Der Erste Weltkrieg

Internierung

Während des Ersten Weltkrieges wurden 6890 Deutsche interniert, von denen 4500 vor 1914 in Australien wohnhaft waren; die Übrigen waren Seeleute von deutschen Kriegsschiffen oder Handelsschiffen, die die australischen Behörden in australischen Häfen bei Kriegsausbruch verhafteteten, oder sie waren deutsche Staatsbürger, die in britischen Territorien in Süd-Ost-Asien wohnten, und die auf Wunsch der britischen Regierung nach Australien transportiert wurden. Einige Internierte waren Besucher, die hier vom Kriegsausbruch überrascht wurden. Ungefähr 1100 der Gesamtzahl waren Staatsbürger des Österreichisch-Ungarischen Reiches, und von ihnen waren etwa 700 Serben, Croaten und Dalmatiner aus Österreich-Ungarn, die in den Bergwerken von Western Australia arbeiteten.

Einige Menschen deutscher Abstammung wurden interniert, obwohl sie in Australien geboren waren (und ihr ganzes Leben in Australien verbracht hatten). Dieses Schicksal betraf etwa 70 Australier deutscher Abstammung. Im Internierungslager Holsworthy schlossen sich einige dieser Menschen zusammen und gründeten die „Association of Interned Australian born Subjects” (Vereinigung internierter australischer Staatsangehöriger). Sie schrieben Briefe an die Regierung, in denen sie gegen ihre Behandlung, die Ungerechtigkeit dieser Inhaftierung ohne Gerichtsverfahren und die finanziellen Schwierigkeiten ihrer Frauen und Kinder zu Hause protestierten, aber der Minister blieb unbeeindruckt.[1]

Geschäftskonkurrenten & Unruhstifter in Gewerkschaften

Während des Ersten Weltkrieges wollte die australische Regierung verhindern, dass Firmen, die von Geschäftsleuten deutscher Abstammung betrieben wurden, mit »britischen« Firmen konkurrieren, falls Firmen, die Deutsch-Australier betrieben, irgendwie den deutschen Kriegskräften in Europa helfen könnten. Ein leichter Weg zu diesem Ziel war es, die Direktoren und Manager solcher Firmen zu internieren, selbst wenn sie naturalisierte britische Staatsbürger waren.

Beispiele:

Australische Arbeiter und selbständige kleine Geschäftsleute brauchten das Gefühl, dass auch sie etwas zu den Kriegsleistungen des Britischen Reiches beitrugen. Wenn sie nun der Regierung die Internierung eines Deutsch-Australiers empfahlen, waren sie patriotisch, aber sie wollten natürlich besonders gern das empfehlen, was ihnen einen persönlichen Vorteil brachte, zum Beispiel die Internierung eines Geschäftskonkurrenten. In Melbourne schickte Mr F.W. Abbott, der Manager von ›The Neway‹, einem Reinigungs- und Färberei-Unternehmen in der Little Collins St, an die Regierung die Namen von drei Geschäftskonkurrenten, die in seiner Behauptung Deutsche waren. Er schrieb:[5]

Cannot Germans trading under British names be made to disclose their names? This applies to all classes of business in Australia. There would be nothing harsh about such a regulation if passed as they will still have an open chance to trade and to get business from those people of Australia who are not loyal enough to stick to their own people.

Mr F.W. Abbott

Klar diente Mr Abbotts Beschwerde seinem eigenen Geschäftsinteresse. Die Regierung führte ein Gesetz ein, das es enemy aliens (Staatsbürgern des Feindes) verbot, ihre Namen zu ändern. Ein Kellner in Melbourne schickte den Behörden eine Liste mit den Namen von enemy aliens, die in verschiedenen Hotels und Cafés in der Stadt arbeiteten. Einige Professoren im Rat der Universität Melbourne verhinderten die Ernennung von zwei Dozenten deutscher Abstammung. Dr Maximilian Herz, Australiens berühmtester orthopädischer Chirurg, wurde interniert. Er hatte in Australien eine Pionier-Rolle in der orthopädischen Chirurgie gespielt.[6] Die Sydneyer Zweigstelle der British Medical Association (der damalige Name der Australian Medical Association) annullierte die Mitgliedschaft von deutsch-gebürtigen Ärzten und agitierte für die Deportierung von ihnen. Sie schrieb (hier in Übersetzung):

Es ist nicht im öffentlichen Interesse, dass Mediziner eines feindlichen Landes die Erlaubnis haben im Commonwealth zu praktizieren.

