Ortsnamen
Australische Ortsnamen deutscher Herkunft
Wartburg, Queensland
Wartburg ist eine ländliche Ortschaft etwa 60 km nordwestlich von Bundaberg. Die deutsche Einwanderung nach Queensland verlief in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts langsam, nur etwa 25 Personen pro Jahr. Die Zahl der deutschen Einwanderer in Queensland stieg ab 1908 rapide an, vor allem dank der Bemühungen zweier deutscher Pastoren, J. F. Niemeyer von der apostolischen Gemeinde in Hatton Vale und M. Bernoth von der methodistischen Kirche in Gattan. Pastor Niemeyer kam zunächst als Missionar nach Queensland und gründete später apostolische Kirchengemeinden in den Regionen Hatton Vale, Mount Beppo und Esk in Queensland. Im Jahr 1906 besuchte Niemeyer Deutschland, um die Einwanderung nach Queensland zu fördern, und hielt Vorträge in apostolischen Gemeinden. Er überredete fast 500 Mitglieder apostolischer Gemeinden, nach Queensland zu gehen. Viele von ihnen ließen sich in der Gegend von Baffle Creek an der Eisenbahnlinie Bundaberg-Gladstone nieder.[1] Die ersten Siedler am Baffle Creek mussten eine Weile warten, bis die Regierung ihren Landbesitz offiziell bestätigte, und sie schlugen ihr Lager auf einem Hügel auf, den sie Wartburg Hill nannten.[2]
In Baffle Creek wurde eine Zuckermühle errichtet, und das Haus des Mühlenleiters trug den Namen ›Wartburg‹. Da es bereits andere staatliche Schulen im Bezirk gab, die den Namen ›Baffle Creek‹ trugen, erhielt die Schule, die 1913 in der Nähe der Mühle eröffnet wurde, den Namen ›Wartburg State School‹.[3]
Die Schule und der Ort tragen immer noch den Namen Wartburg. Die deutschen Siedler in Wartburg wussten höchstwahrscheinlich von der Wartburg im Osten Deutschlands, einer bekannten Festung in der Nähe der Stadt Eisenach. Die Wartburg ist eine der berühmtesten Burgen in Deutschland und hat in mehreren bekannten Episoden der deutschen Geschichte eine Rolle gespielt. Die Wartburg ist vielleicht am bekanntesten als der Ort, an dem der Reformator Martin Luther das Neue Testament der Bibel ins Deutsche übersetzte. Von Mai 1521 bis März 1522 hielt sich Martin Luther in der Burg versteckt; Soldaten Friedrichs des Weisen brachten ihn heimlich zu seiner Sicherheit dorthin, nachdem Papst Leo X. Luther für vogelfrei erklärt hatte (das heißt, jeder Bürger dürfte Luther dann ohne Strafe jagen und töten).
Die Wartburg in Deutschland.
Der Rittersaal in der Wartburg in Deutschland.
Im Jahre 1999 setzte die UNESCO die Wartburg wegen ihrer mittelalterlichen Architektur und ihrer historischen und religiösen Bedeutung auf die Liste des UNESCO-Welterbes.
♦ Einzelnachweise:
1. Tampke, Jürgen und Colin Doxford. (1990). Australia, Willkommen. Kensington (NSW): New South Wales University Press. S.174-175
2. Heritage statement for the Baffle Creek Sugar Mill. Local Heritage Register. Gladstone Regional Council. <www.gladstone.qld.gov.au/downloads/file/302/baffle-creek-sugar-mill>
3. History. (ohne Datum). Website der Wartburg State School. <https://wartburgss.eq.edu.au/our-school/history>
♦ Literatur:
Imgrund, Bernd. (2014). 101 deutsche Orte, die man gesehen haben muss. Darmstadt: Konrad Theiss Verlag. 4. Auflage. S.198