Ortsnamen

Australische Ortsnamen deutscher Herkunft

Sans Souci, NSW

(Foto © D. Nutting) Ladenschild

Ein Ladenschild in Sans Souci, einem Vorort von Sydney

Der Name dieses südlichen Vororts von Sydney am Westufer der Botany Bay ist ein französischer Ausdruck, doch dahinter verbirgt sich eine starke deutsche Verbindung. Es handelt sich um den Namen eines Sommerpalastes in Potsdam, in der Nähe von Berlin, der von Friedrich dem Großen, König von Preußen, erbaut wurde. Friedrich der Große war ein Fan der französischen Kultur und der französischen Sprache und nannte sein Sommerschloss Sanssouci, was so viel bedeutet wie ›ohne Sorge‹ oder ›keine Sorgen‹. Doch wer brachte den Namen eines deutschen Schlosses nach New South Wales?

Thomas Holt war ein 1811 in Yorkshire geborener Wollhändler, Finanzier, Landspekulant und Politiker. Als junger Mann arbeitete er in der Firma seines Vaters im Wollgeschäft und vertrat das Unternehmen zehn Jahre lang auf dem europäischen Kontinent, wobei er sich in mehreren Ländern aufhielt. Im Laufe der Zeit konnte Thomas fließend Spanisch, Deutsch und Französisch sprechen. Mit seinem jüngeren Bruder William eröffnete er eine Filiale in Berlin, die mit Wolle handelte.[1]

Während er in Berlin arbeitete, lernte Thomas Holt seine zukünftige Frau Sophie Johanna Charlotte Maria, Tochter von Friedrich Eulert, kennen. Sie heirateten 1841 in Berlin in einer doppelten Zeremonie, in der auch Thomas Holts jüngerer Bruder William die Schwester von Sophie heiratete.[1] Thomas und Sophie Holt wanderten nach Australien aus und kamen im November 1842 in Sydney an. Thomas kaufte bald ein großes Anwesen in Liverpool mit Blick auf den Georges River und benannte es nach seiner deutschen Frau ›Sophienburg‹. Sie lebten zehn Jahre lang dort.[2]

Holt lernte Ludwig Leichhardt kennen, den deutschen Entdecker, der durch seine Reise zur Nordküste Australiens berühmt geworden war. Leichhardt war der Patenonkel eines der Kinder von Holt, Frederick Samuel Ellis Holt, geboren am 22. Juni 1846 in Sophienburg.[3]

Holt war sehr erfolgreich mit Landspekulationen und wurde sehr wohlhabend. Er verkaufte Sophienburg im Jahr 1853. Anfang 1853 kaufte Holt das Rocky Point House und 100 Acres (etwa 40 Hektare) von dem Brenner Robert Cooper als Investition - er renovierte es und benannte es in ›Sans Souci‹ um, nach dem Sommerpalast des preußischen Königs Friedrich des Großen (1740-1786) in der Nähe von Berlin. Seine Frau Sophie weigerte sich jedoch, dort zu wohnen - die Gegend war ihr zu ruhig. Holt verkaufte ›Sans Souci‹ im Jahr 1865 und es wurde ein Hotel mit Schankrecht. Das Gebäude wurde 1920 abgerissen.[4]

(Foto © Wolfgang Staudt) Palast/Schloss

Schloss Sanssouci in Potsdam, Deutschland

Fotoquelle: Wikimedia Commons / Wolfgang Staudt. Creative Commons Lizenz.

Das Sommerschloss Friedrichs des Großen in der Nähe von Berlin wurde zwischen 1745 und 1747 erbaut. Er wollte mit seinem Schloss eine Art Versailles (das königliche Schloss in Frankreich) für Berlin schaffen, einen Ort des Kunstgenusses und der Auseinandersetzung mit den neuesten Strömungen des aufklärerischen Denkens.[5] In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bewunderte und imitierte die gesamte Oberschicht in den deutschsprachigen Königreichen und Staaten die französische Kultur (einschließlich Architektur, Malerei, Literatur, Theater, Musik und Kleidung) und die französische Sprache selbst.[6] Schloss Sanssouci ist ein großartiges Beispiel für den kunstvollen Baustil namens Rokoko. Friedrich der Große starb dort im Jahr 1786.

Der gesamte Komplex mit seinen Palästen und dem Park wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt - die UNESCO fand, dass die Architekten von Sanssouci »gemeinsam mit Bildhauern, Malern, Handwerkern und Gärtnern ein Gesamtkunstwerk von hoher Qualität und internationalem Rang« erschufen.[7]

(Foto © D Nutting) Schild im Schlossgarten

Ein Informationsschild im Garten von Schloss Sanssouci in Potsdam, Deutschland

Ortsnamen in New South Wales...

♦ Einzelnachweise:

1. Salt (2008), S.5

2. Salt (2008), S.7

3. Salt (2008), S.8

4. Salt (2008), S.13

5. Domínguez, Martí. (2017). What’s So Great About Frederick? The Warrior King of Prussia. National Geographic History magazine. March/April 2017. (Available online.) / Hawes, James. (2018). The Shortest History of Germany. Exeter: Old Street Publishing (paperback edition). S.79

6. Genzmer, Herbert. (2017). Die deutsche Sprache: Ursprünge, Entwicklung und Wandel. Wiesbaden : Marix Verlag. S.158-159 / Kampfner, John. (2024). In search of Berlin: the story of a reinvented city. London: Atlantic. S.95-96 / Clark, Christopher. (2007). Iron Kingdom: The Rise and Downfall of Prussia, 1600-1947. London: Penguin. S.184-185

7. Deutsche UNESCO-Kommission. (n.d.). UNESCO-Welterbe Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin. Website der deutschen UNESCO-Kommission.

♦ Literatur:

Appleton, Richard. & Appleton, Barbara. (1993). The Cambridge Dictionary of Australian Places. Cambridge: Cambridge University Press. S.267

Imgrund, Bernd. (2014). 101 deutsche Orte, die man gesehen haben muss. Darmstadt: Konrad Theiss Verlag. 4. Auflage. S.168

Rathbone, R. W. (2002). The Sans Souci Peninsula : a history of the suburbs of Dolls Point, Monterey, Ramsgate, Sans Souci and Sandringham. Glebe (NSW): Book House. S.16-19

Salt, Daphne. (2008). Thomas Holt - A Dynamic Pioneer (A Reference Chronology of the Life and Enterprises of Australia’s First Colonial Treasurer). Sutherland Shire Historical Society. S.5, 7-8, 13.