Queensland

Deutsche Besiedlung im 19. Jahrhundert in Queensland - Überblick

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Missionare und die ›German Station‹

Im Jahr 1837 rekrutierte ein schottischer Geistlicher aus Sydney namens John Dunmore Lang zwei deutsche Missionare und mehrere Laienbrüder aus dem Kreis der Gossner Mission (eine Missionsanstalt in Berlin) für die Aufgabe, die Ureinwohner im Gebiet der Moreton Bay zum Christentum zu bekehren. Diese Gruppe von Missionaren gründete 1838 in der Nähe des heutigen Brisbane eine Missionsstation, die sie Zion's Hill nannten.[1] Später (1850er bis 1882) war die Siedlung unter dem Namen ›German Station‹ bekannt, und seit 1882 heißt der Ort Nundah. Trotz ihrer Bemühungen unter unvorstellbaren Strapazen gelang es ihnen nicht, die Eingeborenen zu bekehren.

Die Mitglieder der Mission waren: Johann Peter Niquet [Maurer] (mit Ehefrau Maria); August Rode [Tischler] (mit Ehefrau Julia); Johann Leopold Zillmann [Schmied] (mit Ehefrau Clara); Gottfried Haussmann [Landwirt] (mit Ehefrau Wilhelmina); Wilhelm Hartenstein [Weber] (mit Ehefrau); Friedrich Theodor Franz [Schneider] (mit Ehefrau Maria); Gottfried Wagner [Schuhmacher]; August Albrecht [Schuhmacher]; Ludwig Döge [Gärtner]; Moritz Schneider [medizinischer Missionar]; Wilhelm Schmidt [ordinierter Missionar] (mit Ehefrau); Christoph Eipper [ordinierter Missionar] (mit Ehefrau Harriet).[2]

Ludwig Leichhardt, der berühmte Forschungsreisende, war 1843 eine Zeit lang Gast in der Zion’s Hill Mission und schrieb in einem Brief an einen Freund in Sydney eine positive Beschreibung der kleinen Gemeinschaft von Missionaren und ihren Familien. Die Männer waren (hier in Übersetzung) »ausgezeichnete, einigermaßen gebildete Männer« und ihre Frauen waren fleißig. Die Kinder waren »die gehorsamsten, die am wenigsten lästigen Kinder, die ich in dieser Kolonie oder anderswo gesehen habe«. Er betonte, wie freundlich die Missionare immer zu den australischen Ureinwohnern waren.[1]

Nach mehreren Jahren hörte die Regierungsunterstützung für die Mission auf, und die Missionare mussten dann alleine klar kommen. Einige waren Handwerker, andere gingen in die Landwirtschaft.[3]

Die Namen vieler der Zion’s Hill Missionare sind in Straßennamen in der Gegend um den Brisbaner Vorort Nundah und in etwas weiter entfernten Vororten zu finden, z. B. Rode Road in Chermside und Wavell Heights; Zillman Water Holes, Zillmere, und Zillman Road in Hendra; Gerler Road in Hendra; Franz Road in Clayfield und Hendra; Wagner Road in Clayfield; Nique Court in Redcliffe; Haussmann Court in Meadowbrook (Loganlea) und Haussmann Lane in Upper Caboolture.[2]

Der Pastor und der Eureka-Rebell

Zwei der Laienbrüder der deutschen Missionsstation, Hausmann und Niquet, folgten der Einladung von Pastor Matthias Goethe, dem Leiter der lutherischen Kirche in Victoria, sich für die lutherische Kirche in Victoria als Pastoren zu qualifizieren. Sie studierten an der theologischen Hochschule von J.D. Lang in Sydney, dann ging Hausmann in die deutsche Gemeinde in Germantown bei Geelong und Niquet in die Gemeinde in Ballarat. Während seiner Zeit in der lutherischen Kirche von Ballarat war Niquet 1859 Trauzeuge bei der Hochzeit des deutschen Eureka-Stockade-Rebellen Friedrich Vern und seiner Frau Margaret Mary Walsh.[4] Später arbeitete Niquet als Pfarrer in lutherischen Gemeinden in Hahndorf und im Barossa Valley in Südaustralien.

