Hans Heysen

Landschaftsmaler

Hans Heysen war einer der seltenen Künstler, die die Art und Weise, wie wir die Landschaft in diesem Land sehen, verändert haben. Mit seinen stimmungsvollen Darstellungen von Eukalyptusbäumen in den Adelaide Hills schuf er ein Erscheinungsbild des Eukalyptusbaums, das sich fest in unsere Köpfe eingeprägt hat.[1]

Rebecca Andrews
Kuratorin, Art Gallery of South Australia

(Photo: R. Donaldson) Hans Heysen

Hans Heysen beim Malen, Hahndorf, Adelaide Hills, Januar 1950

Fotograf: R. Donaldson, PIX Magazine, State Library of New South Wales, ON 388/Box 004/Item 006

Wilhelm Ernst Hans Franz Heysen kam im Alter von sechs Jahren mit seiner Familie aus Hamburg nach Australien. Während seiner Kindheit in Adelaide besuchte er eine befreundete Familie in Hahndorf, und so begann seine lebenslange Verbundenheit mit dem kleinen deutschen Dorf, der Region Adelaide Hills und vor allem mit den majestätischen Eukalyptusbäumen.[2]

Heysen erhielt in den späten 1890er Jahren Kunstunterricht in Adelaide, und sein künstlerisches Talent wurde in der Stadt recht bekannt. Vier Geschäftsleute aus Adelaide beschlossen, Heysen 400 Pfund zu geben, damit er für einige Jahre nach Europa gehen und dort eine Kunstschule besuchen konnte. Als Gegenleistung musste Heysen ihnen alle Werke schicken, die er in den Jahren in Übersee geschaffen hatte. Die ersten zweieinhalb Jahre seines Studiums verbrachte er in Paris. Während seines Aufenthalts in Europa besuchte er Hamburg, die Stadt, in der er als kleiner Junge gelebt hatte, und er besuchte Verwandte in der Stadt Braunschweig.[3]

Heysens nationale Bedeutung als Maler wurde bereits 1904 deutlich, als die Art Gallery of New South Wales und die Art Gallery of South Australia wichtige Gemälde von ihm kauften, und in den folgenden fünf Jahrzehnten erwarben öffentliche australische Kunstgalerien seine Werke.[4]

Im Jahr 1904 heiratete er Selma Bartels. Wie Heysen war sie deutscher Herkunft. Ihr Vater, Adolph Bartels, geboren in Gilten, Hannover, war von 1871 bis 1873 Bürgermeister von Adelaide gewesen.

Ab dem Jahr 1908 wohnte das Ehepaar in Hahndorf (Südaustralien) und Heysen wurde einer der beliebtesten Landschaftsmaler in Australien. Er fertigte auch Zeichnungen von einigen der alten Bauernhäuser Hahndorfs und seiner älteren Bewohner an. ›Das einfache, altmodische deutsche Dorf und die prächtigen Eukalyptusbäume in der Umgebung, die Heysen anzogen, waren der Traum eines jeden Landschaftsmalers.‹[5]

(Foto © D. Nutting) Heysens Haus

»The Cedars« - Heysens Haus in Hahndorf
Man kann das Haus und Heysens Studio daneben besuchen.

Foto: D Nutting

Er hatte seine erste wichtige Ausstellung im Jahre 1908 in Melbourne. Nach dieser erfolgreichen Ausstellung in Melbourne konnten Heysen und seine Frau 1912 ›The Cedars‹ kaufen, ein bestehendes Haus im Kolonialstil auf einem 15 Hektar großen Grundstück in der Nähe von Hahndorf. Die Verkaufspreise für seine Gemälde bei einer Ausstellung in Sydney im Jahre 1927 stellten einen australischen Rekord auf.

Im Jahr 1913 erklärte Heysen in einem Interview mit einem Zeitungsreporter, der ihn in Hahndorf besuchte, seine Vorliebe für Eukalyptusbäume (hier in Übersetzung): »Es ist ein wunderbarer alter Baum, voller Romantik und Geheimnis. Er spiegelt das Licht in einer Weise wieder, wie es kein anderer Baum zu tun scheint, und er hat eine große Anziehungskraft auf die Menschen.« Heysen erklärte, warum Hahndorf für ihn ein guter Wohnort ist: »Nicht mehr als zehn Minuten oder eine Viertelstunde Fußweg von diesem Haus entfernt (...) habe ich die Bäume, das Sonnenlicht, den Schatten und die Farben, die ich will, hier zu Hause. Wenn ich andere Menschen dazu bringen kann, die Schönheit des Eukalyptusbaums zu spüren, dann habe ich sicherlich etwas erreicht.«[6]

Ein Beispiel für Heysens ›monumentale Eukalyptusbäume‹ ist sein Gemälde Droving into the light, im Besitz der Art Gallery of Western Australia. Du kannst unter diesem Link das Gemälde ansehen und mehr darüber lesen.

