Südaustralien

Barossa-Deutsche und der Wein

Foto © D Nutting: Weinreben

Ein Weinberg im Barossa Valley

Der deutsche Mineraloge Johannes Menge war der Erste, der das Potenzial des Barossa Valley (das er Neu-Schlesien nannte) für den Weinbau erkannte. Im Jahr 1840 schrieb er an George Fife Angas von der South Australia Company, um ihm mitzuteilen, dass das Klima und die Böden des Tals für den Weinanbau und die Weinherstellung gut geeignet schienen.[1] Deutsche Familien im Barossa betrieben im 19. Jahrhundert gemischte Landwirtschaft, und viele von ihnen bauten Trauben an und stellten Wein für den Eigenbedarf und für Gemeinschaftsfeiern her, eher als dass sie dies als Geschäft betrieben. Viele der lutherischen Einwanderer im Tal stammten aus Schlesien und verfügten über Kenntnisse und Fähigkeiten in der Weinherstellung; die Weinberge in den Hügeln um Grünberg in Schlesien genossen seit langem einen guten Ruf.[2]

Die frühen Weinbaubetriebe im Tal stützten sich auf das Wissen und die Fähigkeiten der Deutschen in der Weinherstellung und auf die Investitionen der Engländer. Die britischen Siedler gehörten hauptsächlich der Mittelschicht an und verfügten über das nötige Kapital, um kommerzielle Weinberge anzulegen und Wein zu verkaufen.[3] Obwohl die heute bekannten Namen in der Weinbranche des Tals in der Regel zu großen Konzernen gehören, die in verschiedenen Teilen Australiens tätig sind, gibt es immer noch kleine Weingüter, die von Nachfahren der frühen deutschen Einwanderer im Tal betrieben werden. Laut dem Winzer Kym Teusner baut die Familie Riebke beispielsweise seit sechs Generationen in Folge hervorragende Trauben im Bezirk Ebenezer im Barossa Valley an.

Foto © D Nutting: Weinflaschen

Zwei Weinflaschen als Beispiele für relativ kleine Weingüter im Barossa Valley, die von Winzer*innen deutscher Abstammung geführt werden.

Viele dieser Familien leben seit den Anfängen der Besiedlung im Barossa Valley und verfügen über fundiertes, über Generationen hinweg erworbenes Wissen über die Anbaubedingungen.
Der schlesische Einwanderer Johann Christian Henschke gründete 1861 einen gemischten Bauernhof und begann mit der Weinherstellung. Mehrere Generationen später produziert die Familie Henschke preisgekrönte Weine.[4] Ein besonders berühmter Wein der Familie Henschke ist ein Shiraz namens ›Hill of Grace‹ (auf Deutsch ›Gnadenberg‹). Der kleine Weinberg für diesen Wein wurde 1890 gegenüber der Zion Lutheran Church in Gnadenberg am Rande des Barossa Valley angelegt.[5]

Foto © D Nutting: Weinreben und eine Kirche

Der Weinberg ›Gnadenberg‹ vor der Zion Lutheran Church im Barossa Valley

Laut dem Winzer Stephen Henschke bezeichneten die frühen Winzer im Barossa-Tal ihre Weinberge traditionell als ihren ›Garten‹. Aus diesem Grund benannte die Familie Henschke einen ihrer Weine »Johann's Garden« als Hommage an die frühen lutherischen Einwanderer im Barossa-Tal. Unter diesen Einwanderern hatten die Männer traditionell den Vornamen Johann, und der erste Henschke, der im Tal Wein herstellte, hieß ebenfalls Johann. (Das deutsche Wort ›Weingarten‹ ist ein anderes Wort für ›Weinberg‹ und wird vielleicht häufiger in Süddeutschland verwendet. Es gibt auch einige Städtchen im Südwesten Deutschlands, die Weingarten heißen.)

Foto © D Nutting: Weinflasche

Das Flaschenetikett des Barossa-Weines namens Johann's Garden.

