»Feine« deutsche Biere nicht mehr cool

Eine Auswirkung des Ersten Weltkriegs auf Deutsch-Australien

Vor dem Ersten Weltkrieg galten Biere aus Deutschland (die nach Australien importiert wurden) und deutsche Bierstile als Inbegriff der Bierkultur und als Standard, dem australische Brauereien nacheifern sollten. Australische Brauereien verwendeten die deutschen Namen und die deutsche Schreibweise von Bierstilen, weil sie mit hoher Qualität assoziiert wurden. Ein Beispiel dafür ist die Schreibweise ›bier‹ an diesem dekorativen Werbespiegel von der Melbourne Brewery and Distillery Company gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

(Foto © D. Nutting) Werbespiegel

Ein australischer Kneipenspiegel aus dem späten 19. Jahrhundert, mit deutschen Bierbegriffen.

Es scheint, dass deutsches Lagerbier im späten 19. Jahrhundert von den ›Kolonialherren‹ tatsächlich geschätzt wurde und einen beträchtlichen Aufpreis gegenüber ›kolonialem Lagerbier‹ kostete (...) Die Nachfrage nach Importen führte sogar zu einem Handel mit gefälschtem deutschen Bier.[1]

Matt Kirkegaard (hier in Übersetzung)

Im November 1914, nicht lange nach Beginn des Ersten Weltkriegs, wurde die deutsche Bierkultur in Australien aus der Mode gebracht. Wie John Molony (emeritierter Professor für Geschichte an der Australian National University) schrieb (hier in Übersetzung): »Patriotismus in vielen Formen erfasste Schurken und Anständige gleichermaßen. Jeder, der etwas mit Deutschland zu tun hatte, sei es eine Person, ein Ort oder ein Produkt, wurde diskriminiert, interniert oder abgelehnt, oder sein Name wurde geändert.«[2]

Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 wurde die Einfuhr von Bier aus Deutschland nach Australien eingestellt. Im Jahrzehnt zuvor war importiertes Lagerbier in Flaschen in Mode gekommen. Beck's und Holsten, neben anderen Marken, waren im Sommer 1913/14 sehr beliebt.[3]

Dr Brett Stubbs (hier in Übersetzung)

Im November 1914 schrieb das Australian Brewers' Journal patriotisch über diese Veränderung (hier in Übersetzung):[4]

Foster’s Lager

Zur Zeit läuft in ganz Australien eine große Werbekampagne für das Foster's Lagerbier. Die teutonischen Marken, die seit einiger Zeit vom »Feind« hierher exportiert werden, sind tabu; aber glücklicherweise haben wir Lagerbiere, die in unserem eigenen Land hergestellt werden, die den »edlen« Marken durchaus ebenbürtig, wenn nicht sogar besser sind. Wir verweisen auf Foster's, Victoria »Pilsener«, »Konig«, Resch's (Sydney) und andere, die alle gesunde, erfrischende, reine und spritzige Getränke sind.

Offenbar konnten sich die Brauer nicht völlig von der deutschen Bierkultur und dem deutschen Brauhandwerk distanzieren; sie benutzten noch immer die deutschen Wörter ›lager‹ und ›Pilsener‹ für bestimmte Bierstile und feierten australische Biermarken mit deutschen Namen (»Konig«). Die Schreibweise von ›lager‹ mit einem kleinen ›L‹ zeigt, wie das Wort inzwischen in die englische Sprache integriert wurde.

(eingescannter Artikel) Zeitungsartikel

Ein Auszug aus einem Teil des Australian Brewers' Journal vom November 1914.

Die Carlton & United Breweries stellten jedoch 1914 ihre Lagerbiermarken Bismarck, Rheingold und Strasburg ein. Das Foster's Lager, das englischer klang, wurde beibehalten, aber in der Kriegswerbung wurde betont, dass es ›nicht von Deutschen hergestellt oder verkauft‹ wurde (»not manufactured or sold by Germans«) und dass es ›ausschließlich von Briten hergestellt und kontrolliert wurde‹.[5]

Edmund Resch

Eine der lokalen Biermarken, die in dem Artikel im Australian Brewers' Journal erwähnt wurde, war Resch's. Resch's Limited wurde von dem deutsch-australischen Bierbrauer Edmund Resch gegründet, der 1863 nach Australien gekommen war. Angela George zufolge ist Resch's ›eine Erfolgsgeschichte der Einwanderung in Australien‹[6] Resch's-Biere werden auch heute noch verkauft, insbesondere in New South Wales. Edmund Resch trug während des Ersten Weltkriegs viel Geld zu den Kriegsanstrengungen Australiens bei. Dennoch internierte ihn die Regierung 1917 im Internierungslager Holsworthy, obwohl er seit mehr als 50 Jahren in Australien lebte. Edmund Resch starb im Jahr 1923.

♦ Einzelnachweise:

1. Kirkegaard, Matt. (2012). What is the real history of Crown Lager? Australian Brews News. 16. Juli, 2012. <http://www.brewsnews.com.au>. Abgerufen 30.11.2013 – nicht mehr online.

2. Molony, John N. (1987). The Penguin bicentennial history of Australia : the story of 200 years. Ringwood (Victoria) : Viking. S.221

3. Stubbs, Brett. (2012). Beer and war in Australia. Australian Brews News. 17. Juli, 2012. <http://www.brewsnews.com.au>. Abgerufen 30.11.2013 – nicht mehr online.

4. 'Foster's Lager'. (1914, 20. November). In: The Australian Brewers' Journal. S.69

5. Stubbs (2012).

6. George, Angela. (2012). The Resch brothers, brewers & aerated water manufacturers. Aussie bottle blog. 30. Mai, 2012. Online at Blogspot. Abgerufen 12.11.2013.