Zweiter Weltkrieg

Deutsche in Australien und Deutsch-Australier während des Zweiten Weltkriegs

Teil 1 - Nazipropagandisten in den 1930er Jahren; Internierung

Teil 2 - die frühen Jahre des Krieges; der Fokus auf Japan; Namensänderungen; nach dem Krieg


die frühen Jahre des Krieges

In den ersten Kriegsjahren neigten viele Australier und die Medien, die sie lasen oder hörten, dazu, zwischen dem deutschen Volk und dem Nazi-Regime zu unterscheiden, was bedeutete, dass die Menschen glaubten, dass die Nazi-Regierung Deutschlands das Problem sei und dass viele ›gute‹ Deutsche nicht von der Nazi-Ideologie beeinflusst seien.[1] In den 1930er Jahren gab es regelmäßige Besucher in Deutschland (vor allem aus Großbritannien und den USA), »die die Nazis verachteten, aber Deutschland weiterhin liebten und bewunderten. Viele von ihnen hatten vor dem Ersten Weltkrieg das Land bereist oder dort studiert und diese Erfahrung als prägend empfunden. Es ist nicht schwer zu verstehen, warum. Noch verlockender als die landschaftliche Schönheit Deutschlands war seine außerordentlich reiche kulturelle und akademische Tradition, die trotz des Ersten Weltkriegs weiterhin eine wichtige Rolle im britischen und amerikanischen Leben spielte.« (Hier in Übersetzung)[2]

Es scheint Hinweise darauf zu geben, dass die australische Regierung und die australischen Medien in der Anfangsphase des Zweiten Weltkriegs aus der grassierenden antideutschen Hysterie des Ersten Weltkriegs gelernt hatten und dass viele Australier bestrebt waren, die Hasspropaganda zu vermeiden, die während des Ersten Weltkrieges gefördert wurde.[3] Konkret antideutsche Maßnahmen und Aktionen waren im Zweiten Weltkrieg weitaus zurückhaltender und weniger verbreitet als im Ersten Weltkrieg.[4]

Francis Davitts Kolumne mit dem Titel Passing Shots: War Time (= Vorbeiziehende Schüsse: Kriegszeit) in der Melbourne-Zeitung Advocate vom Januar 1940 enthielt eine kurze humorvolle Unterhaltung zwischen den Figuren »Mrs. Bloggs« und »Mrs. Moggs«, die auf dem Bild hier zu sehen ist. (›agen‹ = gegen).[5]

Zeitungsausschnitt

Die Haltung der beliebten australischen Zeitschriften zu Premierminister Menzies' Unterscheidung zwischen dem deutschen Volk und dem Nationalsozialismus war unterschiedlich – die Australian Women's Weekly lehnte diese Idee ab und veröffentlichte einen Leitartikel (1. Juni 1940, S. 20) mit dem Titel The Hun At His Worst!, während das Magazin Man die Idee unterstützte, dass man das deutsche Volk nicht für die Taten des Hitler-Regimes verantwortlich machen könne.[6]

der Fokus auf Japan

Die Gefühle gegenüber Deutschen und Australiern deutscher Abstammung waren im Zweiten Weltkrieg weniger bitter als im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918. Direkte Landschlachten zwischen Australiern und Deutschen beschränkten sich hauptsächlich auf Nordafrika und dauerten nicht sehr lange. Im Zweiten Weltkrieg wurde Japan zum Feind, der die Aufmerksamkeit der Australier am meisten auf sich lenkte. Ab 1942 war der Großteil der australischen Streitkräfte in den Krieg im Pazifik gegen die japanischen Truppen verwickelt, und die brutale und schreckliche Behandlung Tausender australischer Gefangener durch japanische Soldaten (zum Beispiel während des Zwangsbaus der Thailand-Burma-Eisenbahn durch Kriegsgefangene)[7] führte dazu, dass die Gräueltaten der Nazis in Europa in den Nachrichten vielleicht nicht so stark im Vordergrund standen.[8]

Filmposter

Werbeposter für den Spielfilm Kokoda (2006)

Für Australien war Japan der geografisch näher gelegene Feind, der das australische Festland tatsächlich bedrohte. Darwin, Broome und andere Orte wurden mehrfach von japanischen Flugzeugen bombardiert. Die Kämpfe zwischen australischen und japanischen Soldaten entlang des Kokoda-Pfades (ein fast 100 km langer Weg durch sehr bergiges Dschungelgebiet in Papua-Neuguinea) haben in der Militärgeschichte Australiens einen hohen Stellenwert erlangt. Australier deutscher Abstammung spielen eine zentrale Rolle in der Geschichte, die in dem australischen Kriegsfilm Kokoda aus dem Jahr 2006 erzählt wird. Die australische Patrouille im Film wird von Max Scholt angeführt, der aus einer deutsch-australischen Familie stammt, und zu der auch sein Bruder Jack gehört. Zufälligerweise wird Max von dem Schauspieler Simon Stone gespielt, der in Basel in der deutschsprachigen Schweiz geboren wurde, und Jack von Jack Finsterer, einem australischen Schauspieler mit deutschen Wurzeln. In einer Szene des Films wartet die Einheit in der Nähe von Isurava auf den Angriff der Japaner. Die beiden Scholt-Brüder unterhalten sich leise und testen sich gegenseitig mit deutschen Wörtern, an die sie sich aus ihrer Kindheit erinnern. Max Scholt sagt zu seinem Bruder Jack: »Das ist der [sic] Bank. Das ist das Rathaus. Das ist die Post. Das ist... hey, what's ›library‹ again?« (Hey, wie heißt noch mal ›library‹?)

