Inge King
Bildhauerin
Inge King (1915-2016), die mit vollem Namen Ingeborg Viktoria Neufeld hieß und in Berlin geboren wurde, war eine deutsch-australische Künstlerin, die vor allem als Vorreiterin bei der Entwicklung der nicht-figurativen Skulptur in Australien bekannt ist (nicht-figurative Skulptur ist eine Art abstrakte Skulptur, bei der nicht versucht oder beabsichtigt wird, Formen oder Figuren realistisch darzustellen).
Ihre Ausbildung absolvierte sie in Deutschland (an der Berliner Kunstakademie), bis sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft das von den Nazis kontrollierte Deutschland verlassen musste. Es war ihr möglich, nach Großbritannien zu fliehen, wo sie sich in London (Royal Academy of Arts) und in Schottland in Glasgow (Glasgow School of Art) ausbilden und studieren konnte. Ende der 1940er Jahre lebte sie für kurze Zeit in Paris und in New York, bevor sie 1951 mit ihrem australischen Ehemann, dem Grafiker Grahame King, den sie Ende der 1940er Jahre in einer Künstlerkolonie in London kennengelernt hatte, nach Australien zog.
In Melbourne arbeitete sie zunächst als Schmuckherstellerin und Bildhauerin aus Holz und Stein und war in den frühen 1950er Jahren Mitbegründerin einer Gruppe von Bildhauern in Melbourne, die als ›The Group of Four‹ bekannt wurde. Um 1959 begann sie sich mit Schweißen und Stahl zu beschäftigen. Sie wurde durch große Auftragsarbeiten bekannt - ihr erster großer Auftrag für eine öffentliche Skulptur war ihr siegreicher Entwurf für das RAAF Memorial in Canberra (1971).[1]
Ihr bekanntestes Werk ist Forward Surge (prominent auf dem Platz vor dem Melbourne Arts Centre), das 1974 vom Victorian Arts Centre in Auftrag gegeben und 1975 fertiggestellt wurde. ›Seine monumentalen Ausmaße, sein trotziges monochromes schwarzes Finish und seine harte und kompromisslose Form markieren eine wichtige Errungenschaft in der modernistischen Skulptur‹.[2] King betrachtete ihre Arbeit als Teil der Landschaft und freute sich, wenn Kinder physisch mit ihr interagierten.[3] Mit den großen Kurven und Wellen aus Stahl von Forward Surge freute sich King darüber, dass Menschen durch die Skulptur gingen und sie als Treffpunkt nutzten. Forward Surge erforderte viel Planung, und King bat spezialisierte Ingenieure um Hilfe bei der Vorbereitung.[4] In der Zeitung The Age berichtete Sonia Harford 2014 (hier in Übersetzung), dass Kings »große Skulpturen in Parks und neben Autobahnen stehen. Red Rings steht neben dem EastLink [= einer Autobahn im Osten von Melbourne]. Studenten essen in der Nähe des Sun Ribbon an der Universität von Melbourne zu Mittag. Die Shearwater-Skulptur breitet ihre Flügel in Southbank aus, und das Heide Museum of Modern Art beherbergt Rings of Saturn.«[5]
Forward Surge neben dem Arts Centre in Melbourne.
King war der Meinung, dass die australische Landschaft ihre Arbeit stark beeinflusst hat - wäre sie in Europa geblieben, wäre ihr Werk vielleicht ganz anders geworden.[6] Sie hatte viele Einzelausstellungen, und ihre Skulpturen sind in vielen Galerien zu sehen, auch in der australischen Botschaft in Washington DC in den USA.[7]
Inge Kings Stahlskulptur mit dem Titel Island Sculpture von 1991 auf dem Gelände des ›McClelland Sculpture Park‹ in Langwarrin, Victoria.
Fotoquelle: Robin Whittle, CC BY-SA 2.5 AU, via Wikimedia Commons
King lehrte von 1976 bis 1987 Bildhauerei an der RMIT-Universität und wurde im Januar 1984 mit dem Order of Australia ausgezeichnet.
♦ Einzelnachweise:
1. McCulloch (1994), p.390 / Northover (2014), S.24-25
2. Grishin, Sasha. (2013). Australian art : a history. Carlton (Victoria) : The Miegunyah Press., S.470 (hier in Übersetzung)
3. Northover (2014), S.24-25
4. Williams, Donald (Donald Sidney). (2002). In our own image : the story of Australian art 1788-1989 / Donald Williams. 4th edition. Sydney: McGraw-Hill. S.186
5. Harford, Sonia. (2013, 17. August). Sculptor's monumental efforts celebrated in show of her life's work. The Age. Abgerufen am 22.04.2014 auf der The Age-Website.
6. Northover (2014), S.24-25
7. McCulloch (1994), S.390
♦ Literatur:
McCulloch, Alan & McCulloch, Susan. (1994). The encyclopedia of Australian art / Alan McCulloch. St Leonards, N.S.W. : Allen & Unwin. S.390
Northover, Kylie. (2014, 19. April). Formed by nature. Spectrum (in The Saturday Age), S.24-25