Queensland trennt sich von NSW

Queensland trennte sich 1859 von New South Wales und wurde selbständige Kolonie. Im Jahre 1861 waren nur etwa 2000 Deutsche in Queensland, und die meisten von ihnen waren Arbeiter and Handwerker in den Städten. Die Goldfunde der frühen 50er-Jahre machten Australien zu einem populären Ziel für viele Europäer, und 1852 begannen regelmäßige Schiffdienste aus Hamburg für Auswanderer. Trotzdem gingen bis in die frühen 60er-Jahre sehr wenige deutsche Auswanderer nach Queensland; in Europa hörten deutsche Auswanderer wenig über den Norden Australiens, die Verbindungswege zwischen den südlichen Teilen Australiens und dem Norden waren nur schwach ausgebaut, die Leute hatten nicht viel Erfahrung mit subtropischer Landwirtschaft, und das Goldfieber zog die Leute nach Victoria und New South Wales.

Heußler - Einwanderungsagent

Die erste Regierung Queenslands etablierte ein Komitee unter der Führung von Dr John Dunmore Lang (Leiter der Presbyterianischen Kirche in Australien). Dieses Komitee schickte Johann Christian Heußler, einen erfolgreichen deutschen Geschäftsmann in Brisbane, nach Deutschland als Einwanderungsagenten, um Einwanderer für die neue Kolonie anzuwerben. Er konnte den Auswanderern attraktive Angebote machen, mit freier Überfahrt und guten Löhnen, sowie mit dem Recht, ein Grundstück im Wert von £12 zu wählen, nachdem ihre vertraglich vereinbarte Dienstzeit (gewöhnlich zwei Jahre) bei einem örtlichen Arbeitgeber vorbei war. Dieser Arbeitgeber hatte die Schiffspassage des Einwanderers bezahlt. Heußler machte seine Aufgabe gut und Deutsche kamen während der nächsten zehn Jahre in großen Zahlen in Queensland an, die meisten in Familiengruppen. Diese Zeit war aber eine Periode von besonders hoher Auswanderung aus Deutschland (Überbevölkerung in manchen Staaten, Angst vor Preußens Kriegen gegen Dänemark, Österreich und Frankreich); und Queenslands Einwanderungsprogramm zog Vorteile daraus.[5]

Als Arbeiter waren sie bei den Arbeitgebern beliebt: weil sie nicht viel Englisch konnten, war es für jemanden schwierig, der zwischen ihnen und ihrem Arbeitgeber Unfrieden stiften wollte, vom Aussehen her waren sie wie ihre Nachbarn britischer Abstammung, und sie waren christlich, was Dr Lang passte.

»Quälsland« und ›German fools‹

Sie bauten ihre ersten Häuser aus Schlamm und Stroh, aber nachdem sie ihre ersten Ernten verkauft hatten, bauten sie solidere Häuser mit Holzwänden und Dachschindeln. Die Deutschen zogen in die ersten Gebiete ein, die die Regierung für landwirtschaftliche Besiedlung frei machte, und einige dieser Gebiete waren hügelig, und es war sehr mühsame Arbeit, das Gestrüpp für den Ackerbau zu roden; sie mussten alles mit Handgeräten machen (sie hatten nur Sachen, die sie selbst in die Gegend tragen konnten). Sie mussten die Saaten vor Kängurus, Ratten und Vögeln schützen; gewöhnlich haben die Kinder diese Arbeit getan. Angeblich sprachen die deutschen Siedler manchmal von Queensland als Quälsland (Land von Qualen)! Diese Art Terrain war für kleine Bauernhöfe mehr geeignet, und die meisten Deutschen in Queensland stammten aus ländlichen Gegenden, wogegen die meisten britischen Einwanderer aus Städten stammten.

