine, der sie sah, war der Forschungsreisende Ernest Giles im Oktober 1872. Ferdinand von Mueller hatte die Finanzierung von Giles' Expedition organisiert und Giles gebeten, die beeindruckende Gruppe riesiger Felsen nach Königin Olga von Württemberg zu benennen.[6] Die Felsen sind heute unter zwei Namen bekannt: Kata Tjuta / Mount Olga.
In Giles' Buch über seine Expeditionen bezeichnete er Königin Olga von Württemberg und ihren Ehemann, König Karl I., als »aufgeklärte königliche Förderer der Wissenschaft«.[7]
Mueller erhielt Auszeichnungen von vielen kleinen und großen europäischen Nationen. Seine Kontakte zu deutschen und anderen europäischen Wissenschaftlern waren für die australische Wissenschaft von großem Wert.[8]
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Der europäische Name von Kata Tjuta / Mount Olga ist mit Ferdinand von Mueller eng verbunden. Das Foto zeigt die berühmten Felsenformationen bei Sonnenuntergang (Luftansicht von Westen).
Fotoquelle: Wikimedia Commons / Dimageau [Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license]

Diese deutsche Briefmarke (1996) ehrte von Mueller
(Bild von Paul Griffin zur Verfügung gestellt)
Siehe auch folgende Quellen:
Für Schüler*innen und Lehrer*innen sind die Unterrichtsmaterialien in Bäume, Büsche, Blumen auch von Interesse (Royal Botanic Gardens Education Service, Deutsch-Lehrer*innen, Directorate of School Education and Goethe Institut Melbourne, 1996).
♦ Einzelnachweise:
1. Wallis, Rob. (2007). Baron Sir Ferdinand von Mueller – His Wide Influence as Director of Melbourne’s Botanic Gardens and Government Botanist. Newsletter, issue #43, Friends of Warrnambool Botanic Gardens. (Warrnambool, Victoria) S.3
2. ostsee.de INFO GmbH
3. Gillbank (1992), S.474 <https://www.biodiversitylibrary.org/page/51351191>
4. Morris (1974) - ADB
5. Erlich, R. (1996, 05. Oktober). Man of flowers and trees; Victoria: [late edition]. The Age. Abgerufen von der Website proquest.com.
6. Giles, Ernest. (1889). Australia twice traversed: the romance of exploration, being a narrative compiled from the journals of five exploring expeditions into and through central South Australia and Western Australia from 1872 to 1876. London : Sampson Low, Marston, Searle & Rivington. Introduction, S.l (römische Zahl 50)
7. Giles (1889), S.100
8. Morris (1974) - ADB
♦ Literatur:
Ferdinand von Mueller (ostsee.de INFO GmbH » Hansestadt Rostock » Berühmtheiten) (abgerufen 09.03.2022)
Gillbank, Linden. (1992). Alpine botanical expeditions of Ferdinand Mueller. Muelleria: An Australian Journal of Botany. Vol. 7, #4: S.473-489.
Lodewyckx, Prof. Dr. A. (1932). Die Deutschen in Australien. Stuttgart: Ausland und Heimat Verlagsaktiengesellschaft. S.208-212
Morris, Deirdre. 'Mueller, Sir Ferdinand Jakob Heinrich von (1825–1896)', Australian Dictionary of Biography, National Centre of Biography, Australian National University, gedruckte Version wurde im Jahre 1974 veröffentlicht (in englischer Sprache / abgerufen 13.05.2014)
Tampke, Jürgen and Colin Doxford. (1990). Australia, Willkommen. Kensington (NSW): New South Wales University Press. S.53-56