British Medical Association, Sydney

Ohne Zweifel hat es der Sydneyer Zweigstelle der British Medical Association nicht gefallen, dass Dr Herz die Maßstäben von australischen Ärzten auf verschiedenen Konferenzen vor dem Krieg kritisiert hatte.

Bei einer Gerichtssitzung in Temora, westlichem New South Wales, wurde »ein britischer Untertan« beschuldigt, obszöne Sprache in der Bar des Empire Hotel benutzt zu haben. Der Polizeirichter wies den Fall ab, weil die beiden Zeugen für die Anklagebehörde unnaturalisierte Deutsche waren. Er sagte ihnen (hier in Übersetzung):[7]

Man sollte Sie und Ihren Freund internieren. Es ist ein öffentlicher Skandal, dass die Bundesregierung es erlaubt, dass unnaturalisierte Deutsche in wehrfähigem Alter unter und in Konkurrenz mit britischen Untertanen arbeiten.

Polizeirichter N.A. Ormonde Butler

Aus dieser Aussage scheint es, dass eine nationale australische Identität damals noch nicht sehr entwickelt war; die Bindung an Großbritannien war sehr stark. Erst im Jahre 1949 hat eine australische Bundesregierung die australische Staatsbürgerschaft eingeführt.

Die Gewerkschaften waren gegen Deutsche in australischen Betrieben, egal ob sie Gewerkschaftsmitglieder waren oder nicht. Der Krieg verursachte einen Rückgang im Lebensstandard, höhere Arbeitslosigkeit und höhere Preise, und das brachte Feindseligkeit gegen Bürger deutscher Abstammung. In einigen Betrieben weigerten sich Australier, mit Deutschen zu arbeiten. Die australische Regierung betrachtete Deutsche als Unruhstifter in den Betrieben, die Streiks anzettelten, um die Kriegsleistung des Britischen Reiches zu schwächen und um Deutschland zu helfen.

Beispiele:

Punkt

Ernst Buchwitz, ein Arbeiter an der Baffle Creek Zuckerfabrik bei Bundaberg und ein Beamter in der Australian Workers Union (Australische Arbeitergewerkschaft), wurde interniert und später deportiert, weil er »Unruhe zwischen den Männern und der Fabrikleitung« anstiftete, eine Klage, die Buchwitz bestritt.[8]

Punkt

Friedrich Striowski war 1876 im Alter von 14 Jahren nach Australien gekommen und wurde 1904 eingebürgert. Anfang 1915 schrieb seine Frau Katherine an den Verteidigungsminister und bat um finanzielle Unterstützung für ihre sieben Kinder, da ihr Mann »nach vielen Jahren in der Gewerkschaft von seinen Gewerkschaftskollegen am Hafen von Melbourne aus dem Arbeitsverhältnis entlassen worden war«. Die Behörden untersuchten den Fall, stellten fest, dass die Familie in Not war, und erteilten Striowski eine militärische Arbeitserlaubnis für die Arbeit im Hafen. Vermutlich war die Atmosphäre im Hafen immer noch feindselig, denn trotz der Arbeitserlaubnis schien Striowski keine feste Arbeit zu finden, und da er kein Geld hatte, begab er sich am 23. Juni 1915 freiwillig in Internierung. Am selben Tag, an dem er freiwillig Kriegsgefangener wurde, brach sein ältester Sohn mit der australischen Armee nach Ägypten auf. Hätten Striowskis ehemalige Arbeitskollegen am Hafen von Melbourne ihn freundlicher aufgenommen, wenn sie gewusst hätten, dass sein Sohn in der australischen Armee im Ausland diente?[9]

