›Jennings-Germans‹

Die Jennings-Deutschen

Im Jahr 1951 erhielt das Bauunternehmen A.V. Jennings von der Bundesregierung Australiens den Auftrag, innerhalb von zwei Jahren 1.850 Häuser in Canberra zu errichten. Im Laufe der Zeit wurde A.V. Jennings klar, dass die Fortschritte bei der Erreichung dieses Ziels nicht gut aussahen, und zu dieser Zeit war es schwierig, Zimmerleute und Bauarbeiter für eine Tätigkeit in Canberra zu gewinnen. A.V. Jennings erhielt die Erlaubnis, unverheiratete qualifizierte Bauarbeiter aus Deutschland anzuwerben.

AV Jennings schaltete Anzeigen in Zeitungen, Fachzeitschriften und im Radio in ganz Deutschland, um die besten Handwerker für die offenen Stellen zu finden. Darin wurden die hohen Löhne, die Lebensbedingungen und die Möglichkeiten in Australien beschrieben, und es hieß: »Die deutschen Handwerker werden in Australien ein ganz anderes und glücklicheres Leben führen können als hier in Deutschland«.[1]

Canberra Museum & Gallery

Die Reisekosten der deutschen Bauarbeiter nach Australien wurden von ihren Löhnen abgezogen. Die meisten von ihnen waren von den sehr einfachen Unterkünften, die ihnen in Kasernen und Wohnheimen zur Verfügung gestellt wurden, nicht begeistert. Einige Bauarbeiter brachen sogar ihren Vertrag und verschwanden. Die Gewerkschaft unterstützte die »Jennings-Deutschen«, und der lokale Newsletter der Gewerkschaft enthielt regelmäßig eine deutschsprachige Seite mit Informationen und Nachrichten (der Newsletter enthielt auch eine italienischsprachige und eine polnischsprachige Seite).[2] Die Jennings-Deutschen bauten in Canberra viele öffentliche und private Wohnhäuser (in Vororten wie Yarralumla, Ainslie, O’Connor, Turner und Deakin) sowie Teile der Australian National University, Botschaften, Schulen, Geschäfte und Kirchen.[3]

Aus deutscher Sicht

(Ein Jennings German beschreibt das Projekt.)

Im Jahre 1951 bekam A. V. Jennings (Australien) einen Auftrag, 1.850 Häuser in Canberra zu bauen und um diese Zeit hatte Australien einen großen Mangel an Zimmerleuten. Um den Auftrag zu erfüllen, erhielt A. V. Jennings die Genehmigung, Arbeiter in Deutschland zu werben. Sie schickten einen Lehrer und einen Gewerkschaftsvertreter mit carpenters-Beruf nach Deutschland, um die Angeworbenen im Beruf zu prüfen.

Über zwei Tausend Schreiner und Zimmerleute haben sich gemeldet. Also mussten die Prüfungen sehr schwer gemacht werden, denn es waren nur 150 Schreiner benötigt. Eine Äußerung der Vertretung von Australien war: »Kein Australier im Schreiner- oder Zimmerman-Beruf hätte die Prüfung bestanden«. Einhundertfünfzig Schreiner, einschließlich Zimmerleute, Treppenbauer und Möbelpolierer kamen in den Jahren 1951 und 1952 nach Australien.

Es war ein Experiment für die Einwanderer aus Deutschland. Der Vertrag war für zwei Jahre und sollten die Gewählten sich nicht nach Gefallen der Regierung benehmen, konnten sie ohne weitere Fragen zurück gesandt werden. Es war kalkuliert, es würde zwei Jahre brauchen um 1500 Hauser zu bauen, der Vertrag war nach weniger als 18 Monaten fertig, kein einziger Arbeiter wurde zurückgesandt, jeder konnte sich hier einheimisch machen. Zwei Drittel der carpenters blieben hier.

Die Hundertfünfzig waren alle gute ehrliche und zuverlässige Arbeiter aus guten Familien und politisch nicht belastet, waren nach kurzem Hiersein nur als sehr gute Neuaustralier geschätzt und beliebt. Viele Anerkennungen wurden von Politikern und Staatsbeamten geäußert, auf welche die ersten deutschen freien Einwanderer sehr stolz sein können. Es war auch durch den Fleiß und Arbeit der Jennings-Germans, dass der German Harmonie Club in Narrabundah A.C.T. zu Stande kam. Im Jahre 2002 werden die Jennings-Germans ihr 50-jähriges Hiersein feiern.

Text freundlicherweise für diese Website von Karl Cloos (einem Jennings-German) geschrieben - Februar 2001

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Neuaustralier - der englische Ausdruck New Australian war viele Jahre lang ab den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts eine populäre Bezeichnung für Einwanderer.

♦ Einzelnachweise:

1. Canberra Museum & Gallery. Building a Life. The Jennings Germans story. Opportunity calls. (Hier in Übersetzung)

2. Brown, Nicholas. (2014). A history of Canberra. Port Melbourne, VIC : Cambridge University Press. S.136

3. Canberra Museum & Gallery. Building a Life. The Jennings Germans story. Life after Jennings.

♦ Literatur:

Canberra Museum & Gallery. (o.D.) Building a Life. The Jennings Germans story. (Website einer Ausstellung)

Cloos, Karl. (2000). To build a nation's capital : a migrant's story / by Karl A. Cloos. Mawson, A.C.T. : K. Cloos

Stuetz, Alfons. (1986). History of the Jennings' Germans 1951 to 1986 / compiled and edited by Alfons Stuetz. Canberra : A. Stuetz

Siehe auch einen Zeitungsartikel aus der Canberra Times, 1977, in englischer Sprache