Der erste, der im Barossa Valley Wein anbaute, war Johann Gramp aus dem Dorf Eichig westlich von Kulmbach in Nordbayern, der 1847 in Rowland Flat Weinreben pflanzte. Später wurde Gramps Unternehmen unter dem Namen Orlando Wines bekannt. Joseph Ernst Seppelt aus der kleinen Stadt Wüstewaltersdorf in Schlesien kam 1849 mit seiner Frau Johanna Charlotte und ihren drei Kindern nach Südaustralien. Nachdem er zunächst versucht hatte, Tabak anzubauen, gründete er einen erfolgreichen Weinberg in Seppeltsfield im Barossa Valley. Joseph Seppelt starb 1868 und sein 21-jähriger Sohn Oscar Benno Pedro Seppelt übernahm das Unternehmen mit Begeisterung. Bennos Frau gebar 16 Kinder, von denen 13 das Erwachsenenalter erreichten, und sieben der neun Söhne arbeiteten im Weingut. Benno baute ein sehr großes Weinbauunternehmen auf.[6] Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Seppeltsfield zum größten Weinproduzenten der Welt und das Barossa Valley zum »Weinberg des Empire« geworden.[7] Benno Seppelt war ein Pionier im Einsatz mechanischer Geräte in seinem Weingut und gab sein Wissen an andere Winzer im Tal weiter.[8]

Beispiele für spätere deutsche Namen, die in der Weinindustrie von Barossa berühmt wurden, sind Hermann Paul Leopold Büring (der in Friedrichswalde im Bundesland Brandenburg in Deutschland geboren wurde und dessen Weine unter dem Namen Leo Buring bekannt sind); Hermann Thumm, ein deutscher Einwanderer, der 1947 Chateau Yaldara gründete; Peter Lehmann, der 1979 Peter Lehmann Wines gründete (sein Vater, der lutherische Pastor Franz Julius Lehmann, hatte 1932 selbst einen Weinberg im Eden Valley [angrenzend an das Barossa Valley] angelegt); und Wolfgang Franz Otto Blass (Wolf Blass), der in Deutschland eine Ausbildung zum Winzer absolvierte, bevor er 1961 nach Australien auswanderte. Im Jahre 1992 wurde Blass von der International Wine and Spirit Competition als ›Internationaler Weinmacher des Jahres‹ ausgezeichnet.

Foto: Wolf Blass

Wolf Blass

Das Foto erscheint hier mit freundlicher Genehmigung der Firma Wolf Blass Wines (2018).

♦ Einzelnachweise:

1. Ioannou (2000), S.101

2. Ioannou (2000), S.102 / Munchenberg et al. (1992), S.54

3. Ioannou (2000), S.104 / Ward et al (2003), S.28 / Lodewyckx (1932), S.75

4. Ioannou (2000), S.108

5. Ioannou (2000), S.108

6. Munchenberg et al. (1992), S.56-57

7. Schomann, Stefan. (1993). 'Kaiserstuhl im Barossa Valley'. In: GEO Special Australien. Nr. 6, Dezember 1993. Hamburg: Gruner + Jahr. S.80

8. Munchenberg et al. (1992), S.57

♦ Literatur:

Ioannou, Noris. (2000). Barossa Journeys: into a valley of tradition. (Second edition) Sydney: New Holland Publishers.

Lodewyckx, Prof. Dr. A. (1932). Die Deutschen in Australien. Stuttgart: Ausland und Heimat Verlagsaktiengesellschaft. S.75-76

Munchenberg, Reginald S et al. (1992). The Barossa, a Vision Realised. The Nineteenth Century Story. Barossa Valley Archives and Historical Trust Inc.

Ward, B. J. (Brian J.) & Heathcote, R. L. (Ronald Leslie) & Barker, Sue & Royal Geographical Society of South Australia. (2003). Discover the Barossa / Herausgeber*innen: Sue Barker, Les Heathcote, Brian Ward. Adelaide : Royal Geographical Society of South Australia