Punkt

C.S. Schache, ein Hafenarbeiter in Gladstone, Queensland, und »ein Australier der zweiten Generation mit deutschem Großvater«, wurde interniert, weil er der Ortssekretär in der Workers' Political Organisation war.[10]

Punkt

Willy Gubba in Melbourne wurde interniert, weil er Mitglied der Australasian Socialist Party war. Er war Kellner in einem Restaurant im Besitz eines Deutsch-Australiers, und die Detektive, die den Fall für das Verteidigungsamt untersuchten, berichteten, dass sie hörten, dass »alle Deutschen in und um Melbourne von allen Schichten« das Restaurant besuchten. Es gab keinen Beweis, aber die Detektive kamen zum Schluss, dass andere Deutsche von größerem gesellschaftlichem und finanziellem Einfluss jemanden wie Gubba, als einfacher Kellner, benutzten, und dass das Restaurant der Kanal war, den Gegner Australiens benutzten, um den Sozialisten zu helfen, einen so starken Kampf gegen die Wehrpflicht zu führen.[11] Die australische Regierung glaubte, dass es überall in Australien deutsche Spione gab.

Die Pearse-Schwestern

Zwei australische Schwestern trugen ihr Leben lang die Folgen ihrer Internierung in ihrem eigenen Land mit sich – dies war das Ergebnis ihrer Ehe mit in Deutschland geborenen Männern. Die Schwestern waren Australierinnen der vierten Generation aus einer bekannten Familie in Fremantle, Westaustralien. Daisy Mildred Pearse heiratete 1913 in Fremantle Alfred Emil Schoeffel. Schoeffel wurde in Württemberg in Deutschland geboren, lebte aber seit langem auf Fidschi. Im Mai 1914 wurde er britischer Staatsbürger. Daisys Schwester, Mena Hallett ›Hally‹ Pearse, heiratete Schoeffels Cousin Alfred Thomas Karl Kienzle auf Fidschi. Kienzle leitete ein deutsches Unternehmen auf Fidschi und war seit Juni 1902 britischer Staatsbürger. Daisy und Hally lebten relativ friedlich in Fidschi, bis Fidschi später im Krieg von Australien die Erlaubnis erhielt, in Deutschland geborene Personen (auch wenn sie eingebürgerte britische Staatsbürger waren) und ihre Familien zur Internierung nach Australien zu schicken. Fidschi beschlagnahmte ihr Hab und Gut und verkaufte ihre Häuser ohne Entschädigung.

Die Schwestern wurden in das Internierungslager in Bourke im Outback von New South Wales geschickt. Sie wurden in dem alten, stillgelegten ehemaligen Empire Hotel untergebracht, wo die Bedingungen schmutzig waren – das Gebäude stand seit zwei Jahren leer. Die Einrichtungen in Bourke waren nicht sehr hygienisch, und viele der Gefangenen erkrankten an Ruhr, darunter auch Daisy und ihr kleiner Sohn Max. In Bourke gab es kaum medizinische Versorgung.

Die Inhaftierung beeinträchtigte die körperliche und geistige Gesundheit beider Schwestern für den Rest ihres Lebens. Der Brief, den Daisy nach dem Krieg an ihren westaustralischen Bundesparlamentarier Henry Gregory schrieb und in dem sie sich vehement über ihre Behandlung im Internierungslager beschwerte, führte jedoch dazu, dass sie und ihre Familie nicht zu den vielen Deutschen gehörten, die nach Deutschland deportiert wurden. Fidschi erlaubte ihnen nicht, in ihre dortige Heimat zurückzukehren.[12]