Später in seiner Karriere unternahm er Reisen ins Outback, insbesondere in die Flinders Ranges, wo er innovative Darstellungen der dortigen kargen Landschaften schuf. Er malte Bilder mit erstaunlicher Präzision, insbesondere in den Gebieten Aroona und Arkaba.[7] Ein Fernwanderweg in Südaustralien wurde nach ihm benannt. Der Heysen Trail führt von den Flinders Ranges über die Adelaide Hills nach Cape Jervis und ist etwa 1.200 Kilometer lang.

Hans Heysen gewann zwischen 1904-32 Australiens renommierten Wynne-Preis für Landschaftsmalerei neunmal. Seine Tochter Nora gewann 1938 den berühmten australischen Archibald-Preis für die Porträtmalerei.

Im Jahr 2013 gab die australische Post eine Briefmarke mit einem Gemälde von Heysen heraus. Diese Briefmarke war Teil einer Serie, die ›Landschaften aus der Sammlung der National Gallery of Australia von fünf der bekanntesten australischen Maler‹ würdigte.[8] Die vorgestellten Künstler waren: Eugene von Guérard (ein weiterer Künstler, der in einem deutschsprachigen Land geboren wurde), Hans Heysen, Arthur Streeton, John Glover und Nicholas Chevalier. Australia Post schrieb über die Heysen-Briefmarke (hier in Übersetzung): »Die Landschaft der Flinders Ranges in Südaustralien war eine große Inspiration für Hans Heysen. Der in Deutschland geborene Heysen ist dafür bekannt, die Majestät großer Eukalyptusbäume darzustellen, wie in seinem Werk In the Flinders – Far North[9]

(Foto: D Nutting) Briefmarke

Ersttagsbrief der Australia Post (Ausschnitt) für die Serie ›The Gallery Series (National Gallery of Australia) - Landscapes (2013)‹.

Die Straßen der Milgate Park-Siedlung in Doncaster East (einem Vorort von Melbourne) ehren australische Landschaftsmaler, darunter die Straße Heysen Grove.[10] Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Straße Heysen Drive in Sunbury (Victoria) nach Hans Heysen benannt ist (andere Straßen in der Nähe sind nach anderen bekannten Malern oder Kunststiftern in Australien benannt, z. B. Dobell Avenue, Drysdale St, Meldrum Court, Lindsay Avenue, Felton Avenue und Nolan Court).

♦ Einzelnachweise:

1. Andrews (2008), S.6 (hier in Übersetzung)

2. Heysen, Peter. (ohne Datum). ‘Sir Hans Heysen, OBE’, SA History Hub, History Trust of South Australia, <sahistoryhub.history.sa.gov.au/people/sir-hans-heysen-obe>, abgerufen 21. August 2022.

3. Andrews (2008)

4. Andrews (2008)

5. Andrews (2008), S.46

6. HANS OF HAHNDORF. (1913, May 3). The Mail (Adelaide, SA : 1912 - 1954), S. 8. abgerufen August 18, 2022, von <nla.gov.au/nla.news-article58514238>

7. Tampke & Doxford (1990), S.210

8. Stamp Bulletin Australia, No.321, 2013. Ferntree Gully (Victoria): Australia Post. S.12

9. Stamp Bulletin Australia, No.321, 2013. Ferntree Gully (Victoria): Australia Post. S.12

10. Wajnryb, Ruth. (2006). Australian place name stories. South Melbourne (VIC) : Lothian Books. S.8

♦ Literatur:

Andrews, Rebecca & Art Gallery of South Australia. (2008). Hans Heysen. Adelaide:  Art Gallery of South Australia

Tampke, Jürgen & Colin Doxford. (1990). Australia, Willkommen. Kensington NSW: New South Wales University Press.