Deutschland - zu viel Ordnung?
Eine Fotocollage mit Schildern, die verschiedene Aktivitäten regeln oder verbieten: das Parken von Fahrrädern, geregelte Uhrzeiten für das Einwerfen von Flaschen in Recyclingtonnen usw.
Einige deutsche Auswanderer finden, dass Australien ein weniger reglementiertes
Land als Deutschland ist (zum Beispiel, Regine).
Sicher sind solche Verbotsschilder (siehe Fotos oben) in Australien nicht so
weitverbreitet wie in Deutschland. Ein Sprichwort besagt, dass die Deutschen
Ordnung besonders mögen (Ordnung muss sein!).
Das Foto oben links zeigt eine Mülltonne für Altglas. Die Einwurfzeiten sind
vorgeschrieben.
Barbara ist eine bekannte deutsche Street-Art-Künstlerin. Mit Zetteln, kleinen Plakaten und viel Wortwitz gestaltet Barbara Verbotsschilder, Hinweistafeln und Werbeplakate in deutschen Städten um. Sie überklebt die ursprünglichen Schilder. Die überregionale deutsche Tageszeitung Die Welt fragte Barbara 2015: »Gibt es so etwas wie eine spezifisch deutsche Verbotskultur?« Barbara antwortete: »Verbote gibt es überall, einige sind bestimmt auch hilfreich und nützlich. Ich denke aber, dass es in Deutschland eine besonders ausgeprägte Ordnungskultur gibt.«[1]
Australien nicht mehr so entspannt?
Vielleicht gibt es im 21. Jahrhundert mehr Regeln in Australien als früher. Im Vorfeld des Großen Preises (Formel-1-Rennen) von Australien 2010 hat sich der australische F1-Pilot Mark Webber über die Straßenverkehrsordnung in Australien aufgeregt. Er verspottete die Straßenverkehrsregeln und Parkbeschränkungen und schlug einen Bogen zum Alltag.
Webber sagte den Fans seines Red Bull Racing-Teams: (hier in Übersetzung) »Ich denke, wir müssen schon eine Gebrauchsanweisung lesen, wenn wir morgens aufstehen - was wir tun dürfen und was nicht ... zieh eine gelbe Schutzweste an und all der Kram. Es hat sich sicherlich anders entwickelt, seit ich hier weggegangen bin. Es ist ein großartiges Land, aber wir müssen für unsere Handlungen verantwortlich sein, und es ist sicherlich ein verdammter Nanny-Staat, wenn es darum geht, was wir tun dürfen.«[2]
Jochen Buchsteiner, Korrespondent für die deutsche Tageszeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung, schrieb einen Artikel mit dem Titel: ›Kontrollieren, regeln, beschützen: Australien erstickt an seinen Vorschriften‹.[3]
Australien steht eigentlich im Ruf, „laid back“ zu sein, also entspannt, auch ein bisschen ungeordnet. Manche halten es sogar für ursprünglich, wenn nicht gar für wild, für so wild jedenfalls, dass dort ein „Dschungelcamp“ organisiert wird. Aber seit die Australier wohlhabend geworden sind und viel mehr Geld verdienen als zum Beispiel der Durchschnittsdeutsche (in der EU stünden sie mit ihrem Pro-Kopf-Einkommen an zweiter Stelle), haben sich die Prioritäten verschoben. Nun wird auch in „Down Under“ kontrolliert, geregelt und beschützt.
Jochen Buchsteiner
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♦ Einzelnachweise:
1. Paetow, Florian. (2015, April 26). „Bekleben verboten“ – Jetzt erst recht! Die Welt. Online hier.
2. Litras, Peter, & Spits, Scott. (2010, März 29). Mark Webber attacks 'nanny state'. Sydney Morning Herald. Online hier.
3. Buchsteiner, Jochen. (2011, Februar 8). Kontrollieren, regeln, beschützen: Australien erstickt an seinen Vorschriften. Frankfurter Allgemeine Zeitung. Online hier.