Internierung der Leiter der deutsch-australischen Gemeinschaft

Das Verteidigungsamt betrieb eine Politik, die Leute zu internieren, die es für Leitfiguren der deutsch-australischen Gemeinschaft hielt, besonders in Südaustralien und in Queensland, den Staaten mit dem höchsten Prozentsatz von Personen deutscher Abstammung, und auch wo es besondere Distrikte mit Gruppensiedlungen gab (obwohl die Deutsch-Australier bis 1914 in vielen von diesen Distrikten eine Minorität waren). Die Regierung wollte die deutsch-australische Gemeinschaft als eigenes sozio-kulturelles Element in der australischen Gesellschaft zerstören. Mit dieser Absicht hat die Regierung die deutschen Vereine/Klubs geschlossen, und in vielen Orten wurden die lutherischen Schulen geschlossen (alle in Südaustralien wurden geschlossen, auf der anderen Seite wurden in Victoria keine Schulen geschlossen; die deutsch-australische Gemeinschaft hatte in Südaustralien ein höheres Profil). Die Leiter der Gemeinschaft wurden auch interniert.

Konsule und Pastoren

Abgesehen von führenden Geschäftsleuten betrachtete das Verteidigungsamt die Konsule und die Pastoren als Leiter in der deutsch-australischen Gemeinschaft. Die fünf Konsule, die in Australien interniert wurden, waren nicht Berufsdiplomaten, sie waren Wahlkonsule (sie machten die Konsularbeit als Nebenbeschäftigung, ehrenamtlich), und die meisten von ihnen waren naturalisierte britische Untertanen. Die fünf waren: Eugen Hirschfeld von Brisbane, Ludwig Ratazzi von Perth (er war deutscher und italienischer Abstammung; für beide Länder war er Konsul), Alfred Christian Dehle von Hobart, Otto Johannsen von Newcastle, und Wilhelm Friedrich Christian Adena von Melbourne. Als prominente Geschäftsleute galten ihre Geschäftsaktivitäten als gegen das britisch-australische Interesse gerichtet. In Südaustralien wurde Konsul Muecke für kurze Zeit im April 1916 in Fort Largs interniert, dann war er vom Mai bis Oktober im Hausarrest in seinem eigenen Haus mit einer militärischen Wachmannschaft, während sein jüngster Sohn bei den australischen Streitkräften in Frankreich kämpfte, nachdem er früher bei Gallipoli (Dardanellen) verwundet worden war.

Eugen Hirschfeld

Eugen Hirschfeld (1866–1946) ist ein Beispiel für Deutsche, die sich dem Leben in Australien hingaben, aber auch ihre Wertschätzung für die deutsche Kultur bewahrten. Diese Kombination erschien den australischen Behörden während des Ersten Weltkriegs verdächtig und führte zu seiner Internierung. Hirschfeld wurde in Militsch, Schlesien, geboren und schloss 1889 in Deutschland sein Medizinstudium ab. Er zog 1890 nach Brisbane und arbeitete dort als Arzt und medizinischer Forscher mit den Schwerpunkten Tuberkulose, Dengue-Fieber und Fleischkontrolle. 1893 wurde er eingebürgert und heiratete 1897 Annie Saddler.

Als angesehener Führer der deutschen Gemeinde in Queensland war er ab 1906 als deutscher Konsul tätig und half bei der Gründung einer Gesellschaft zur Förderung der deutschen Sprache und Kultur. Er war Gründungsmitglied des Senats der University of Queensland und vertrat die Universität 1912 auf einer Konferenz in London. 1914 war er für einige Monate Mitglied des Parlaments von Queensland. Während des Ersten Weltkriegs wurde er interniert, nach dem Krieg nach Deutschland deportiert und ging dann nach Pennsylvania in den Vereinigten Staaten, wo er bis 1926 als Arzt arbeitete. Erst 1927 durfte er nach Australien zurückkehren, was zum Teil der Unterstützung des australischen Kriegshelden Sir John Monash zu verdanken war (Monash war ein Mann mit deutsch-jüdischem Hintergrund wie Hirschfeld). In späteren Jahren forschte er auf dem Gebiet der Weideverbesserung und einheimischer Pflanzen für die Landwirtschaft. Er starb 1946 auf seiner Farm in Yelarbon, Queensland, und hinterließ vier Kinder.[13]