Max Scholt ist verletzt und muss in einer Hütte zurückgelassen werden. Als Jack schließlich die Hütte verlässt, sagt er zu seinem Bruder als letztes: »Bibliothek – das ist deutsch für library.«

Später im Film unterhält sich Max mit einem jungen Soldaten namens Johnno, der an schwerer Ruhr leidet und sich freiwillig bereit erklärt hat, in der Hütte zu bleiben und sich um Max zu kümmern. Johnno sagt an einer Stelle (hier in Übersetzung): »Ich hätte nie gedacht, dass ich mich in dieser Situation mit einem Kraut anfreunden würde. Die Dinge ändern sich wohl.« (Die deutsche Wikipedia erklärt den Begriff Kraut in der englischen Sprache.)

In einem Interview mit Urban Cinefile (einem australischen Online-Filmmagazin, das heute nicht mehr im Internet zu finden ist) erklärte der Schauspieler Jack Finsterer im April 2006, dass einer der Gründe, warum er sich mit der Figur des Jack Scholt verbunden fühlte, darin lag, dass sowohl er als auch seine Figur halb deutsch sind und Jack heißen.[9]

Namensänderungen

In Südaustralien, dem Bundesstaat mit der längsten Geschichte großer Migrationsbewegungen aus Deutschland, war die Erfahrung der australischen Bürger deutscher Abstammung mit dem Zweiten Weltkrieg an der Heimatfront milder und weniger bitter als zeitweise im Ersten Weltkrieg. Der Historiker Ian Harmstorf berichtet, dass im Ersten Weltkrieg 179 Menschen in Südaustralien ihren Namen von einem deutschen in einen anglo-keltischen Namen änderten. Während des Zweiten Weltkriegs änderten nur drei Menschen in Südaustralien ihren deutschen Nachnamen.[10]

Während des Zweiten Weltkriegs waren deutsche Ortsnamen in Australien (die den Ersten Weltkrieg überstanden hatten) weniger bedroht als im Ersten Weltkrieg. Im Jahr 1917 war der südaustralische Ortsname Klemzig einer von vielen deutschen Namen, die die südaustralische Regierung durch einen Parlamentsbeschluss änderte. Klemzig wurde zu Gaza (der neue Name erinnerte an eine Schlacht im Ersten Weltkrieg in Palästina). Im Jahr 1935 führte die Regierung den deutschen Namen Klemzig wieder ein. Während des Zweiten Weltkriegs baten einige Einwohner von Klemzig die Regierung, den Ortsnamen wieder in Gaza zu ändern, aber die Regierung lehnte diesen Antrag ab.[11]

nach dem Krieg

Die Verschlechterung der westlich-sowjetischen Beziehungen und die Politik des Kalten Krieges in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg waren ein Grund dafür, dass sich die Haltung der Australier gegenüber den Deutschen schneller verbesserte als nach dem Ersten Weltkrieg. Westdeutschland wurde in Westeuropa integriert, und die Australier wurden gegenüber der Sowjetunion misstrauischer.[12] Trotz des schlechten internationalen Rufs Deutschlands im Jahr 1945 belegten die Deutschen in der ersten nach dem Krieg durchgeführten Meinungsumfrage im Jahr 1948 bei den Australiern den zweiten Platz nach den Briten als gewünschte Einwanderer.[13]

Viele Deutsche, die den Krieg in Internierungslagern verbracht hatten, waren verärgert über die Jahre der Gefangenschaft, aber für einige von ihnen schien ein Verbleib in Australien attraktiver als die Rückkehr in das damals geteilte und zerstörte Deutschland. Die ursprünglichen deutschsprachigen Heimatländer einiger dieser Internierten lagen aufgrund der Grenzveränderungen nach dem Krieg nicht mehr in Deutschland. Um in Australien bleiben zu können, waren viele Deutsche bereit, zu vergeben und zu vergessen, wie ihre Jahre der Internierung gewesen waren.[14]

♦ Einzelnachweise:

1. Duan (2021), S.238-239

2. Boyd, Julia. (2018). Travellers in the Third Reich. London: Elliot and Thompson Books. S.412

3. Duan (2021), S.242

4. Duan (2021), S.10, 26-27

5. (1940, 4. Januar). Advocate (Melbourne, Vic. : 1868 - 1954), S. 10. Abgerufen am 26. Mai, 2025, von <http://nla.gov.au/nla.news-page20418132>. Francis Davitt, “Passing Shots: War Time”.

6. Duan (2021), S.94-95

7. Ray, M. (2025, 13. Februar). Burma Railway. Encyclopedia Britannica. <www.britannica.com/topic/Burma-Railway>

8. Tampke (2006), S.138

9. Kokoda. In 'The World of Film in Australia - on the Internet' (www.urbancinefile.com.au – Website nicht mehr online). Veröffentlicht am 20. April, 2006.

10. Harmstorf, Ian. (1994). South Australia’s Germans in World War II. In: Insights into South Australian History, vol. 2, South Australia’s German History and Heritage. Historical Society of South Australia Inc. S.70

11. Kupke, Lyall. (2017). The restoration of German place-names in South Australia. Journal of Friends of Lutheran Archives, 27, S.58

12. Duan (2021), S.248

13. Tampke (2006), S.138

14. Monteath, Peter. (2018). Captured lives : Australia's wartime internment camps / Peter Monteath. Canberra, ACT : NLA Publishing. S.231, 233

♦ Literatur:

Duan, Trent. (2021). A Quarrel with the German People? The Totalising Logic of Enmity, Narratives of Enmity and the “German Question” on the Australian home front during the Second World War. (Doktorarbeit, University of Melbourne). Minerva Access, online unter <https://hdl.handle.net/11343/280313>.

Tampke, Jürgen. (2006). The Germans in Australia. Port Melbourne (Victoria): Cambridge University Press