Um 1864 entstanden geschlossene deutsche Ansiedlungen in der Gegend von Rosewood, westlich von Ipswich. »Dort war der Urwald fast undurchdringlich, und die ersten Pioniere, die dort zur Zeit die Axt anlegten, wurden von den Engländern als deutsche Narren (German fools) verspottet.« Trotzdem florierten die kleinen deutschen Farms dort. Die Deutschen arbeiteten mit Beharrlichkeit und Zähigkeit, um ihre kleinen ländlichen Bauernhöfe erfolgreich zu machen.[6]

Foto: Rosewood-Siedler

Deutsche Siedler bei Rosewood (südwestlich von Brisbane), circa 1880. Hinter den Gebäuden auf dem Foto sieht man das dichte Akazien-Gestrüpp der Gegend; es war sehr schwere Arbeit, es zu roden.

Foto: John Oxley Library, neg #60641

Sir Thomas McIlwraith (dreimal Ministerpräsident von Queensland zwischen 1879-1893), sagte im Queensland-Parlament:[7]

Having disembarked from the ships and spent one or two days in the Immigration Depot, the German immigrants disappear. One hears or sees nothing of them for 18 months or a couple of years, when some fine day they return from the bush in their own attractive turn out, wife and children seated high, and all well-dressed and happy-looking.

Foto: Schild - Fleischfresser Gully

Fleischfresser Gully, eine Ortschaft in der Laidley-Gegend, und benannt nach der Familie Fleischfresser

Viele Schilder in der Laidley-Gegend zeugen von den deutschen Siedlern, die im 19. Jahrhundert dort Farmen anlegten. Die Farmen liegen direkt an der Straße und man sieht an den Briefkästen, dass dieselben Familien noch heute dort leben.

♦ Einzelnachweise:

1. Lang, John Dunmore. (1861). Queensland, Australia : a highly eligible field for emigration, and the future cotton-field of Great Britain: with a disquisition on the origin, manners, and customs of the Aborigines.  London : Edward Stanford. S.394-395

2. Langbridge, Catherine. & Sloan, Robert. & Ganter, Regina. (o.J.). Zion Hill Mission (1838-1848). In: German Missionaries in Australia - A web-directory of intercultural encounters. <http://missionaries.griffith.edu.au/qld-mission/Zion-Hill-Mission-1838-1848>

3. Lodewyckx (1932), S.59-60

4. Jenzen, Gerald. (2020, 19. August). (Friedrich-Vern-Forscher). Persönliche Mitteilung (Email) - Verns Trauschein.

5. Bennett, Trudy. (2012, 1 June). A Colourful Character. John Oxley Library (blog). (Article about Johann Christian Heussler) <www.slq.qld.gov.au/blog/colourful-character>

6. Lodewyckx (1932), S.62 / Evans, Raymond. (2007). A history of Queensland. Cambridge & Port Melbourne : Cambridge University Press. S.91

7. Meyer (1990), S.68-69 / Mühling, E. (1898). Führer durch Queensland. Brisbane, Nord-Australische Zeitung. S.78

♦ Literatur:

Gassan, Kay. (1994). Where the eagle nested: a tribute to our German pioneers. Maryborough (Qld): Wise Owl Research Publishers.

Jurgensen, Manfred. & Corkhill, Alan. & University of Queensland. Department of German.  (1988).  The German presence in Queensland over the last 150 years : proceedings of an international symposium August 24, 25 and 26, 1987 University of Queensland, Brisbane, Australia.  St. Lucia [Qld.] :  Dept. of German, University of Queensland

Lodewyckx, Prof. Dr. A. (1932). Die Deutschen in Australien. Stuttgart: Ausland und Heimat Verlagsaktiengesellschaft. S.59-64

Meyer, Charles. (1990). A History of Germans in Australia 1839-1945. Clayton (Victoria): Monash University. S.65-81

Tampke, Jürgen and Colin Doxford. (1990). Australia, Willkommen. Kensington (NSW): New South Wales University Press. S.108-119