In Südaustralien wurde Pastor Nickel für kurze Zeit interniert, aber danach passierte das keinen anderen Pastoren. In Queensland wurden neun Pastoren interniert, sechs von ihnen waren naturalisierte britische Untertanen. Zwei von ihnen waren in Australien geboren, einschließlich Pastor Friedrich Gustav Fischer von Goombungee. Er war im Jahre 1876 in Südaustralien geboren, und seine beiden Eltern waren auch in Südaustralien geboren. Das Bundeskabinett billigte die Internierung von Fischer aufgrund eines Nachrichtenberichts vom Verteidigungsamt - im Bericht stand (hier in Übersetzung):[14]

Die Lage in den deutschen Distrikten macht den britischen Einwohnern große Angst, und die beste Weise, diese Angst zu beruhigen, sowie die deutschen Einwohner unter Kontrolle zu halten, ist ab und zu ein paar Leiter von den deutschen Einwohnern zu internieren. Aus diesem Gesichtspunkt hält man die Internierung von Fischer für berechtigt.

(Man kann sehen, wie »britisch« und nicht »australisch« die damalige Gesellschaft in Australien sich fühlte.)

Die Lager

Foto: Internierungslager

Internierungslager auf der Insel Torrens Island, Südaustralien

Fotograf: Dubotzky, Paul. State Library of South Australia, B 57487B

Bald nachdem der Krieg ausbrach, musste die australische Regierung Unterbringung für die große Anzahl Menschen aufstellen, die interniert wurden. Deshalb wurden in allen sechs Bundesstaaten Konzentrationslager etabliert. Diese Idee wurde zum ersten Mal im südafrikanischen Burenkrieg 1899-1902 von der britischen Regierung eingesetzt. In drei Staaten (Tasmanien, Südaustralien und West-Australien) waren sie auf Inseln nicht weit von der Hauptstadt. Bis Ende Mai 1915 waren fast 3000 Menschen interniert:

Foto: Internierungslager

Internierungslager auf der Insel Torrens Island, Südaustralien

Fotograf: Dubotzky, Paul. National Library of Australia, nla.obj-141208822

Internierungslager im Mai 1915 in Australien
Internierungslager Internierte
Enoggera, Queensland (Vorort von Brisbane) 137
Holsworthy, NSW (südöstlich von Liverpool) 1342
Langwarrin, Victoria (südöstlich von Melbourne) 420
Torrens Island, S.A. (im Hafen von Port Adelaide) 355
Rottnest Island, W.A. (Indischer Ozean, bei Fremantle) 628
Bruny Island, Tasmania (südlich von Hobart) 58
GESAMTZAHL 2940

Zwei Monate später traf die Regierung die Entscheidung, diese regionalen Lager zu schließen und die Internierten in Konzentrationslager in Neu-Süd-Wales zu versetzen. Vielleicht hat sie diese Entscheidung getroffen, um Kosten zu sparen (zum Beispiel, alle australischen Soldaten mussten bezahlt werden, die in den Lagern als Wächter arbeiteten), um die Kommunikation zwischen den Lagern und dem Hauptquartier in Melbourne zu erleichtern, und um sicher zu sein, dass alle Wachsoldaten die Gefangenen nach den Richtlinien behandelten. Es gab Beschwerden, dass Wachsoldaten auf Rottnest Island oft Bajonette gegen Internierte benutzt hatten, und auf Bruny Island waren die Gefangenen in den Streik getreten, und die Regierung hatte wegen eines Skandals, in dem Gefangene auf Torrens Island gepeitscht wurden, eine Untersuchungskommission eingerichtet.

Für diese Zentralisierung der Internierten wurde das Holsworthy-Lager sehr vergrößert, und zwei Sonderlager wurden auch in Neu-Süd-Wales gegründet, beides in Gefängnissen, die nicht mehr gebraucht wurden. Das erste Sonderlager, in Berrima (130 km südwestlich von Sydney auf der Südlichen Hochebene), war hauptsächlich für Schiffsoffiziere und Seeleute, und das Lager in Trial Bay (an der Nordküste von NSW) war für etwa 500 Internierte, von denen die meisten aus britischen Territorien in Süd-Ost-Asien und den Pazifischen Inseln deportiert worden waren.

Obwohl die Internierten überwiegend Männer waren, gab es auch Ausnahmen: deutsche Familien, die vor dem Krieg in Gebieten lebten, die unter britischer Kontrolle standen (oder während des Krieges unter britische Kontrolle kamen), wie Ceylon (heute Sri Lanka), Singapur, Hongkong, Britisch-Nordborneo, Fidschi und die deutschen Kolonien im Südwestpazifik, darunter Neuguinea. Die Behörden wollten diese Familien nicht trennen und internierten sie in Bourke, einer Stadt im Outback von New South Wales, etwa 800 km nordwestlich von Sydney. Einige Familien wurden dort im Empire Hotel untergebracht, aber zu dieser Zeit war Bourke eine Stadt im Niedergang, und es gab mehrere leerstehende Häuser, die die internierten Familien nutzen konnten. Die Internierten empfanden die Hitze, den Staub und die Fliegen in der Gegend als sehr unangenehm (Georg Krafft, der ehemalige deutsche Konsul in Fidschi, starb dort im Februar 1918 an einem Hitzschlag), und später im Jahr 1918 wurden diese Familien in ein neues Internierungslager in Molonglo in der Nähe von Canberra verlegt.[15]

Für viele Internierte war die lange Reise von ihrem regionalen Lager zu ihrem neuen Lager in NSW unangenehm. Viele beschwerten sich über grobe Behandlung durch die Polizei oder Militärbeamten. Während ihrer Bahnreise waren viele in Handschellen; es war sicher nicht angenehm, in der Öffentlichkeit wie Kriminelle behandelt zu werden. Das Gepäck von vielen Gefangenen ging unterwegs verloren, und einige fanden, dass man ihr Gepäck aufgebrochen hatte und Sachen gestohlen hatte. Die Offiziere und Marineangehörigen in Berrima führten ein relativ angenehmes Leben, aber für diejenigen in Holsworthy, wo sie in offenen Zeltbaracken lebten, waren die Bedingungen staubig und hart.[16]

Foto: Internierungslager

Internierungslager, Holsworthy, NSW. Circa 1917.

National Library of Australia, nla.obj-141210221

Holsworthy war das größte und am längsten bestehende Internierungslager. Es begann als eine Ansammlung von Zelten und entwickelte sich zu einer kleinen Stadt mit Theatern, Restaurants und anderen kleinen Geschäften sowie einem Orchester und Sport- und Bildungsangeboten. Das Lager war überfüllt und es gab nur einfache Wasch- und Toilettenanlagen.[17]

Foto: Turner im Internierungslager

Deutsche Turner beim Turnen auf Sprunggeräten im Freien im Internierungslager in Holsworthy, New South Wales, 1918 oder 1919. Viele der deutschen Gefangenen waren begeisterte Turner.

Fotograf: Carl Schiesser. National Library of Australia, nla.obj-153410976

In den Lagern organisierten die Internierten ihre eigene Unterhaltung und viele kulturelle und sportliche Veranstaltungen. Sie bildeten Chöre und Orchester, und veranstalteten Theateraufführungen. Dr Maximilian Herz dirigierte viele erfolgreiche Aufführungen in Trial Bay. In Berrima bauten die gefangenen Seeleute viele verschiedene Bootsmodelle und hatten Regatten und Bootsausstellungen auf dem Wingecarribee-Fluss.[18] Bei einer Ausstellung früh im Jahr 1918 war die australische Bevölkerung von Berrima überrascht, als sie eine venezianische Gondel, ein maßstabgetreues Modell des Segelschulschiffs Preußen, eine chinesische Dschunke und ein U-Boot sahen. Die Berrima-Gefangenen durften durch ihre Arbeit auf örtlichen Farmen Geld verdienen.

Foto: Boote auf einem Fluss

Deutsche Kriegsgefangene beim Bootfahren auf dem Wingecarribee River in Berrima, New South Wales. Diese Besatzungsmitglieder der deutschen Marine oder der deutschen Handelsmarine nutzten ihre kreativen Fähigkeiten, um Bauwerke wie kleine Anlegestege am Ufer des W River zu errichten. Heideheim Villa ist ein bewusst ironischer Name für das kleine Gebäude hinter dem Holzsteg auf diesem Foto.

Bildquelle: Speer, D. (1914). Heidheim Villa, Berrima, New South Wales, circa 1917. Abgerufen am 30. September 2025 von der National Library of Australia.

Nach dem Krieg stellte sich ein schwieriges Problem mit den fast 7.000 Menschen, die in Internierungslagern in Australien festgehalten wurden und in Deutschland geboren waren oder deutschen Hintergrund hatten. Sobald Schiffe zur Verfügung standen, wurden etwa 5.200 von ihnen nach Deutschland deportiert. Darunter waren auch einige Menschen, die als Babys aus Deutschland gekommen waren und später australische/britische Staatsbürger geworden waren. Sie wurden nach Deutschland deportiert, einem Land, das sie nie gekannt hatten. Der Historiker Professor Peter Stanley betrachtet die Art und Weise, wie sie behandelt wurden, als ein sehr eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sich der intensive Hass während des Krieges in Australien sehr negativ ausgewirkt hat.[19]

♦ Einzelnachweise:

1. Monteath (2018), S.34-35

2. Fischer (1989), S.70-71, 93

3. Fischer (1989), S.93, 120

4. Fischer (1989), S.93, 119, 310

5. Fischer (1989), S.94

6. Fischer (1989), S.248

7. Fischer (1989), S.95

8. Fischer (1989), S.97

9. Monteath (2018), S.14

10. Fischer (1989), S.97

11. Fischer (1989), S.97

12. Descendants of William Silas Pearse. (2020, 19. März). <https://freotopia.org/people/pearsegenealogy.pdf> S.13-16, 23-26 / Scates, Bruce. & Wheatley, Rebecca. & James, Laura. (2015). 'The hands of our own men', Daisy Schoeffel. In: World War One : a history in 100 stories. Melbourne (Vic.) : Viking, an imprint of Penguin Books. S.212-214 / Monteath (2018), S.53

13. Leggett, C. 'Hirschfeld, Eugen (1866–1946)', Australian Dictionary of Biography, National Centre of Biography, Australian National University, <https://adb.anu.edu.au/biography/hirschfeld-eugen-6683/text11525>, 1983 erstmals in gedruckter Form veröffentlicht, online abgerufen am 10. Oktober 2025 / Monteath (2018), S.96, 98.

14. Fischer (1989), S.102-103

15. Monteath (2018), S.16

16. Stanley (2017), S.85

17. World War I: German internment camps in Australia in pictures. (2014, 29. August). ABC News (Australian Broadcasting Corporation). Online unter: <www.abc.net.au/news/2014-08-05/world-war-i-german-internment-camps-in-australia/5646636> Abgerufen am 31.10.2018. / Tampke & Doxford (1990), S.193

18. Fischer (1989), S.234-236 / Tampke & Doxford (1990), S.195-197

19. Stanley (2017), S.216

♦ Literatur:

Fischer, Gerhard. (1989). Enemy aliens: internment and the homefront experience in Australia. 1914-1920. St Lucia (Qld): University of Queensland Press.

Monteath, Peter. (2018). Captured lives : Australia's wartime internment camps / Peter Monteath. Canberra, ACT : NLA Publishing

Stanley, Peter, & National Library of Australia. (2017). The crying years : Australia's Great War / Peter Stanley. Canberra, ACT : NLA Publishing.

Tampke, Jürgen und Colin Doxford. (1990). Australia, Willkommen. New South Wales University Press.